POTSDAM/BERLIN - Der größte Solarbetrieb im Land Brandenburg, First Solar in Frankfurt (Oder), wird im Herbst geschlossen. 1200 Arbeitsplätze gehen verloren. Das gab der Konzern mit Hauptsitz in den USA gestern bekannt – und nannte als Grund den Abbau der staatlichen Förderung. „Der europäische Solarmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Förderung größtenteils nicht überlebensfähig“, sagt Europa-Vertriebschef Christopher Burghardt.
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wurde vom Rückzug des Vorzeige-Investors überrascht und zeigte sich entsetzt. „Das ist eine dramatische Entscheidung für das Land“, sagte er. Das Land werde alles tun, um den Standort zu sichern. Noch am heutigen Mittwoch werde es ein Gespräch mit Konzernchef Mike Ahearn geben, so Platzeck.
Doch große Hoffnung für Frankfurt hat sein Wirtschaftsminister offenbar nicht. Die Stadt sei jetzt wieder da, wo sie vor zehn Jahren war, vor dem Aufbau der Solarindustrie, sagte Ralf Christoffers (Linke). Wie First Solar gibt er überstürzten Kürzungen der Solarförderung die Schuld für die Entwicklung: „Subventionen kann man erst zurückfahren, wenn das Ziel erreicht ist.“ Verhängnisvoll sei insbesondere die drastische Rückführung der Förderung von Großflächenanlagen, auf die First Solar spezialisiert ist.
Das Unternehmen bestätigte, dass man die Produktion in Frankfurt (Oder) genau so lange weiterführen wird, dass die Fördermittel von 45 Millionen Euro für die erste Fabrik nicht zurückgezahlt werden müssen. Weitere 22 Millionen Euro für das zweite Werk würden an das Land zurückgegeben.
Über einen Sozialplan für die 1200 Beschäftigten wird es Gespräche geben. Für die weltweit 2000 Betroffenen des Konzernumbaus will First Solar 38 bis 53 Millionen Euro bereitstellen, wie es hieß.
Die Industrie- und Handelskammer in der Oderstadt sprach von einem „herben Rückschlag“ und warnte vor den Folgen für „zahlreiche Partnerbetriebe“ in der Region. Linke und SPD forderten von First Solar, der „unternehmerischen Verantwortung“ nachzukommen und einen Sozialplan aufzustellen. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel äußerte sich „schockiert“ und kritisierte die Subventionskürzungen als „Deindustrialisierungspolitik der Bundesregierung“. Er hoffe, dass sich ein Käufer für das Frankfurter First-Solar-Werk findet.
An der Börse legte die Aktie des Solarunternehmens nach der Ankündigung um 9,6 Prozent zu. (net/ast/mg)