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19.06.2012

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Die Demonstranten wurden erhört: Plattnerbau statt Plattenbau

Weil die Befürworter so viele und die Gegner nur eine Handvoll waren, ließ sich der Milliardär auf dem Alten Markt von den Potsdamern erweichen

POTSDAM / INNENSTADT - Es sollte vier Überraschungen geben an diesem denkwürdigen Abend, und sie steigerten sich gegenseitig, um sich um 20.15 Uhr in lautem Jubel zu lösen. Überraschung eins war, dass um 19 Uhr deutlich mehr als 1.000 Potsdamer zu einer Demonstration auf den Alten Markt kamen, bei der es darum ging, einen Mäzen – Hasso Plattner – zu überzeugen, die von ihm gestiftete Kunsthalle mit DDR-Kunst doch in die Innenstadt zu bauen und sich von einigen Nörglern nicht an den Stadtrand drängen zu lassen. Selbst die Organisatoren – neben der Bürgerinitiative Mitteschön waren dies alle Parteien bis auf die Linke – waren bass erstaunt, wie schnell und komplett sich der Platz füllte. Kinder hatten Plakate gebastelt, auf denen „Fly away Mercure“ stand und das Hotel mit Flügeln aus der Mitte davonflog, viele trugen Plakate mit Aufschriften wie „Gegen Nörgler“, „Danke, Hasso“, „Plattner-Bau statt Plattenbau“ und – im leicht missglückten Versuch, poetisch zu klingen – „Wo die Kunst der Mitte entflieht, kann es um eine Stadt nicht gut bestellt sein.“ Die Polizei vor Ort schätzte sogar mehrere tausend Besucher.

Überraschung zwei war, dass nach Moderator Günther Jauch, Schauspielerin Nadja Uhl und Modeschöpfer Wolfgang Joop auch Plattner selbst erschien – von deutlichem Applaus begleitet. Ein älterer Herr, der einem jungen Polizisten gerade erklärte, worum es bei der Demo eigentlich gehe – der Polizist hatte gefragt! – unterbrach sich, richtete die Augen gen Himmel und sagte: „Jetzt wird alles gut!“, als er Plattner sah.

Die dritte Überraschung: Es gab keine wirkliche Gegendemonstration. Die Linke und ihre Anhänger waren entweder nicht da oder äußerten sich nicht. Stattdessen waren eine Handvoll von der linksradikalen Gruppe „Die Andere“ im Internet zusammengetrommelte junge Menschen erschienen, die streckenweise alle Redner hysterisch zu überbrüllen versuchten. Falls sie gehofft hatten, Plattner, der sich gegenüber Kritik bislang dünnhäutig gezeigt hatte, zu vergraulen, so ging ihre Rechnung nicht auf: „Ihr seid so wenige“, sagte er, „ich hatte befürchtet, dass viele kommen, die sagen: Seht, das Hochhaus haben wir in den 1970ern gebaut, wir identifizieren uns damit“. Nun räumte der Milliardär ein, er habe eindeutig überschätzt, wieviele gegen die Kunsthalle in der Mitte sind. Wieder Applaus. Die fünf Lauten mussten sich vom Podium viel anhören: „Wer eben noch die Weltrevolution in den Sand gesetzt hat, soll nicht die Wiederherstellung unseres Stadtpanoramas verhindern“, hieß es da. Nadja Uhl räumte ein, auch sie vermisse manchmal die Orte ihrer Kindheit und Jugend, die immer häufiger abgerissen würden, doch stehe die radikale Linke eher für Anti-Architektur. Und eine Halle mit DDR-Kunst repräsentiere die guten Seiten der DDR allemal besser als „ein pupsiges Hotel“, in das kaum einer hineindurfte.

Wolfgang Joop machte es kurz und zitierte Nietzsche: Man brauche die Kunst, um an der Wahrheit nicht zugrunde zu gehen. Man brauche aber das Hotel nicht mehr, um an ein Regime zu erinnern, an dem viele zugrunde gingen.

Günter Jauch schließlich erinnerte daran, dass, wer Plattenbauten schätze und an ihnen Identität festmache, in Potsdam keinen Mangel leide – es gebe an jeder Ecke noch genug davon, doch die „sozialistische Notdurftarchitektur“ habe im Lustgarten nun wenig zu suchen. Er bat auch die Investmentfirma Blackstone, der das Haus gehört, nicht maßlos zu werden angesichts des reichen Käufers. Dem Vernehmen nach hat die Firma den Kaufpreis drastisch erhöht, als sie erfuhr, dass der Milliardär Plattner der potenzielle Käufer sei.

