Dahlewitz - Im Frühling werden die Nächte milder, die Beobachtungen des Sternenhimmels wieder angenehmer. Leider muss man bis zur völligen Dunkelheit ziemlich lange warten. Im Allgemeinen ist es erst eine bis eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang tatsächlich finster. Am Monatsende ist das erst deutlich nach 22.00 Uhr der Fall.
Dann spannt sich jedoch der Frühlingshimmel in voller Pracht über dem Beobachter auf. Von den Winterbildern sind nur noch die Zwillinge und der Kleine Hund mit dem hellen Stern Prokyon tief im Westen zu sehen. Direkt senkrecht über sich sieht man den großen Wagen, dessen Deichselkrümmung uns auf den hellen Stern Arktur im Bootes führt. Das Sternbild Bootes (auch Bärenhüter) ist relativ leicht zu erkennen, hat es doch die Form eines Kinderdrachens. Das Sternbild Löwe hatte seine höchste Stelle am Himmel bereits in den frühen Abendstunden und bewegt sich scheinbar in Richtung Westen. In der Osthälfte des Himmelszeltes fällt neben dem Bootes ein markanter Sternenhalbkreis ins Auge. Er deutet die Nördliche Krone, lateinisch Corona Borealis, an.
Der Sommer naht. Das zeigen die ersten Sterne des Sommerdreiecks im Nordosten: Wega in der Leier und Deneb im Schwan. Der fehlende dritte Stern, Atair, befindet sich im Sternbild Adler, welches zur Monatsmitte erst kurz vor Mitternacht aufgeht. Durch Deneb und Wega ist wieder die schöne Sternenkette sichtbar, die die Orientierung am Himmel erleichtert: „Arktur, Gemma, Herkules, Wega, Deneb merke es, dieses ist die Perlenschnur, zwischen Deneb und Arktur“ – Dieser Merkspruch hilft beim Auffinden der Kette. Gemma ist der hellste Stern der Nördlichen Krone und Herkules das Sternbild zwischen dieser und der Leier (siehe Abbildung 1). Bis Mitternacht hat auch das Sternbild Jungfrau mit seinem hellen, bläulichen Hauptstern Spica die Südlinie erreicht.
Zu den Standardobjekten einer Sternführung gehört im Frühjahr der Kugelsternhaufen M13 im Herkules. In mondlosen Nächten und bei guten Sichtverhältnissen kann man den Kugelhaufen M13 mit bloßen Augen als mattes Lichtfleckchen ausmachen (siehe Abbildung 2). Im Fernglas ist M13 auf alle Fälle gut erkennbar. Allerdings, um die Randpartien dieses Kugelhaufens in einzelne Sterne aufzulösen, benötigt man schon ein Fernrohr. So richtig zur Geltung kommt M13 aber in größeren Teleskopen ab zehn Zoll Öffnung aufwärts (also ab 25 cm Objektivdurchmesser).
Die Planeten Merkur und Jupiter sind im Mai nicht beobachtbar. Venus gibt ihre Abschiedsvorstellung am Abendhimmel. Am 3. Mai sind 25 Prozent der immer größer werdenden Venusscheibe beleuchtet. Der scheinbare Durchmesser dieses Venusscheibchens wächst rasch an und erreicht Ende des Monats die größten Werte. Die Venussichel wird dabei immer schlanker. Die Sichtbarkeitszeiten der Venus verkürzen sich im Laufe des Mai sehr schnell, ab dem 25. Mai wird man sie vergeblich als „Abendstern“ suchen. Als nächstes Highlight steht dann das „Jahrhundertereignis“ eines Venustransits an. Am Morgen des 6. Juni 2012 zieht die Venus direkt zwischen Sonne und Erde an der Sonne vorüber. Die meist sehr helle Venus kann man bei guter Witterung kurz nach Sonnenaufgang als schwarze Scheibe vor der Sonne beobachten.
Mars, wieder rechtläufig im Löwen, d.h. bezüglich der Sterne bewegt er sich in Richtung Osten, hat seine Oppositionsperiode beendet. Seine Helligkeit sinkt weiter ab. Aus der zweiten Nachthälfte zieht sich der rote Planet allmählich zurück. Am 1. Mai geht Mars noch um 4.14 Uhr (Sommerzeit) unter, am 31. Mai bereits um 2.27 Uhr. Für Fernrohrbeobachter wird der rote Planet zunehmend unattraktiver.
Saturn stand Mitte April in Opposition zur Sonne. Vom Morgenhimmel zieht sich der Ringplanet allmählich zurück. Am 1. Mai geht er um 5.48 Uhr unter und am 31. Mai sinkt der inzwischen 0,5 mag helle Saturn schon um 3.46 Uhr unter die Horizontlinie.
Der Mondzyklus im Mai begann mit dem Neumond am 21. April. Der Vollmond im Mai (auch Wonnemond genannt) ist am 6. Mai (genau um 4.37 Uhr), der Zyklus endet am 21. Mai mit dem Neumond. Dabei steht der Mond genau zwischen Sonne und Erde, was zu einer Sonnenfinsternis führt, die jedoch u.a. wegen des Zeitpunktes (0.48 Uhr) bei uns nicht zu sehen. In China, Japan und vom nördlichen Pazifik ist diese Sonnenfinsternis nur als ringförmige Finsternis beobachtbar, da der Neumond in Erdferne ist. So schafft er es nicht, die Sonne komplett abzudecken.
Sonnenaufgang ist am 1. Mai um 5.35 Uhr (Sonnenuntergang 20.32 Uhr) am 31. Mai um 4.51 Uhr (Sonnenuntergang 21.17 Uhr). Uwe Schierhorn
Der Autor ist Mitglied im Verein Schul-und Volkssternwarte Dahlewitz und Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Königs Wusterhausen. Außerdem ist Uwe Schierhorn 1. Vorsitzender von pro Astro - Landesverband Brandenburg zur Förderung der astronomischen Bildung e.V.
Quellen:
- Daten aus dem „Kosmos Himmelsjahr 2012; Herausgeber H.-U. Keller, Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart, 2011
- Abbildungen erstellt durch den Autor mit Stellarium 0.11.1
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