BERLIN/HAVELLAND - Das Talent, sich für andere interessant zu machen – Marina Wesche hat es. In weißem Unterrock und mit Wäscheklammern im Haar stand die Inhaberin des „Alten Waschhauses“ in Ribbeck am Stand des Havellandes auf der Grünen Woche. „Wir sind die hübschesten Waschweiber des Herrn von Ribbeck“, rief sie jedem zu, der es wissen wollte und auch allen anderen. Und falls die Besucher dann immer noch nicht überzeugt waren, ergänzte sie: „Im Sommer bedienen wir übrigens auch in dieser Unterwäsche.“
Auch Burkhard Schröder, der gestern zum traditionellen Havellandtag auf der Grünen Woche weilte, will dem Alten Waschhaus alsbald einen Besuch abstatten. Allerdings nicht des Mieders wegen: „Ich muss bei Ihnen noch meinen Gutschein einlösen“, sagte der Landrat. Den hatte er zum 60. Geburtstag bekommen und seitdem anderthalb Jahre mit sich herumgetragen. Als ihm Marina Wesche einen Birnenschnaps anbot – quasi als kleinen Vorgeschmack darauf, was ihn in Ribbeck erwartet –, lehnte Schröder jedoch dankend ab. Darauf würden die Fotografen doch bloß lauern. Oder hatte er womöglich das Etikett auf der Flasche gelesen? Dort hieß es, man könne den Schnaps zwar vor, nach und sogar während des Bügelns trinken – doch manchmal sei man danach ganz schön geplättet.
Dieses Risiko wollte der Landrat nicht eingehen. Für seinen traditionellen Rundgang zum Havellandtag auf der Grünen Woche brauchte der 61-Jährige einen klaren Kopf. Und einen leeren Magen: Keine Station des Rundgangs verging, ohne das Schröder ein Häppchen verdrücken musste. Erst ein Fischburger am frühen Morgen am Stand des Naturparks Westhavelland, danach ein Stück Salami vom Straußenhof Großderschau. Schröder schien es zu schmecken. Beim Biobackhaus Falkensee ließ er die dargereichten Bissen links liegen und bestellte stattdessen „drei Bierstangen zum Mitnehmen, bitte“. Die seien so lecker. Dann drehte er sich zu den Journalisten um und betonte: „Das ist kein Geschenk. Die sind selbst gekauft.“ Vorsicht eines Politikers in Wulffschen Zeiten.
Ganz andere Sorgen hatte Karla Ehl, die Vorsitzende der Schönwalder Gemeindevertretung, die anlässlich des Havellandtages ebenfalls zur Grünen Woche gereist war. Gemeinsam mit Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme sollte sie eigentlich den Staffelstab für das Erntedankfest des Kreises von der Tourismusbeauftragten des Amtes Nennhausen, Heike Schmunk, überreicht bekommen. Nur: Wo sollte sie hinschauen? Von allen Seiten waren Objektive auf sie gerichtet. Ehl war verwirrt. Als sie gebeten wurde, den Stab ein wenig runter zu nehmen, ging sie kurzerhand selbst in die Knie. „Nein, nicht sie“, tönte es aus der Fotografenmenge. „Der Kranz!“
Nach der Mittagspause setzte Schröder seinen Rundgang in der Halle des MAFZ-Erlebnisparks Paaren im Glien fort. Erwin Bathe, der Vorsitzende des Fördervereins Freunde des MAFZ empfing ihn mit den Worten: „Legen Sie lieber Ihren Mantel ab. Bei uns kommen Sie gleich ins schwitzen.“ Dann ging es Schlag auf Schlag: Erst ein Kartoffel-Geschmacks-test, bei dem der Landrat den mehligen Sorten den Vorzug gab – wie übrigens die meisten Brandenburger, so Geschäftsführerin Ute Lagodka. Danach ein Vortrag zum Hasenkopf, einer ganz besonderen Apfelsorte, und schließlich – als Schröder seinen Widerstand aufgegeben hatte – doch noch ein Schlückchen Schnaps. Die Fotografen klickten eifrig.
Doch der Landrat hat Glück: Das Butterstampfen bleibt ihm an diesem Nachmittag erspart. Wie man aus Sahne selbstgemachten Brotaufstrich herstellt, demonstrierte stattdessen Jennifer Heppner. Früher, so erzählt die 23-Jährige, hätten Frauen, die ein Pfund Butter herstellen konnten, ein Diplom und einen Brautschatz von 24 Reichstalern bekommen, was in etwa dem Wert von sieben Rindern entsprach. Damit seien sie eine gute Partie auf dem Heiratsmarkt gewesen. Einige der Bauerntöchter seien sogar mit den Langen Kerlen des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm verheiratet gewesen. Eines hatten sie mit Marina Wesche gemeinsam: Sie wussten eben, wie man sich interessant macht. (Von Philip Häfner)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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