BERLIN - Die Grünen wollen mit einer „quotierten Doppelspitze“ in die Bundestagswahl 2013 ziehen. Das sagte Grünen-Chefin Claudia Roth gestern nach Sitzungen von Vorstand und Parteirat in Berlin. „Quotiert“ ist das Duo deshalb, weil ihm mindestens eine Frau angehören soll, wie Roth ankündigte. Denkbar seien auch zwei Frauen als Spitzenkandidatinnen. Eine Urwahl, die Abstimmung der rund 59 000 Parteimitglieder über das zu kürende Duo, soll nur stattfinden, wenn es bis zum Ende der Sommerpause mehr als zwei Bewerber gibt. Ist dies nicht der Fall, sollen die Delegierten des nächsten Bundesparteitages vom 16. bis 18. November in Hannover die beiden Spitzenkandidaten „absegnen“, also demokratisch legitimieren.
Mit dieser Entscheidung ist die zuletzt ausufernde innerparteiliche Debatte um die Spitzenkandidatur der Grünen nicht zwangsläufig eingedämmt. Das Prozedere ist klar, die Personalien sind es nicht. Die von vielen „Realos“ befürwortete alleinige Kandidatur des Bundestagsfraktionschefs Jürgen Trittin ist allerdings vom Tisch. Unter anderen hatten sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, dafür ausgesprochen. Allerdings machte Roth früh deutlich, dass mit ihr ein einzelner männlicher Kandidat nicht durchzusetzen sei. Die Parteichefin hatte am Weltfrauentag – als bisher einzige aus der Parteiführung – einen Anspruch auf eine Kandidatur öffentlich erhoben und auch für eine Urwahl plädiert. Danach hatte die Debatte erst richtig an Fahrt gewonnen.
Gestern mochte Roth ihre Ambitionen allerdings nicht bestätigen. „Es gibt keine Personaldebatte“, sag-te sie. Bisher habe noch niemand eine Bewerbung für den Spitzenposten im Wahlkampf konkret angekündigt. Das klang vor zwei Wochen noch anders.
Trittin, wie Roth ein Vertreter des linken Parteiflügels, hat sich bisher tatsächlich noch nicht geäußert. Ihm werden jedoch ebenfalls Ambitionen nachgesagt. Trittin hatte gemeinsam mit der Co-Fraktionschefin Renate Künast, die dem Realo-Flügel angehört, bereits bei der Bundestagswahl 2009 ein Spitzenduo gebildet, das seinerzeit als ideal gelten durfte, da es sowohl der Parität der Geschlechter als auch jener der politischen Flügel Rechnung trug und überdies sehr erfolgreich war: Mit Trittin und Künast fuhren die Grünen ihr bestes Ergebnis bei Bundestagswahlen ein. Sie kamen auf 10,7 Prozent der Wählerstimmen. (Von Markus Schünemann)