BERLIN - Keine Facebook-Kontakte zwischen Schülern und Lehrern, keine gemeinsamen Saunabesuche und kein Ausfragen von Jugendlichen zu ihren sexuellen Erfahrungen: Mit einem umfangreichen Verbots- und Maßnahmenkatalog will die Bundesregierung den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen bekämpfen. Vor allem ein Verbot von Facebook-„Freundschaften“ zwischen Lehrern und Schülern könnte für Streit sorgen.
Der Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, handelt gegenwärtig mit 20 Dachverbänden wie der Bischofskonferenz, dem Arbeitskreis der Internate oder der Arbeiterwohlfahrt Vereinbarungen aus, in denen sich die Mitglieder dieser Verbände verpflichten, konkrete Regeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen einzuhalten. Im Verhaltenskodex, der der MAZ vorliegt, wird unter anderem festgelegt, dass Lehrer und Erzieher bei Übernachtungen die Räume der Kinder und Jugendlichen erst nach vorherigem Anklopfen betreten dürfen. Die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen ist den Erwachsenen – abgesehen von Notfällen – generell untersagt. Wecken soll ohne Körperkontakt stattfinden.
Bei sportlichen Hilfestellungen ist der Griff an die Geschlechtsteile tabu, auch dürfen Lehrer und Erzieher im Intimbereich sowie an Bauch und Oberschenkeln keine medizinische Versorgung vornehmen. Ausnahmen sind auch hier nur in Notfällen erlaubt. Einzelne Kinder dürfen nicht bevorzugt werden, etwa durch Geschenke oder eine Heimfahrt mit dem Trainer nach einer Übungsstunde.
Verboten soll es den Erwachsenen auch sein, Kinder und Jugendliche nach ihren sexuellen Erfahrungen auszufragen und mit ihnen gemeinsam die Sauna oder einen FKK-Strand zu besuchen. Auch Besuche von Kindern und Jugendlichen in den Privatwohnungen der Erwachsenen sollen tabu sein. Bereits unterschrieben haben die
Vereinbarung zur Einhaltung solcher Regeln der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Arbeiterwohlfahrt und am 7. Mai auch der Paritätische Gesamtverband.
Die Vereinbarung sieht auch vor, dass die Prävention von sexueller Gewalt in der Satzung jeder Einrichtung verankert wird, die Mitarbeiter entsprechend Fortbildungen erhalten und auch die Eltern und Kinder angemessen über das Thema informiert werden. Rörig ist seit Dezember 2011 Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er ist Nachfolger von Christine Bergmann (SPD), deren Stelle im Frühjahr 2010 eingerichtet worden war. Auslöser dafür war eine Fülle von Enthüllungen über Fälle sexuellen Missbrauchs. (Von Joachim Riecker)