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25.05.2012

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Rockerrazzia in Norddeutschland

1.200 Einsatzkräfte für 89 Objekte: Seit dem frühen Morgen war die Polizei im Einsatz

KIEL/HANNOVER - 1.200 Polizisten waren gestern in Norddeutschland gegen kriminelle Rocker der Hells Angels im Einsatz. Sie durchsuchten insgesamt 89 Bordelle, Gaststätten und Wohnungen. Fünf Personen wurden dabei verhaftet. Gegen zwei weitere, die derzeit bereits eine Haftstrafe verbüßen, wurden weitere Haftbefehle ausgestellt. Der Schwerpunkt des bisher größten Schlags gegen die Rockerkriminalität lag im Großraum Kiel.

Von der Razzia, bei der das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein die Federführung hatte, war allerdings auch das Privathaus von Hannovers Hells Angels-Chef Frank Hanebuth betroffen. Vermummte und bewaffnete Beamte der Spezialeinheit GSG 9 seilten sich am frühen Morgen von einem Hubschrauber aus auf das Grundstück des 47-Jährigen in Bissendorf-Wietze ab. Zeitgleich brachen weitere Polizisten die Tore des Geländes in der Wedemark auf und verschafften sich so Zutritt. Sieben Stunden lang durchsuchten sie die Villa und beschlagnahmten unter anderem Handys, Laptops und zahlreiche Akten. Hanebuth steht im Verdacht, von den kriminellen Aktivitäten der Kieler Hells Angels gewusst zu haben und teilweise in sie verwickelt zu sein.

Vorgeworfen werden Rockern an der Förde, deren Abteilung, Charter genannt, im Januar von Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) verboten wurde, unter anderem Menschen- und Waffenhandel, Körperverletzung und Erpressung. Hanebuths Rechtsanwalt Götz von Fromberg wies die Verdächtigungen als „an den Haaren herbeigezogen“ zurück.

Bei den Durchsuchungen im Großraum Kiel stießen die Beamten, wie das LKA Schleswig-Holstein bestätigte, auch auf zahlreiche Waffen, darunter sieben Handfeuerwaffen, 25 Messer, drei Macheten und 900 Patronen. In den Focus der Ermittlungen gerieten neben den Mitgliedern des verbotenen Charters der Hells Angels auch ein Mitarbeiter einer Justizvollzugsanstalt, ein Angestellter der Stadt und ein Beamter der Kieler Polizei. Sie sollen gegen Geld Informationen an die Rocker weiter gegeben haben.

Bei der Razzia wurde auch mit Leichenspürhunden nach dem seit zwei Jahren vermissten Türken Tekin Bicer aus Kiel-Gaarden gesucht. Die Polizei vermutet, dass der 47-Jährige einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Vermisste war im Milieu als Türsteher tätig.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) begrüßte die Aktion der Kieler Kollegen. „Die heutige Durchsuchungsaktion im Rockermilieu unterstreicht unsere gemeinsamen Bemühungen im Nordverbund, die Organisierte Kriminalität der Rockerbanden zu bekämpfen“, erklärte er. Weiter kündigte der Minister an, ein Verbot der Rockerklubs weiter vorantreiben zu wollen: „Sollte es gerichtsfeste Beweise für ein Verbotsverfahren geben, werden wir dies unverzüglich auf den Weg bringen“, sagte der Minister. Auch die Gewerkschaft der Polizei lobte die Durchsuchungen: „Die klare Botschaft lautet: Kriminelle Parallelgesellschaften werden mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft“, erklärte ein Sprecher. (Von Tobias Morchner)


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