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23.06.2012

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Isegrimm erstmals gesehen

Neu im Westhavelland: Bei Jerchel sind einem Jäger auf der Pirsch zwei Wölfe über den Weg gelaufen

RATHENOW/JERCHEL - Die Nacht war klar, der Mond schien hell und die Sicht war gut. Kurt Wollbrügge, Landwirt in Jerchel und seit vielen Jahren Jäger, hat mit großer Wahrscheinlichkeit am 12. Februar dieses Jahres die erste Wolfsbeobachtung im Westhavelland seit mehr als 160 Jahren gemacht. Die meisten Fachleute gehen auch davon aus, dass Wölfe schon hier waren oder durchgezogen sind.

Kurt Wollbrügge selbst hat wegen seiner Beobachtung kein großes Brimborium veranstaltet. Deshalb ist diese Zeitung erst jetzt auf das Ereignis aufmerksam geworden. Es war gegen 22 Uhr, erinnerte er sich, und er sei zu Fuß auf dem Havel-Radweg von Bahnitz her in Richtung Jerchel unterwegs gewesen. Er war auf der Pirsch nach Wildschweinen, hat dann aber plötzlich ganz andere Tiere gesehen. An einer Waldkante entlang, hat Kurt Wollbrügge berichtet, habe er zwei Tiere kommen sehen. Eines vorweg, das andere rund 30 Meter dahinter. Waren das Hunde?

Nein, es waren keine. „Das waren eindeutig Wölfe“, ist der Jercheler sicher. Beide hätten sich in dem typischen lockeren Trab vorwärts bewegt und ihre Nasen ständig nach links und rechts gehalten. Das bedeutet: Sie hatten Hunger. Gegenüber Hunden waren sie viel schlanker und auffällig hell war ihr Fell. Als der vorn laufende Wolf den Radweg erreichte, sagt Kurt Wollbrügge, habe dieser ihn bemerkt und verharrt. Nach einer Schrecksekunde seien beide Tiere in den Wald verschwunden.

Nach dieser Begegnung fiel dem Jäger ein, dass er etwa eine Woche zuvor in der Nähe dieses Ortes Spuren gefunden hatte, von denen er glaubte, dass sie von zwei Hunden stammten. Dann erinnerte er sich, dass es zehn Tage zuvor im Raum Schla-genthin eine Großjagd gegeben hatte. Es gab Berichte, dass die Aufbrüche (entnommene Innereien) der erlegten Tiere sofort weg gewesen seien. Wölfe, die sie fraßen, könnten eine Erklärung dafür sein. Kurt Wollbrügge sah es nicht als nötig an, den Behörden seine Beobachtung zu melden. Er setzte sich aber mit einem Schäfer von Nitzahn in Verbindung, aber der hatte nichts Ungewöhnliches bemerkt.

Er informierte auch Egon Ahrensdorf, den Vorsitzenden des Kreisjagdverbandes Rathenow. Für diesen war die mutmaßlich erste Wolfsbeobachtung keine Sensation. „Wir werden den Wolf früher oder später in unseren Revieren haben“, sagte er dieser Zeitung. Der müsse hier nicht hungern, es gebe reichlich Wild. „Wir möchten, dass der Wolf ins Jagdrecht kommt“, sagte Egon Ahrensdorf. Es gehe keineswegs darum, dass er gejagt werden soll. Notwendig sei nur eine Regelung für den Fall, dass ein Wolf angefahren werde. Dann müsse es rechtlich abgesichert sein, dass ein Jäger das verletzte Tier töten darf.

Klaus Thiele, der Wolfsbeauftragte des Naturschutzbundes für den Landkreis Havelland, erinnerte daran, dass es im Jahr 2010 bei Nauen einen Wolfsnachweis gegeben hat. Ein Jäger habe die Begegnung mit einer Handkamera dokumentiert. In den letzten Jahren habe es immer wieder mal Hinweise auf Wölfe gegeben, sagte Klaus Thiele. Aber das alles werde nicht als Nachweis gezählt. Gegenwärtig liege ihm überhaupt keine Meldung vor.