So gut durch drei Überraschungen vorbereitet, war die vierte dann fast schon keine mehr: Ein beeindruckter Plattner sagte den Satz, der die Tausend erlöste: „An mir soll’s nicht liegen.“ Sprach’s und bat Jauch, Joop und Oberbürgermeister Jakobs zum Bier – um Pläne zu machen. (Von Jan Bosschaart)


Kunsthalle
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In diesem Forum gibt es 87 Einträge

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» Heike80 | 19.06.2012, 00:58

Linksradikal


Dieser Artikel ist eine blanke Unverschämtheit. Ich lebe länger in Potsdam als Herr Bosschaart, habe 2 Kinder hier großgezogen und bin weder linksradikal, noch im Intrenet zusammengetrommelt, sondern ein ganz normaler Mensch. Dennoch bezweifle ich, dass die Stadt teure Grundstücke anbieten oder Angebote an die Weiße Flotte machen soll, nur damit das Mercure abgerissen werden kann. Der Jungfernsee ist doch ein toller Platz für eine Kunsthalle. Bei der Kundgebung heute wurde mir schnell klar, dass die Kunsthalle den meisten Demonstranten völlig egal ist. Denen geht es nur um den Absiss des Hotels. Der Autor des Artikels hätte gern auch etwas über die giftige Atmosphäre gegen die Leute von den Anderen schreiben können. Es ist nicht in Ordnung, dass Transparente zerstört und Menschen bespuckt werden.

» Pancho | 19.06.2012, 06:25

oligarche Stadtentwicklung


Ich war gestern auf der "Kundgebung". Ich schätze rund 1.000 Senioren. 100 - 200 hundert Menschen unter 30 Jahren. Der größere Teil davon wohl eher dem skeptischeren Lager zuzuorden. Kein Dutzend Kinder! Selbst Hasso fragte sich wo die Jugend ist und wie sie wohl denkt. Tja wäre er mal zur Mieten-Demo vor 2 Wochen gekommen. Schätzungsweies doppelt soviele Teilnehmer waren dort. Heute von einer "überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung" zu sprechen macht keinen Sinn.
Ein bekannter Lokalreporter bestätigte mir die neue, zu der "Sache stehenden", polarisierende Linie der Zeitung, auch auf die Gefahr hin bei Unabhängikeit und Überparteilichkeit Einbußen hinzunehmen. Gefühltes Finale: Die Beschimpfung der "ewiggestrigen Stalinisten" durch Herrn J. aus P. Schön auch die Szenen wie ein Potsdamer Stadtverordnete von 4 Polizisten weggetragen wurde. Was wird er wohl verbrochen haben?
Kopfschüttelnd zog mit meinen beiden Kindern von dannen. Wir malten uns aus, welcher Anstrich fürs Mercure wohl der Besten wäre. Wir einigten uns lachend auf die Regenbogenfarben.

» Historiker | 19.06.2012, 08:09

Jauch, Joop und Jakobs


Na Super! Wer richtet´s wieder? Die Reichen und Schönen ... und wer bitte hat die Potsdamer gefragt, was sie sich wünschen?
Früher hat man die Garnisonkirche weggerissen. Jetzt tut man gleiches mit der sogenannten sozialistischen Notdurftarchitektur.
Leute, langsam sollte aus Fehlern mal gelernt werden. Und nicht jeder, der nicht mehr zur Demo geht, ist für einen Abriss des Hotels "Mercure". Vielleicht haben die Demo-Verweigerer es einfach nur satt, sich von Joop und Co. erläutern zu lassen, wie Demokratie angeblich funktioniert.
Und selbst wenn, entschieden wird ohnehin nicht demokratisch. Das ist nicht mehr populär in Potsdam.
Es hat den Anschein, dass alles, was irgenwie nach "sozialistischer Notdurftarchitektur" riecht, am besten sofort weggerissen werden soll. Stichwort Minsk, Schwimmhalle, Staudenhof ...

Ich bin froh, nicht mehr in Potsdam wohnen zu müssen!

» barnabas | 19.06.2012, 08:10

Figuren


Kompliment MAZ. Ihr medialer Auftritt - Darstellung des Auflaufs von einigen Figuren am gestrigen Montag, gleich zunehmend dem der PNN.

Wie kommen Sie darauf die "Die Andere" als linksradikale Gruppe zu bezeichnen?

Nun zu Herrn Plattner.

Sicher ist hier zumindest eines, er ist der Umfaller wie prognostiziert. Einige Figuren, die Massen sind keine Potsdamer, skandieren für eine Neuordnung nach ihrem Wollen.

