Findet der Tag der offenen Tür am kommenden Wochenende trotzdem statt?
Ja. Alle Bürgerinnen und Bürger können sich am Sonnabend und Sonntag die Baustelle ansehen. „Am Wochenende wird Hunderttausenden das Herz aufgehen“, prophezeit Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die offizielle Eröffnungsfeier am 24. Mai mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hingegen wird abgesagt und dann auch später nicht mehr nachgeholt.
Für den Umzug sollte der Berliner Stadtring gesperrt werden. Was ist damit?
Der Umzug von Tegel nach Schönefeld, der dieser Tage eigentlich in die heiße Phase gehen sollte, ist komplett gestoppt. Die Vorbereitungen der Stadt Berlin werden auf den neuen Umzugstermin verschoben, heißt es bei Verkehrssenat und Polizei. Aufwändige Vorarbeiten dafür habe es noch nicht gegeben.
Flüge sollen jetzt erstmal weiter von Tegel und Schönefeld aus stattfinden. Wie lange darf Tegel überhaupt noch offen bleiben?
Die Betriebsgenehmigung für Tegel endet erst sechs Monate nach der Eröffnung des neuen Flughafens – unabhängig davon, wann die tatsächlich stattfindet. Der Antrag von Airlines und Flughafengesellschaften, die Betriebspflicht – die sie zwingt, Infrastruktur wie etwa eine Feuerwehr vorzuhalten – zu verkürzen, ruht nun. Sicher ist: Von Tempelhof aus kann nicht mehr geflogen werden.
Hat das Desaster persönlicher Konsequenzen für die Flughafenchefs?
Flughafen-Chef Rainer Schwarz ist einer der bestbezahlten Manager einer Brandenburger Landesgesellschaft – mit Bezügen von 350 000 Euro pro Jahr. Gestern hat er sich entschuldigt und gesagt, er sei „bereit, weiterzuarbeiten“. In Brandenburger Regierungskreisen hieß es, die Tage von Schwarz und Technik-Chef Manfred Körtgen „seien wohl gezählt“.
Was machen Geschäfte und Restaurants auf dem neuen Airport, die bereits Leute eingestellt haben?
Die Ankündigung „kam für uns überraschend, keine Frage“, sagt Lara Vitzthum von der Gebr. Heinemann SE & Co. KG. Das Unternehmen hat am Flughafen Berlin-Brandenburg den Zuschlag für neun Shops bekommen, darunter Duty-Free-Läden und auch Geschäfte für Luxusmode. Die dafür auch neu eingestellten Beschäftigten werde man wohl in den bestehenden Shops an den beiden alten Standorten einsetzen, so Vitzthum. Da müsse man ein bisschen flexibel sein. Am alten Flughafen Schönefeld und in Tegel bleiben die Geschäfte auf jeden Fall offen.
Und die umliegenden Hotels, die sehnsüchtig auf Passagiere warten?
Thomas Tarnok, Geschäftsführer des Schönefelder Hotels Holiday Inn Berlin Airport Conference Centre, hat die Pressekonferenz der Flughafenchefs live im Fernsehen verfolgt. Was er da hörte, „ist ärgerlich“, sagt der Hotelchef. „Wir werden uns darauf einstellen müssen.“ Das Holiday Inn Berlin Airport hatte für den 2. Juni zur großen Feier mit Hunderten Gästen geladen. Das muss alles geändert werden – sobald ein neuer Termin für die Eröffnung steht. „Wir warten sehr stark auf den neuen Flughafen.“
Was passiert mit Bussen und Bahnen, die ab 3. Juni auf den neuen Flughafen ausgerichtet sind?
Beim öffentlichen Personennahverkehr wird „der aktuelle Status quo einfach gehalten“, erklärt Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Die zwei bisherigen Flughafenstandorte Tegel und Schönefeld werden weiter bedient wie bisher. Wenn der Großflughafen dann doch eröffnet werden sollte, liegen die neuen Fahrpläne bereit. Auf der Internetseite des VBB heißt es ohnehin vorsichtig: „Demnächst eröffnet der Flughafen Berlin- Brandenburg“.
Was geschieht mit der Luftfahrtmesse ILA, die vom 11. September an auf dem neuen Messegelände in Selchow stattfinden soll?
Bei den ILA-Veranstaltern war man gestern recht verschnupft. „Solch eine Ankündigung macht unsere Arbeit als Organisator nicht einfacher“, sagt Christopher Bach, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Auf der Pressekonferenz in Schönefeld hieß es hingegen, für die ILA seien keine Auswirkungen zu erwarten.
Was kostet das alles? Verlangen die Fluggesellschaften jetzt Schadensersatz?
Das ist alles noch unklar. Auf jeden Fall wird die abgesagte Eröffnung extrem teuer – man denke nur an die ganze Umzugslogistik, die jetzt neu sortiert werden muss.
Wird der Ruf Brandenburgs als Land gescheiterter Großprojekte wiederbelebt?
„Die Verschiebung ist bedauerlich“, reagiert die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) gelassen, „aber da die Erreichbarkeit der Hauptstadtregion ja über Tegel und Schönefeld gewährleistet ist, steht einer Reise nach Berlin und Brandenburg nichts im Weg.“ Tiefer sitzt der Stachel bei den Wirtschaftsförderern der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), die für den Standort Brandenburg die Werbetrommel rühren. Dort hieß es, man sei von der Ankündigung überrascht worden – und wolle sich dazu nicht weiter äußern. ast/gd/kra/so/Foto: dpa