BERLIN - Ginge es nach CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski, sollte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in diesem Sommer mit Urlaubsplänen zurückhaltend sein. „Der Landtag wird nicht eher in die Sommerpause gehen, bis alle Fragen zur Flughafenverschiebung restlos geklärt sind“, sagt er. Notfalls werde seine Fraktion nach der letzten Landtagssitzung im Juni vor der Sommerpause weitere Plenen beantragen.
Dieter Dombrowski ist an diesem Freitag als Besucher ins Berliner Abgeordnetenhaus gekommen, um zu hören, was der Aufsichtsratschef und Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), zu dem Eröffnungsdebakel zu sagen hat. Denn am Montag muss sich Platzeck im Potsdamer Landtag erklären. „Mal sehen, ob die beide das gleiche sagen“, meint Dombrowski.
Der Generalsekretär sieht sich nach der Sondersitzung des Berliner Verkehrsausschusses bestätigt: „Wir befürchten, dass die Kosten für den Flughafen um etwa eine Milliarde Euro steigen werden“, sagt er. Zwar scheuen die Flughafenvertreter immer noch, offen eine konkrete Summe zu nennen. Doch Aufsichtsratschef Wowereit räumt auf Nachfrage ein, dass der Puffer innerhalb des Kreditrahmens von 2,4 Milliarden Euro inzwischen „deutlich“ geschrumpft sei. „Wir sind da an der Kante. Und ich kann nicht ausschließen, dass die Kante des Kreditrahmens übersprungen wird“.
Unterdessen kommen gestern neue Details über die Hintergründe der plötzlichen Verschiebung ans Licht. Demnach waren die Kontrolleure, die immer noch jedes Aufsichts-Versäumnis von sich weisen, spätestens Ende Februar über die äußerst prekäre Terminsituation informiert. Nachdem die Einrichtung der komplexen Brandschutzanlage ins Schlingern geraten war, hatte sich der Flughafen auf eine halbautomatische Interimslösung konzentriert, um die Eröffnung am 3. Juni doch noch zu packen. Dafür sollten 700 befristete Arbeitskräfte eingestellt werden, um die eigentlich elektronisch gesteuerten Türen per Hand zu bedienen. Bei einem Vor-Ort-Termin in Schönefeld am 29. Februar wurde diese Linie beschlossen. Mit dabei: Vertreter der Potsdamer Staatskanzlei.
Damals sei klar gewesen, so Baubereichsleiter Joachim Korkhaus gestern im Ausschuss, dass der vollautomatische Betrieb erst Ende 2012 fertig werden würde. Der Flughafen suchte also – einvernehmlich mit dem Aufsichtsrat – das Heil in der Interimslösung. Mit dem Bauamt in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) sei auch alles abgestimmt gewesen, so Flughafenchef Rainer Schwarz. Am Ende scheiterte das Provisorium aber an den Generalplanern – dem Architekten-Konsortium PG BBI. Chefarchitekt Hans-Joachim Paap vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP) verweigerte am Abend des 7. Mai dem Antrag auf die Interimslösung die Unterschrift. Seine Bedenken, dass der Zeitplan nicht mehr einzuhalten sei, waren zu groß. Inzwischen hat der Aufsichtsrat dem Konsortium das Vertrauen entzogen. Von seinem Rauswurf aus dem Projekt hat das Unternehmen aus den Medien erfahren. In einer knappen Stellungnahme hieß es gestern bei GMP lediglich, man habe noch „keinerlei direkte Informationen der Flughafengesellschaft zur Beendigung des Vertragsverhältnisses erhalten“. Weiter äußert sich das Büro nicht.
CDU-Mann Dombrowski schüttelt über all dem nur noch den Kopf – zumal der Flughafen bereits 2016 wieder unters Messer muss. Dann muss die Nordbahn, die der heutigen Südbahn von Schönefeld-Alt entspricht, grundsaniert werden. „Herr Platzeck muss sagen, wie das bei laufendem Betrieb gehen soll“, sagt Dombrowski. „Eine Startbahn kann man ja nicht mal eben halbseitig sperren.“ (Von Torsten Gellner)
„Die ganze Welt lacht doch über uns“
Mit dem Bürgermeister der Flughafen-Gemeinde Schönefeld (Dahme-Spreewald), Udo Haase, sprach Torsten Gellner.
MAZ: Der Flughafen wird ein dreiviertel Jahr später fertig. Was sagen Sie dazu?.
Udo Haase: Ich glaub das einfach nicht. Am 7. Mai, einen Tag vor der bösen Überraschung, wurde der Hangar an Air Berlin übergeben. Da hieß es noch: Der Termin steht. Dann hieß es, es wird Mitte August. Und nun das. Da fall ich doch vom Stuhl ...
Was sagen die Investoren ?
Haase: Das ist das Problem. Deren Vertrauen schwindet. Die Hotels, die Dienstleister, die ganzen Geschäfte in und um den Flughafen haben sich auf den Termin verlassen. Jetzt sind die Hotels fertig, oder werden es in den nächsten Wochen, und keiner kommt.
Gibt es Absagen?
Haase: Nein, aber sehr viel Kopfschütteln, Unverständnis und kritische Worte. Wissen Sie, das ist doch ein Imageschaden nicht nur für die Region. Die ganze Welt lacht über uns: Was, die Deutschen kriegen keinen Flughafen mehr hin?
Was bedeutet die Verschiebung für Ihre Gemeinde?
Haase: Wir tun alles dafür, dass die Umfeldentwicklung Schritt hält. Die Jobmaschine wird erst richtig anlaufen, wenn der Flughafen funktioniert. Wir haben natürlich mit steigenden Einnahmen gerechnet, die wir auch dringend brauchen. Der Kreis und das Land haben ihre Forderungen an uns erhöht. Wir mussten schon tief in die Rücklage greifen, um den Haushalt auszugleichen.
Hat aus Ihrer Sicht der Aufsichtsrat versagt?
Haase: Das kann ich nicht beurteilen. Aber dass nur einer dran schuld sein soll, nämlich der Chefplaner Manfred Körtgen, das fällt mir schwer zu glauben.