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12.06.2012

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Ode an mein Fahrrad

Was von der Rundfahrt übrig blieb

Man hat ja solche Phasen: Irgendwie ging auf dieser Tour bei mir vieles auf einmal kaputt, das Armband meiner Laufuhr zum Beispiel (weshalb ich an ihrer Stelle jetzt meinen einzigen Tour-Sonnenbrand habe). Kurz zuvor schon hatte sich mein schönes Teleobjektiv in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Was sollte da noch passieren?

Am Abend vor der ersten Etappe schaute ich auf meinen alten Tour-Tacho – trotz neuer Batterie funktionierte da irgendetwas nicht mehr. Ich setzte noch auf unsere Fahrradfachleute. Doch diesen Typ Tacho gibt es gar nicht mehr. So hatte ich eine Woche lang mehr eine Ahnung von meinem Tempo als exaktes Wissen. Zwicken im Oberschenkel bedeutete dann zum Beispiel: Zu schnell in die Steigung hineingegangen. Hungergefühl im Magen wiederum signalisierte, dass man bis zur Mittagspause noch einen Zahn zulegen sollte. Alles eine Frage des richtigen Gefühls.

Mein gutes altes Fahrrad traf es aber auf dieser Tour richtig hart. Erst war im wahrsten Sinne des Wortes die „Luft raus“, so dass Fahrraddoktor Axel Spieker gleich am ersten Tag in Bork an meinen 13 Jahre alten Klepper ranmusste, den ich eigens für die dritte Tour de Prignitz zum Preis von damals 499 D-Mark erworben hatte. Die hässlichsten, aber dafür auch auffälligsten Satteltaschen an einem Prignitzer Fahrrad wirkten erstmals weniger bunt als verblichen – klar, dass ein weiterer Reißverschluss den Weg alles Irdischen ging. Ein paar Tage lang schliff dann lediglich eine Querstrebe langsam, aber sicher den Vorderreifen ab, bis es dann zum Tour-Ende richtig knüppeldick kam. Erst flog der Kettenschutz in Höhe des Perleberger Bahnhofs einfach von dannen, und schließlich brach mir kurz nach dem Knüppeldamm in Streckenthin der Bolzen vom Sattel. Mein Fahrrad überlebte die Operation an der offenen Sattelstange kurz vor Beveringen und sieht jetzt an dieser Stelle wieder schick aus. Lutz Spieker und Siegfried Ramin, unsere Fahrraddoktoren, sind einfach unbezahlbar! Und: Mein Rad trug mich mit all seinen Blessuren bis ins Ziel in Heiligengrabe. Jetzt also geht es in Kur. Denn eins ist klar: Ohne diesen bislang so stabilen Drahtesel möchte ich nicht auf die 16. Tour de Prignitz gehen; schließlich hat er bereits knappe 4000 Kilometer auf Tour-de-Prignitz-Etappen auf dem Buckel. Und nicht immer muss gleich wieder alles kaputtgehen. (Von Bernd Atzenroth)


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