FALKENSEE - Es war kurz vor acht. Der Arbeitstag hatte für die Bauleute, die an der Falkenseer Gluckallee ein neues Eigenheim errichten, gerade erst begonnen, als sich ein schwerer Unfall ereignete. Beim Ausfahren des Ladekrans eines Lastwagens, der Steine angeliefert hatte, löste sich plötzlich der Kranausleger und stürzte mit der vollen Wucht seiner zwei Tonnen und den Steinen auf die Rüstung. Ein 48-jähriger Arbeiter aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz wurde zwischen Kranteil und Rüstung eingeklemmt – und das in fünf Metern Höhe.
Um ihn befreien zu können, bedurfte es der Unterstützung der Berliner Feuerwehr – eines Spezialkranwagens aus Charlottenburg und der Höhenrettungsgruppe aus Marzahn. Eine Stunde brauchte der Kranwagen, bevor er am Unfallort eintraf, eine weitere, bis der Mann befreit war. Bis dahin voll bei Bewusstsein, wurde der Verunglückte im Augenblick der Bergung ohnmächtig. Es kam zum Herzstillstand. Den Rettungskräften gelang es, den Mann wiederzubeleben. Er wurde mit schwersten Verletzungen von einem Rettungshubschrauber ins Berliner Unfallklinikum geflogen.
Während der langwierigen Aktion hatten Rettungshelfer und Notarzt den Verunglückten versorgt, während die Falkenseer Feuerwehr die Retter und die eigenen Leute sicherte, „und das auf einem freischwebenden Gerüst“, sagte Stadtbrandmeister Daniel Brose, für den dieser Einsatz in jeder Hinsicht außergewöhnlich war. „Wir kamen mit unserer Technik einfach nicht ran, da musste ein großer Kran her“, sagte Brose. Einsätze wie dieser seien „normalerweise so unwahrscheinlich wie ein Tsunami in der Havel“. Was zum Absturz des Kranteils geführt hatte, ist noch unklar. Unmittelbar nach Alarmierung der Feuerwehr waren auch der Bürgermeister und ein Vertreter vom Amt für Arbeitsschutz zur Unglückstelle gekommen. Die Polizei ermittelt nun wegen Baugefährdung in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung. In Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Potsdam wird ein Gutachter den Unfallort genaustens unter die Lupe nehmen. (Von Hiltrud Müller)