Die in Ihrem Beitrag erwähnte Biertrinker sind ebenso keine Potsdamer und helfen eben den Potsdamern über was sie für richtig halten.

Ebenso die Darstellung in das Hotel durfte zu Zeiten der DDR kaum einer hinein, ist mindestens frei erfunden.
Wie borniert muß man sein derartiges in Rede zu stellen?

Der inhaltsleere Kommentar von Joop bedarf keines Widerspruchs.

Die verbalen Ausfälle des Herrn Jauch gefallen mir. Noch besser, dass Sie von der MAZ das hier schreiben.

"Notdurftarchitektur"..
Diese Bezeichnung hat was.
Millionen von Menschen leben in eben dieser und fühlen sich nicht unbedingt unwohl.

Wie, Herr Jauch bezeichnen Sie diese Menschen?

Fakt ist, Jauch und Konsorten überziehen Potsdam mit einem ideologischen Feldzug. Plattner gehört nun auch dazu.

Lassen wir uns nun in diesen Feldzug hinein ziehen?
Ich sage ja!

Führen wir diese Auseinandersetzung mit Konsequenz.

» Mitdencker | 19.06.2012, 08:29

Herrn Plattner


Was bildet sich der Geldadel ein?

Wenn seine Diener Ihm huldigen wollen sein Geldwille geschehe wie im Himmel so in Potsdam , dann ist dass Ihre Sache.
Wir alle die kein Disney Potsdam wollen sind nicht seine Knechte !

Bei der Mieten Demo ein sehr schöner Spruch Miete schön statt Mitte schön!

» indijana | 19.06.2012, 08:33

ferngelenkte Medien?


Eine starke "Demokratie" haben wir uns da eingekauft. Die Medien funktionieren wie zu DDR-Zeiten. Ein Medienmensch, der seine ganz persönliche Meinung in stark beleidigender und diffamierender Weise öffentlich kundtut, bekommt alle Möglickeiten an exponierter Stelle seine rhetorischen Schmutzkübel über Menschen auszuschütten, die nicht seiner Meinung sind. Mit welchem Recht bekommt ein Jauch soviel Medienpublicity? Wer kommt denn auf die Idee diesen diffamierenden, pöbelnden und beleidigenden Menschen als den "Potsdamer" ein mediales Sprachrohr zu geben? Leider hab ich bei der Potsdamer Abrissdemo "die Potsdamer" vermisst. Vielleicht, weil sie das gar nicht wollen? Vielleicht, weil sie mit solcher "Demonstration der Vernunft" vernüntiger Weise nichts zu tun haben sollen? Nichts gegen eine Kunsthalle, aber so geht das wohl nicht. Im Abreißen von Gebäuden ist man ja mittlerweile der DDR um einiges vorraus. Die DDR hat vielleicht Ruinen geschleift, aber heute werden funktionierende Gebäude aus rein ideologischen Gründen mit vorgeschobener Architektur dem Erdboden gleichgemacht. Wie meinet Jauch doch im RBB? Da stehen doch noch Plattenbauten, wo sich die "Ewiggestrigen" austoben können? Und meinte die Fachhochschule und die Wohnnungen, die den vorgestrigen Ansichten einiger weniger, wenn auch sehr lauter und mit Mammon gesegneter Vorgestriger längst ein Dorn im Auge sind. Ja, Jauch, Jop und Plattner gehen mit dem OB ein Bier trinken, und hecken den nächsten Schlag aus. Vielleicht die Absetzung des gemeines Potsdamers als Wahlvieh? Wer Regiert? Na klar, das Geld!!!! Und Politik wird mit den Medien gemacht. Und das nennt man "Demokratie". Diese "Demokraten" wären in der verblichenen DDR gut aufgehoben, da hätten sie sich diese Show sparen können und gleich mit der Planierraupe alles plattwalzen . Eigentlich können wir die SSV als scheindemokratische Veranstaltung auflösen. Die nichtgewählte "Regierung" trifft man eh beim Bier.und Zentralorgan ist die MAZ

» Jedermann | 19.06.2012, 09:05

Demokratie


Kleine Demokratienachhilfe: Die zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung ist Ergebnis von freien Wahlen (so etwas gab es in der Bauzeit des Interhotel noch nicht). Eine Mehrheit der Stadtverordneten hat sich für die Kunsthalle im Lustgarten ausgesprochen. Wie legitimieren sich bitte die Interhotelbeschützer? Wählen gehen und/oder sich selber einbringen und Geld sammeln für den Bau von neuen Interhotels! Steht jedem frei. Gruß von einem gebürtigen Potsdamer vom Stern!

