BERLIN - „Für Kinderhände leicht zu bedienen“, weit verbreitet in Mexiko, made in Germany. Für 1499 Euro verkauft der „Waffensupermarkt“ das deutsche Schnellfeuergewehr G 36. Daneben wird ein „Schützenpanzer VAB“ angeboten, 699 000 Euro, „Schluss mit lästigen Demonstranten“.
Die Werbebeilage, die kommenden Donnerstag aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ fallen wird, ist ungewöhnlich. „Aufrüsten. Absahnen“ steht darauf, angeboten werden Kriegswaffen. Den „Waffensupermarkt“ gibt es aber nicht wirklich. Es ist die Idee der Werbeagentur Kornberger und Partner – im Auftrag der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“. Die Intention klärt sich auf der vierten Seite des Prospekts. Amnesty setzt sich seit März mit einer Kampagne für eine bessere weltweite Kontrolle des Waffenhandels ein. Der Prospekt soll dafür zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Anfang Juli werden in den USA die Vereinten Nationen über dieses Thema diskutieren. 2006 und 2009 gab es bereits Verhandlungen, bei denen das Aufsetzen eines Vertrages beschlossen wurde, der den Waffenhandel transparenter machen soll. Im Juli wird am Text des Vertrages gefeilt, Amnesty hofft, dass er bereits bei der UN-Vollversammlung im Dezember rechtskräftig werden kann.
Bei der Vorstellung des 50. Jahresberichts der Organisation wurden gestern deutliche Forderungen an die Politik formuliert: Keine Waffen für Menschenrechtsverletzungen, keine Ausnahmen, strikte Kontrollen. Die Kampagne soll aufrütteln. „Die vertraute Werbe-Ästhetik des ‚Waffensupermarkts’ holt die mörderische Realität des internationalen Waffenhandels mitten in unsere Alltagswelt“, sagt Frank Kornberger, Chef der verantwortlichen Agentur. Kriegsbilder wirken heute nicht mehr, meint er, sie sind zu bekannt. „Deswegen wollten wir anders herangehen.“ Wenn Kampfhubschrauber mit „100 Prozent bürgerkriegstauglich“ beworben werden, sei das nicht zynisch, sondern Realität.
Auf der zur Kampagne gestarteten Internetseite des Waffensupermarkts können natürlich keine Waffen bestellt werden. Wer „Zum Shop“ anklickt, landet auf der Petitionsseite von Amnesty. „Einige Länder haben gar keine Standards beim Waffenhandel“, so Annette Hartmetz von Amnesty. Auch Deutschland könne noch mehr tun. Deswegen hoffe man auf eine Einigung in New York. Damit manche Länder nicht weiter wie im Supermarkt Kriegswaffen von anderen kaufen. (Von Sebastian Scherer)