SCHÖNEFELD - Einige der Episoden, die Horst Materna in seinem neuen Buch zur Geschichte des Schönefelder Flughafens notiert hat, könnten auch für Luftfahrt-Fans Neuigkeitswert besitzen. Dass der Wildauer Bürgermeister Ende 1945 jedem, der zum angeordneten Arbeitseinsatz auf dem Gelände des ehemaligen Flugzeugwerkes nicht erschiene, mit dem Entzug der Lebensmittelkarten und sogar mit Verhaftung und Zuchthaus drohte, dürfte dazu gehören.
Auch dass mit dem Potsdamer Max Schmidt zwei Jahre später ein einziger Architekt mit dem Bau eines Flugplatzes in „Schönefeld, Kreis Teltow“ beauftragt wurde, hat der eine oder andere sicher noch nicht gehört. Ein paar Monate später wurde Schmidt unter dem Vorwurf finanzieller Bereicherung inhaftiert. „Es war eine wilde und turbulente Zeit damals“, stellt der Autor des neuesten Schönefelder Geschichtsbuches trocken fest.
Andere Geschichten sind für den Kenner nicht neu. Dass Arthur Pieck, Sohn des DDR-Staatspräsidenten und 1955 zum Hauptdirektor der ostdeutschen Luftverkehrsgesellschaft berufen, einmal freimütig gestand, von der Luftfahrt keine Ahnung zu haben, wurde schon kolportiert. Und der von den beiden deutschen Teilstaaten mit Inbrunst geführte Streit um den Traditionsnamen Lufthansa und das Firmenzeichen füllt bei Experten Bände. Horst Materna erinnert sowohl an die Zurückdatierung der Gründung im Gesetzblatt der DDR als auch an die diversen Fehden um Flugzeuge mit der inkriminierten Aufschrift in Drittländern. So durfte, wie er erwähnt, ein DDR-Charterflug in Kopenhagen 1958 erst nach Hinterlegung einer Kaution von 3000 dänischen Kronen in die Luft gehen.
Das ist das Spannungsfeld, in dem der ehemalige Flugkapitän „Die Geschichte des Flughafens Schönefeld 1945 – 1963“ angesiedelt hat: Auf der einen Seite die Sowjets, die als Freunde und Instrukteure halfen, als Besatzer und Konkurrenten aber auch Grenzen setzten, und auf der anderen der Kampf zwischen Ost und West im Kalten Krieg. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der einstige Flugbetriebsleiter einen 300-seitigen Band über die Henschel-Flugzeugwerke. Er ging so gut über den Ladentisch, dass eine Nachauflage gedruckt wurde. Von der Nachfolge-Publikation gab der vorsichtige Thüringer Rockstuhl-Verlag erst einmal nur 1000 Stück in Auftrag.
„Seit 1958 habe ich alles Mögliche zur Historie des hiesigen Flugwesens gesammelt“, erzählt der 75-Jährige. Die Betriebszeitung der Interflug hat er von 1961 bis zur letzten Ausgabe knapp 30 Jahre später. „Ihr Bildarchiv konnte ich retten, bevor es im Müll entsorgt wurde.“ Aus diesen Quellen, Archiven, Zeitschriften und Berichten wie dem des ausführlich zitierten Schulzendorfers Bernhard Drewitz schöpfte Materna.
Nicht zuletzt aber sind es seine Erinnerungen, die einflossen. 32 Jahre lang war er in der Zivilluftfahrt der DDR tätig, seit Mitte der 70er Jahre ihr oberster Flieger. 10 000 Flugstunden sammelte er im Cockpit. „Der Text floss mir gut aus der Feder“, bekennt er, „denn ich war Teil der Entwicklung.“ Materna schrieb über seinen eigenen Arbeitsplatz. Eine Karriere, die dem Spross einer siebenköpfigen sudetendeutschen Flüchtlingsfamilie und späteren Landmaschinenschlosser nicht in die Wiege gelegt wurde, verschaffte ihm den Überblick.
Mit dem Ende der Ost-Lufthansa 1963 endet sein Werk – und ruft angesichts der schon im Titel genannten zeitlichen Begrenzung förmlich nach Fortsetzung. „Damit will ich lieber noch etwas warten“, merkt der Schönefelder vorsichtig an.
Horst Materna: „Die Geschichte des Flughafens Schönefeld 1945 – 1963“, Rockstuhl-Verlag Bad Langensalza, 192 Seiten, 19,95 Euro (kb)
Den Bau des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder Berlin und Brandenburg und der Verkehrsminister wenige Jahre nach der Deutschen Einheit, im Jahr 1996. Damit war klar, dass die drei alteingesessenen Flughäfen Berlins nach und nach stillgelegt werden würden.
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Tegel alias "Otto-Lilienthal" ist der Flughafen des aufstrebenden West-Berlin in der Zeit des Wirtschaftswunders und des Kalten Krieges.
Von 1960 an bedienten regelmäßige Linienflüge Tegel, zunächst nur Air France, später auch Pan American mit Transatlantikflügen.
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Berühmt wurde er durch die Luftbrücke 1948/49 - während der Belagerung West-Berlins durch die Russen steuerten die sogenannten Rosinenbomber Tempelhof an, um Hilfsgüter für die Stadt zu bringen. Eröffnet im Jahr 1923 war der Flughafen Berlin-Tempelhof einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands und zeitweise einer der größten Europas.
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WAßMANNSDORF - „Sehnsüchtig blicken wir Tag für Tag auf die S-Bahnen, die durch unseren Ort rollen“, sagt Waßmannsdorfs stellvertretende Ortsvorsteherin Lydia Fischer. „Wir wünschen dann, sie würden hier auch halten. Aber das tun sie leider nicht.“
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