» indijana | 19.06.2012, 09:18

apropo umfrage, liebe MAZ


Warum machen sie denn keine Umfrage zum Abriß des Hotels? Haben sie Angst, das es dabei genauso ausgeht wie beim Blickpunkt und bei der PNN?
PNN: 40% für den Abriss
60 % dagegen
Blickpunkt: 29,88% für den Abriss
70,12% dagegen

aber die Mehrheit ist ja, laut Deutungshohheit der Medien, die Abrissclique.

» Lodown | 19.06.2012, 09:23

Ich bin dagegen, weil ...


Das Gebäude in dem jetzt das Mercure Hotel sollte bestehen bleiben. Eine Kunsthalle sollte lieber an den dafür vorgesehenen Kulturstandort Schiffbnauergasse, damit dieser vielleicht mal den Namen gerecht! Eine schöne Glasfassade um das Hotel, oben noch eine schicke Lounge mit Blick über Potsdam - einfach ideal. Am Jungfernsee hatte sich Herr Plattner eh schon alle guten Grundstücke gesichert, dann soll er dort lieber seine Häuser für seine SAP Mitarbeiter bauen. Das die Stadt mit Ihren Vorstellungen was die Bürger denken weit auseinandergeht hatte man zuletzt schon am Schwimmhallen-Projekt gesehen. Potsdam verkommt mehr und mehr zum Disneyland der schönen und Reichen. Für mich und viele meiner Freunde eine sehr traurige Entwicklung - leider!

» werner | 19.06.2012, 09:41

Kpital bestimmt !


Wer das Geld hat und gibt, bestimmt auch wofür. Soweit richtig, aber es kann nicht angehen, das nun auch noch über den Ort bestimmt wird.
Übrigens um sicherzustellen welche Mehr- oder Minderheiten vorhanden sind, müßten wohl doch Befragungen erfolgen. Das Gefährliche, wie es im Moment in Potsdam läuft,ist, das die Politik in den Verdacht kommt käuflich zu sein. Noch etwas zur Wortwahl wie man vermeintliche Gegner bezeichnet. Hier zeigen einige offensichtlich was sie unter Demokratie verstehen.

» Tine14471 | 19.06.2012, 09:49

Prost, die Herren!


Geld regiert die Welt und Geld regiert auch (in) Potsdam. Die gestrige Veranstaltung war sehr einseitig. Aber wie sollte der Dialog gefunden werden, wenn die Demo doch für Mitteschöne Befürworter war. Aber das die Berichterstattung zum heiklen Thema ebenso einseitig ist, enttäuscht. Tatsächlich waren nicht alle Besucher der Demo für den Abriss. Ich war da, ich bin für das Mercure. Aber ich dachte, ich höre mir an, warum die Kunsthalle in der Mitte stehen muss. Die Reden waren pure Beweihräucherung und eine Antwort gab es: Die Kunsthalle muss in die Mitte, damit das Mercure endlich weg kann.
Ebenso einseitig und gleich wie die Reden und Redner war auch das zustimmende Publikum. Angegraut bis grau/weiß, gut situiert bis gut betucht. Passend zur dann so schönen barocken Mitte.
Ich bin enttäuscht und kann den Feldzug, der Potsdam gerade überrollt, nicht nachvollziehen: Weg damit, ist ja nicht schön. Wer sagt denn, dass die neue Kunsthalle schön sein wird? Modern ist nicht gleich schön! Wer kennt Entwürfe? Warum hat das historische Mercure keine Daseinsberechtigung neben diesem Stadtschloss-Plattenbau mit Fassade?

Liebes Mercure, es tut mir leid, dass du so mit Füßen getreten wirst. Ich mag dich! Und nur an dieser Stelle und nur ganz kurz und leise danke ich diesem ach, so tollen Stadtschloß. Denn nur weil es da ist, musstest du dir das Gerede über dich nicht anhören.

