
POTSDAM - „Der Flughafen liegt im Land Brandenburg. Die Berliner sollten also zufrieden sein, dass sie in Schönefeld laden dürfen.“ Das sei ein Zugeständnis, sagt Michael Firyn, Chef der Taxi-Union, die die Interessen der selbstständigen Taxifahrer im Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) vertritt. Firyns Worte belegen, dass die Stimmung zwischen den Berliner Taxifahrern und denen des Landkreises auch nach der Einigung auf eine Taxivereinbarung noch nicht die beste ist.
Wie berichtet, haben sich der Berliner Senat und die Kreisverwaltung Königs Wusterhausen Anfang der Woche auf die Vereinbarung geeinigt. Sie war notwendig geworden, da sonst nur die im Landkreis zugelassenen Taxen Fahrgäste in Schönefeld aufnehmen dürften. Mit der Vereinbarung werde das Laderecht für Berliner Taxen am Flughafen dauerhaft und gleichberechtigt gesichert, erklärte die Berliner Verkehrsverwaltung. Auch LDS-Verhandlungsführer, Vize-Landrat Wolfgang Schmidt, zeigte sich zufrieden: „Die langen Verhandlungen haben zu einem ausgewogenen Ergebnis geführt, das die Interessen beider Länder berücksichtigt. Ich bin überzeugt, dass die Regelung auch praxistauglich ist.“
Künftig soll für alle Taxen ein gemeinsamer Pflichtfahrbereich definiert werden. Für alle Fahrten von Berlin zum Flughafen gilt der (niedrigere) Berliner Taxi-Tarif. Vom Flughafen nach Berlin und in den Landkreis gilt einheitlich der neue Tarif LDS, der dem Berliner Tarif angenähert wird. Und – besonders wichtig: 400 LDS-Taxen – das sind quasi alle – dürfen auch in Berlin Fahrgäste aufnehmen, wenn die Fahrer vor der zuständigen Berliner Kommission eine Ortskundeprüfung abgelegt haben.
Die Vereinbarung enthält noch nicht alle regelungsbedürftigen Details. Die waren aber Thema einer Beratung, die die Berliner Taxiverbände gestern mit Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler führten. Dort wurde der endgültige Vertrag vorgestellt. Von dem kürzlich angedrohten Boykott des neuen Flughafens durch die Berliner Fahrer ist nun nicht mehr die Rede.
„Es ist ein Kompromiss, ich habe Magenschmerzen damit, aber ich halte sie aus“, sagte nach dem Treffen der Vorsitzende des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg, Detlev Freutel. Er ist zufrieden, dass es gelungen ist, das Kurzstrecken-Angebot, dass es nach seinen Angaben außer in Berlin nur noch in Düsseldorf gibt, beizubehalten. Freutel begrüßt die vorgeschriebene Ortskundeprüfung für die LDS-Fahrer, weist aber darauf hin: Die dann erteilten Vignetten dürfen nicht manipulierbar sein und sie müssen klar für den Fahrer – nicht für das Auto – gelten. Die Prüfung ist nicht einfach. Nach Beobachtungen Freutels haben sich viele Taxiunternehmen in Dahme-Spreewald angesiedelt, um die Prüfung zu umgehen.
Aus Dahme-Spreewald wiederum wird den Berlinern vorgehalten, dass sie keine Prüfung für den Landkreis abzulegen hätten. Freutel kann sich als Entgegenkommen vorstellen, in die Berliner Prüfung auch den Landkreis einzubeziehen. Für den Verbandschef ist es nun wichtig, dass die zuständigen Ämter ihrer Pflicht nachkommen, die Einhaltung der Vereinbarung zu kontrollieren. Nach einem Jahr soll sie überprüft werden. (Von Stephan Laude)