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14.06.2012

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Wer auf Twitter das Sagen hat

Neues Forschungsprojekt über „Social Media“

POTSDAM - Die Piratin Julia Schramm twittert: „Adorno hatte Recht # Kulturindustrie“. Gehört die Politikerin zu einem kleinen Kreis von Meinungsführern, die die Debatte ums Urheberrecht in den „Social Media“ bestimmen oder geht ihr Tweet folgenlos in der Masse von Mitteilungen unter?

Solchen und ähnlichen Fragen geht das vom Bund mit insgesamt 800 000 Euro geförderte Forschungsprojekt „Analyse von Diskursen in Social Media“ nach. Beteiligt sind neben Forschern der Universitäten Münster, München und Stuttgart-Hohenheim auch Computerlinguisten vom Lehrstuhl Manfred Stedes an der Universität Potsdam.

„Es geht zunächst einmal darum zu schauen: Wie breiten sich Themen aus? Wie ist ihre Bewertung? Zu welchen Themen wird eher gebloggt, zu welchen wird getwittert“, sagt Stede. Erarbeitet würden so Erkenntnisse über Formen aktueller politischer Meinungsbildung. Erstmals versuchten damit Sozialwissenschaftler zusammen mit Computerlinguisten, die Wirkung der sozialen Medien anhand empirischer Daten abzubilden. Die Potsdamer Computerlinguisten steuern dafür zum Teil automatisierte Analysemethoden bei.

Sie liefern zum Beispiel Software, mit der sich aus den neuen sozialen Medien abgesaugte Debatten nach Themen sortieren lassen. Eine der vielen Schwierigkeiten dabei: Über ein und die selbe Person kann mit verschiedenen Ausdrücken gesprochen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel kann zum Beispiel „die Kanzlerin“, „Angie“, „Mutti“ oder einfach nur „sie“ sein. „Soziale Medien zu analysieren ist nicht einfach“, sagt Stede. „Die Grammatik in Twitter ist eben eine andere als im Duden.“

In einem weiteren Schritt wird ermittelt, wie die Beiträge miteinander verbunden sind. Die Analyse der Netzwerke soll zeigen, ob an Knotenpunkten immer die selben Sender sitzen.

Die Software für das Speichern von Daten steht bereit. Auch Blogs, Facebookeinträge und Tweets von der Debatte um Ex-Bundespräsident Christian Wulff wurden gesammelt, um die Methode auszuprobieren. Ab Juli wollen die Forscher dann zwei Monate lang eine aktuelle Debatte in den neuen Medien verfolgen.

Ein eigenes, aber ergänzendes Projekt, an dem sich die Potsdamer ebenfalls beteiligen, ist die Analyse von 500 000 Zeitungstexten aus drei Ländern. Da es sich um online verfügbare Texte handelt, greifen auch hier die Methoden der Potsdamer Computerlinguisten. „Allles kreist bei dieser Analyse um das Thema ,Konflikt’“, sagt Stede. Sozialwissenschaftler aus Stuttgart und Hildesheim wollen herausfinden, wie in klassischen Printmedien über Konflikte debattiert und dabei eine Art Gemeinschaftsgefühl hergestellt wird. (Von Rüdiger Braun)


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