» Mitdenker | 19.06.2012, 10:01

Gegengewicht


Ganz erwartungsgemäß sind die Kritiker nach Bekanntwerden der Kunsthallen-Pläne in die Öffentlichkeit getreten. Sie haben mit Plattners Reaktion sogar eine heftige Wirkung erzielt. Nun melden sich die Befürworter, denn "Dagegen-Sein" ist eben nicht jedermanns Sache. Ich habe kein Problem damit, das Jauch und Co längst auch Einwohner jener Stadt sind, in der ich aufwuchs. Das sie sich auch für die Stadt interessieren und sich engagieren, ist sehr begrüßenswert. Sicher trifft nicht jede Idee überall auf spontane Zustimmung, aber dafür wird ja dann in Potsdam auch gern und laut diskutiert. Entlarvend ist jedoch, wie wenig bei der Kritik die Kunsthalle als solche befunden wird. Das Mercure als Symbol für was auch immer hochzustilisieren, bleibt rätselhaft. Es ist schlichtweg kein schönes Bauwerk, dessen weitere Laufzeit zudem arg begrenzt ist. Neue Ideen für diesen Platz sollten willkommen sein. Dabei gesellschaftliche Auseinandersetzungen im Sinne ideologischer Kämpfe zu schüren, ist einfach meilenweit über das Ziel hinausgeschossen.
Auch wenn die PNN sich früh auf die Seite der Befürworter geschlagen hat, so ist es doch gerade mit einer zweiten Zeitung in der Stadt erfreulich, dass es noch distanziertere Ansichten gibt. Dass diese nun nicht 1:1 mit der Meinung der Kritiker übereinstimmen, ist eher beruhigend. Denn hitzige Debatten gibt es genug und mehr Sinn für das eigentliche Anliegen wünscht sich sicher auch der ein oder andere in dieser Stadt, egal von wo er/sie kommt und wie viel er/sie verdient.

» revolutz | 19.06.2012, 10:10

Andere Überraschungen


Das Rührstück hatte für mich kaum etwas Überraschendes. Wenn nicht einmal 1000 Leute kommen, finde ich das nicht überraschend viel. Immerhin betont Mitteschön ja, die Mehrheit zu vertreten, hat seit Tagen Werbebeiträge in der Lokalpresse und sich nicht gescheut, in bester DDR-Manier Reisebusse anzukarren und Parteikader abzuordnen.

Dass Plattner selbst kam, war sicher etwas überraschend, die Verkündung der frohen Botschaft dann eher nicht mehr. So werden doch Drehbücher für das schlichtere Publikum immer konzipiert. Und wenn Nadja Uhl mitspielt, kann man keine Hochkultur erwarten.

Dass die Mehrheit zum Jubeln und nicht zum Protestieren gekommen war, finde ich nun auch nicht verwunderlich. Dafür sorgt hierzulande schon der Veranstalter und die Lokalpresse. Und nicht alle Skeptiker ertragen den Anblick des Aufstands der Vernunft auf den Knien vor Herrn Plattner.

Mich hat überrascht, wie plump sich Herr Jauch und Frau Uhl als Hassprediger gegen die DDR-Architektur entpuppten. Jauch gab ernsthaft zum Besten, dass die Plattenbauten, die noch stehen, genug Zeugnis der DDR-Architektur sind. Offenbar weiß er nicht einmal, dass solche Bauten in den 60 ern auch im Westen entstanden. Das Vokabular fand ich auch überraschend grenzwertig. Bereits mein Stasi-Vernehmer bezeichnete meine Kritik an der DDR als destruktive Nörgelei und mein Lehrmeister versuchte mich vor der Klasse als einen Ewiggestrigen darzustellen.

Die größte Überraschung war für mich allerdings, wie wenig sich die Anwesenden für die Kunsthalle interessierten und wie durchgängig es ihnen stattdessen darum ging, dass das Mercure weggerissen wird.

Ich bin nur selten bei einer Veranstaltung mit einer so aggressiven und intoleranten Grundstimmung gewesen. Zum ersten Mal seit 10 Jahren erhielt ich heute Nacht mal wieder einen Drohanruf. Der Mann teilte gleich im ersten Satz mit, dass er bereits die MAZ gelesen hat.

Herzlichen Glückwunsch, Jan Bosschaart!

» Madstoper | 19.06.2012, 08:52

Waren sie da?


Herr Bosschart, waren sie gestern vor Ort und haben sie die Rede von Hasso gehört? dann dürfte ihnen nicht entgangen sein, dass er den OB aufforderte, die Potsdamer abstimmen zu lassen! Diesen Fakt hier gepflegt zu ignorieren grenzt schon an Manipulation. PFUI MAZ!

» Rainererich | 19.06.2012, 11:32

Verbaler Faupax


Herr Jauch hat die Hosen heruntergelassen und ein Wort kreiert: Notdurftarchitektur! Gut, dass man endlich weiss, mit wem man es zu tun hat. Soviel Hass, Aroganz und Überheblichkeit bei nur einem Menschen war selten. Nun wissen wir endlich, was man in gewissen Kreisen, die stets demokratische Gepflogenheiten einfordern, tatsächlich darüber denkt. Danke Herr Jauch.

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