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26.05.2012

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Alpenglühn

Wenn eine Schmonzette „Ein Sommer in den Bergen“ heißt, weiß man ja eigentlich, welche Protagonisten man erwarten darf. Die gestresste Großstadtfrau mit Herzschmerz, das freche Scheidungskind mit Tablet-PC und Akku-Ladeproblemen, die plötzlich aufgetauchte Halbschwester, der grummelige Alm-Opa und freilich: der schöne Dorfarzt mit den blauen Augen. Diese Schablonen-Charaktere bestreiten jedenfalls das ZDF-Herzkino heute Abend.

Und sie tun das, was man von ihnen erwartet: Lachen und Weinen, Streiten und Lieben. Natürlich vor malerischer Alpenkulisse mit glühenden Sonnenuntergängen und grünen Wäldern. Das ist vorhersehbar und ein bisschen kitschig, aber so soll es ja auch sein, das Herzkino.

„Der ganze Himmel ist voll Schäfchenwolken und Sie starren in einen Computerbildschirm“, sagt der schöne Landarzt Karl Huber (Heikko Deutschmann) zur schönen Pia Vandenbrok (Muriel Baumeister), die weniger für Schäfchen als ihre Karriere übrig hat. Da hilft es auch nicht, dass der Medikus in den Himmel deutet und über „zwei Schäfchenwolken, die sich küssen“ sinniert. Genau das hat die überarbeitete Ärztin und alleinerziehende Mutter aus Hamburg, die nach dem Tod ihres Vaters eine Auszeit in den Bergen sucht, nämlich nicht im Sinn. „Ich möchte keinen Urlaubsflirt“, sagt sie dem Huber recht früh recht deutlich.

Stattdessen will sie ihre Halbschwester Marie (Stefanie Stappenbeck) kennenlernen, die unten im Dorf wohnt und schön überrascht-gerührt schaut, als das neue alte Familienmitglied in ihrem Blumenladen steht. Dass es Marie gibt, weiß Pia nämlich erst seit dem Tod des Vaters. Und dass der gestorben ist, erfährt Maria erst durch Pia. Als wäre das nicht schon Drama genug, ist der sympathische Huber, in den sich Pia wider Willen verguckt, auch noch Ehemann – von Marie.

So nimmt die Familien- und Liebesgeschichte also ihren vorhersehbaren Lauf, während sich Pias 13-jähriger Sohn Leo (überzeugend: Jannis Michel) oben auf der Alm mit dem grummelnden Griesgram Karl Huber (Wolfgang Hübsch) und dem nur spärlich vorhandenen Strom herumschlagen muss. Genau den braucht der Junge mit dem Wuschelkopf aber, um für seine Deutscharbeit zu lernen. „Wir bekommen alle unsere Bücher als pdf-Datei, das spart ’ne Menge Geld und CO2“, erklärt er dem Alten. Ein paar gegrillte Würstchen und Schachpartien später ist das Eis gebrochen – und der Akku aufgeladen.

Heile Welt vor Alpenpanorama bietet „Ein Sommer in den Bergen“ also am Ende. Was man schon am Anfang weiß. Doch auch wenn die konfliktreiche Story (Drehbuch: Stefanie Sycholt und Freya Stewart) arg konstruiert wirkt, ist der Film für eine Reihe wie das Herzkino gelungen.

Das liegt vor allem an den Schauspielern Baumeister und Deutschmann, denen man die gestresste Ärztin und den hemdsärmeligen Landarzt abkauft, weil sie ihre Rollen unaufgeregt und sympathisch spielen. Unterhaltsam sind außerdem die Sticheleien zwischen dem kleinen Leo und dem alten „Alpen-Yeti“ Huber („Sie haben sich im Haus vertan, Ihre Drachenhöhle ist nebenan!“). Der wahre Star bleibt aber freilich die Alm: Wo sonst wird schließlich noch über Schäfchenwolken diskutiert?

„Ein Sommer in den Bergen“, 20.15 Uhr, ZDF (Von Alexandra Stahl)


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