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18.04.2012

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Eon Edis erhöht den Strompreis

Der Versorger beruft sich auf EEG-Umlage und steigende Netzentgelte / Experten halten das für nicht stichhaltig

POTSDAM - Die meisten Brandenburger Stromkunden müssen vom 1. Juni an tiefer in die Tasche greifen: Dann erhöht der Regionalversorger Eon Edis die Preise. „Wir haben die Tarife 15 Monate lang stabil gehalten, jetzt konnten wir uns dem Markt nicht entziehen“, sagt Sprecher Jörg-Uwe Kuberski. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde in der Grundversorgung steigt von derzeit 24,76 Cent um 1,60 Cent auf künftig 26,36 Cent. Für eine zweiköpfige Standardfamilie bedeutet das monatlich Mehrkosten von 3,99 Euro, rechnet Kuberski vor.

Eon Edis ist nicht der einzige Energieversorger, der den Kunden kräftig ins Portmonnee langt. „In den Monaten April, Mai und Juni erhöhen 143 Unternehmen die Preise“, so Jürgen Scheurer von der Stromvergleichsplattform Verivox. Die durchschnittliche Rate liegt bei 3,8 Prozent. Mit ungefähr sechs Prozent liege Eon Edis „schon relativ hoch“, sagt er.

Fragt man bei dem Versorger nach den Gründen für den kräftigen Preisaufschlag, heißt es: „Das liegt an den gestiegenen Netzentgelten und an der höheren EEG-Umlage. Das müssen wir weitergeben.“ In dem Schreiben, das alle Eon-Edis-Kunden bekommen haben, steht wörtlich: „Der Anteil an umweltfreundlich erzeugtem Strom nimmt stetig zu und die Stromnetze werden dafür Schritt für Schritt ausgebaut.“

Nach Ansicht von Experten reicht dies aber nicht aus, um die Erhöhung der Strompreise zu rechtfertigen. Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), mit welcher der Ausbau des Ökostroms unterstützt wird, „ist praktisch überhaupt nicht gestiegen“, sagt Ronald Heinemann vom Bundesverband Erneuerbare Energien. Genauer gesagt von 3,53 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2011 auf 3,59 Cent im laufenden Jahr. Das macht unterm Strich ein Plus von 0,06 Cent.

Die Höhe der Netzentgelte hat die Eon Edis AG selbst im Internet veröffentlicht. Sie lagen für Privatkunden im Jahr 2011 bei 7,51 Cent pro Kilowattstunde und stiegen 2012 auf 8,29 Cent. Das ergibt Mehrkosten von 0,78 Cent.

Dann gibt es noch kleinere Posten wie die neue Umlage laut Paragraph 19 der Stromnetzentgeltverordnung in Höhe von 0,18 Cent pro Kilowattstunde. Gleichzeitig ging die Umlage zum Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung jedoch um 0,04 Cent pro Kilowattstunde zurück. Zählt man die Posten alle zusammen, ergeben sich für das Jahr 2012 im Vergleich zu 2011 insgesamt Mehrkosten von 0,88 Cent pro Kilowattstunde. Von den 1,60 Cent, die Eon Edis tatsächlich draufschlägt, ist das ein ganzes Stück entfernt – auch wenn man bedenkt, das die letztmals zum März 2011 erhöhten Preise nicht nur ein Jahr, sondern 15 Monate galten.

Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht ohnehin kaum Spielraum für Preiserhöhungen. Die Einkaufspreise an der Leipziger Strombörse EEX seien nämlich deutlich gesunken, berichtet er. Kostete die Kilowattstunde dort im vergangenen Jahr im Schnitt etwa 5,5 Cent pro Kilowattstunde, sagt er, liege sie „im ersten Quartal 2012 nur knapp über fünf Cent“. Das sind 0,4 Cent weniger. Theoretisch könnte der Strom also sogar billiger werden.

Zumindest ein Teil der Tariferhöhung sei wohl nur mit steigenden Gewinnmargen der Versorger zu erklären, sagt Jürgen Scheurer von Verivox. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei Eon Edis heißt es dazu: „Wenn der Wettbewerb zulässt, dass wir mit diesen Preisen marktfähig sind, dann versuchen wir das halt.“ Gegenüber solchen Versuchen ist der Verbraucher nicht völlig machtlos: „Steigende Energiepreise sollten Anlass sein, über einen Anbieterwechsel oder eine Energiesparberatung nachzudenken“, rät Verbraucherschutzministerin Anita Tack (Linke). (Von Klaus Stark)

Stromtarife steigen schneller als die allgemeine Inflationsrate
Der Strompreis für Privatkunden ist bei Eon Edis deutlich schneller gestiegen als die allgemeine Inflationsrate in Deutschland. Im Rahmen der Grundversorgung kostete die Kilowattstunde 2002 noch 16,94 Cent, vom 1. Juni an werden es 26,36 Cent sein.

Dabei ist der Vergleich alles andere als einfach. So gibt es neben dem Arbeitspreis zum Beispiel noch einen Grundpreis, der in der Grafik nicht enthalten ist. Auch wurde die Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erhöht.

Setzt man von 2002 an lediglich die allgemeine, vom Statistischen Bundesamt jährlich ermittelte Inflationsrate an, würde der Strompreis ab Juni nur 19,83 Cent betragen. kra


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