2010 kam ein einzelner Wolf von Altengrabow her über die B188 auf den Truppenübungsplatz, hat diese Zeitung berichtet. Das wurde registriert, weil er einen Sender trug. Wo das Tier heute ist, weiß man nicht. Im Bereich Vieritz/Schmetzdorf soll in diesem Jahr auch ein Wolf gesehen worden sein, aber mehr war bislang nicht herauszubekommen.

Wie Erik Nagel, Pressesprecher der Kreisverwaltung, nach Rückfrage in der Unteren Jagdbehörde sagte, ist die oben genannte Wolfsbeobachtung von 2010 bei Nauen bislang der einzige wirkliche Nachweis gewesen. Im Jagdjahr 2011/12 hätten einige Jäger eine Sichtung gemeldet, teilte er mit, so am Truppenübungsplatz Klietz, bei Retzow/Pessin und im Raum Nauen/Groß Behnitz. Doch seien keine Spuren gefunden worden, nichts sei bewiesen. (Von Bernd Geske)


Ihre Meinung ist gefragt!

In diesem Forum gibt es 9 Einträge

» kindderwende | 26.06.2012, 17:13

Jäger auf der Pirsch, zwei Wölfe auf dem Weg


Soso, kaum werden Wölfe gesichtet, wollen Jäger, dass sie ins Jagdrecht kommen. Ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Tiere tot aufgefunden werden.

» paulchasseur | 27.06.2012, 11:17

Hege ist Artenschutz


Wenn eine Tierart unter dem Jagdgesetz steht heißt das nicht, dass diese Art auch geschossen werden darf.

Stattdessen besteht für die Jäger damit die Pflicht die unter dem Jagdrecht stehenden Arten zu hegen.

Deswegen brauchen wir den Wolf im Jagdrecht!

» maxlaumann | 27.06.2012, 14:21

Bitte Experten ranlassen


Wer ist naturexperte und weiß mit Tieren umzugehen, wenn nicht Menschen, die sich täglich oder wöchentlich in der Natur bewegen?

Jäger sind Experten im Umgang mit der Natur und den bei uns lebenden Tieren. Ich musste monatelang für meine Jagdprüfung lernen und die nun jahrlange Erfahrung im Wald beweist einen guten Umgang mit der Natur.

» Gruenrock | 27.06.2012, 16:41

Jäger schießen nicht nur!


Um das einmal eindeutig festzuhalten: Wenn ein Tier dem Jagdrecht unterliegt, dann bedeutet das nicht (wie z.T. angenommen), das auf das Tier ohne Sinn und Verstand geschossen werden darf. Im Gegenteil! Jäger verpflichten sich, sich um Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, zu kümmern! Viele Tierarten wären längst ausgestorben, würden sie nicht dem Jagdrecht unterliegen. Das gilt wohl auch für den Wolf!

» kindderwende | 28.06.2012, 11:15

Das bedeutet,


dass eine Aufnahme ins Jagdrecht ungleich dem sofortigen Abschuss ist?
Verstehe ich das richtig?
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich nie ausführlich mit dem Jagdrecht befasst habe...

» unbestechlicher | 01.07.2012, 19:20

Falsch


Der Wolf wurde von Jägern ausgerottet, das ist Fakt. Der Begriff Hege ist gesetzlich nicht definiert dem
nach kann er nach belieben ausgelegt werden. Die Jagd ist mit Hege verbunden sagt das BJagdG. Wie hegen denn Jäger wenn sie im Ausland jagen? Damit ist bewiesen das Jäger vorrangig die Regulation durch abschiessen unter Hege verstehen. Und es ist erwiesen das eine Regulation durch Hege (Abschuss) nicht funktioniert. Das haben führende Wildbiologen anhand von der Wildschweinpopulation nachgewiesen. Jäger schieben es auf den Maisanbau, vergessen dabei aber das Mais den Wildschweinen auf den feledern max. 3 Wochen zur Verfügung stehen, im Wald jedoch das ganze Jahr durch Kirrung getarnte Fütterungen, teilweise durch vollautomatische Futterautomaten die lediglich die gesetzlich erlaubte Kirrmenge ansstreuen, dies aber ständig.
Jäger behaupten auch das Rehe durch das neue freizeitverhalten in die Wälder gedrückt werden wo sie angeblich Schäden anrichten. Auch hierbei übersehen sie das sich das Freizeitverhalten "im Wald" abspielt und demnach das Wild aus den Wäldern heraus gedrückt werden müßte, anstatt hinein. Auf den Feldern besteht in der Wuchsphase Betretungsverbot. Und Waldschäden durch Rehe gibt es ebenfalls ,wenn überhaupt, nur in der Wuchsphase indem sie die obersten Triebe fressen. Seitliche gefressene Triebe nutzen dem Forst da man hohe Stämme ohne Seitentriebe will. Der Wolf im Jagdrecht eröffnet lediglich ein Hintertürchen um einen Abschuss unter fadenscheinigen Begründungen zu rechtfertigen. Den Nachweis bleiben sie wie bei anderen Tieren schuldig. Haustiere stehen nicht unter dem Jagdrecht und werden trotzdem grundlos erschossen. Jemand vom Landwirtschaftsverband bezeichnete die Haustierjagd als besonderes Schmankerl für Gastjäger.

