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24.05.2012

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Landärzte verzweifelt gesucht

Landrat des Kreises Elbe-Elster wirbt für ein Projekt, mit dem er junge Ärzte in seine Region holt

RATHENOW - Es gibt ihn nur noch selten – den Landarzt. Dabei müssen Mediziner, die sich diesem Fach verschrieben haben, Alleskönner sein. Eigentlich eine lohnenswerte Perspektive könnte man meinen – auch in Brandenburg, wo die Landbevölkerung zwar schwindet aber immer noch so präsent ist, dass man nicht auf medizinische Versorgung vor Ort verzichten kann. Rathenow, wahrlich kein Provinzdorf, gehört ebenfalls zu den Städten, in denen Mediziner bestimmter Disziplinen gar nicht mehr anzutreffen sind.

Was also tun? Der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski hatte den Landrat des Kreises Elbe-Elster, Christian Jaschinski, eingeladen. Dort hilft man Medizinstudenten mit einem Stipendium, wenn diese sich im Gegenzug bereit erklären, sich in Elbe-Elster niederzulassen. Als Partner hat man dabei das Kreiskrankenhaus – die Elbe-Elster-Klinik im Boot. Jaschinski war mit den Landtagsabgeordneten Michael Schierack und Anja Heinrich nach Rathenow gekommen, um für dieses Modell zu werben. Insgesamt werde der Kreishaushalt mit 69 000 Euro belastet. „Das ist eine überschaubare Summe“, so Jaschinski. Und es zeige sich inzwischen, dass die jungen Leute Interesse an der Arbeit auf dem Land bekommen haben. „Es gibt einen Klebeeffekt“, so die Landtagsabgeordnete Anja Heinrich.

Zu den Gästen, die sich die Vorträge anhörten, gehörten auch Ärzte und Apotheker aus Rathenow. Hans-Hermann Schultze, Kreistagsabgeordneter und Inhaber der ältesten Apotheke des Landes, vermietet Arztpraxen. „Es ist sehr schwierig Ärzte für bestimmte Disziplinen zu finden und das hat mit dem System zu tun. Wenn ein Facharzt oder Hausarzt sein Kassenbudget für das Quartal schon nach zwei Monaten aufgebraucht hat, könnte er einen Monat schließen. Macht er das nicht und behandelt weiter, muss er sich unangenehmen Befragungen der Krankenkassen unterziehen.“

Eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin, die ihre Kassenzulassung vor einiger Zeit zurückgegeben hat, betonte, es sei für einen Mediziner, der nur seinen Beruf ordentlich ausüben wolle nicht hinnehmbar, dass die Krankenkassen mit juristischen Folgen drohen, nur weil der Arzt die Patienten behandelt. „Wir brauchen eine auskömmliche Bezahlung für Ärzte und eine Veränderung im System“, so die HNO-Ärztin, die jetzt ihre Praxis privat betreibt und erklärte, ihre Arbeitszufriedenheit sei „hundertprozentig gestiegen“.

Im Landkreis Havelland gibt es Überlegungen im Verbund mit den Havelland-Kliniken und dem Medizinischen Gesundheitszentrum der Klinik, um Lücken auf dem Land teilweise zu schließen. In Buschow zum Beispiel belegt eine Arztgemeinschaft aus Potsdam die Hausarztpraxis in Teilzeit. Die Gemeinden helfen tatkräftig bei der Suche nach geeigneten Praxisräumen mit.

Michael Schierack, selbst Arzt, glaubt, dass das Land die Steuerung von Unterstützungsmodellen übernehmen könne. „Es gibt in Deutschland keinen Ärztemangel, es gibt ein Problem bei der Ärzteverteilung.“ Das bestätigte der Direktor des Amtes Friesack, Christian Pust: „Wenn für den Landkreis vier Ärzte einer bestimmten Disziplin vorgesehen sind und diese sitzen alle in Falkensee, dann ist für die Kassenärztliche Vereinigung alles in Ordnung aber wir am Rand des Kreises haben das Nachsehen.“

Inwieweit das Elbe-Elster-Modell im Havelland Schule machen kann, wird sich zeigen, wenn die CDU dazu eine Initiative im Kreistag und bei Landrat Burkhard Schröder in Erwägung zieht. Bis dahin wird die Suche nach geeigneten Ärzten im Notfall schwer und Patienten müssen weiter lange Wege in Kauf nehmen, um notfalls einen niedergelassenen Arzt anzutreffen. (Von Joachim Wilisch)


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