» bennyhund | 02.07.2012, 09:46

Hege


Dem Beitrag von "unbestechlicher"kann ich nur beipflichten! Wer heutzutage bei (leider)einer Großzahl von Jägern die in der Ausbildung und im Jagdgesetz verankerte "Hege" mit wirklicher Sorge ums Waldtier gleichsetzt, ist leider auf dem Holzweg. Sicher gibt es - Gott sei Dank - immer noch verantwortungsbewußte Jäger, aber die sind heute in der "Geld-Welt" leider in der Unterzahl (in bestimmten Gebieten jedenfalls). Ich kenne Erzählungen, das ein toller Keiler absolut nur wegen seinen "Gwehren" geschossen wurde - "weil man noch keine Trophäe besaß in der Größe"!-das Fleisch wurde nicht mal verwendet, das Tier wurde im Wald verbuddelt....Andere Tiere werden für die eigene TK-Truhe geschossen, man muß ja den Beitrag für die Jagdpacht wieder reinbekommen.......Und genau in diesem Tenor ist das Verlangen nach dem Jagdrecht für den Wolf. Der ist dem Jäger einfach nur Jagd-Konkurrent, weiter gar nichts! Jäger können sich nicht damit abfinden, das ihnen noch Jemand anderes Rehe und Hasen wegfängt! Man zahlt doch viel Pacht.....Mein Arbeitsplatz in der zuständigen obersten Landesbehörde läßt leider keine andere Antwort zu. Hör mir einer auf mit Jäger und Hege!

» IngolfAlbertKluge | 02.07.2012, 09:48

@unbestechlicher


Versuchen Sie doch bitte mal sachlich zu bleiben.Machen Sie doch einfach den Jagdschein,auch wenn Sie nicht jagen wollen,Bildung schadet nichts.Sie wüßten dann zum Beispiel das Sauen im April schon im Raps verschwinden und von dort Nahtlos im Mais untertauchen,meistens im Juli bis September/Oktober also rund 6 Monate unsichtbar sind.

Um dann nochmal auf ihre Wildbiologen zu kommen !Nonsens sag ich.Sie werfen uns Jägern vor den Wolf ausgerottet zu haben.Wie denn?Ihre Wildbiologen sagen doch,das Bejagung das Gegenteil bewirkt,also wo sind die Hundertausende von Wolfsrudel ?

Wenn eine Bejagung nichts bringt,warum werden denn Millonen von Giftködern in Deutschland ausgelegt um der Ratten herr zu werden, das sind doch auch Säugetiere ?

Ich bin für die Natur,den ich bin ein Teil davon.

Rehe verbeissen übrigens den Terminaltrieb,der zur Verbuschung führt, der schmeckt ihnen gut,seitliche Triebe werden durch verfegen beschädigt.

Es ist für mich erschreckend wie wenig Menschen auch nur annähernd etwas über unserer heimische Natur wissen.

Auch ihr Kommentar über den Abschuss von Haustieren ist absolut unsachlich.Der Gesetzgeber erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen den Abschuss von Katzen und Hunden,das bedeutet aber doch nicht das Jäger das tun.Ich habe in den letzten 20 Jahren die wilderen Hunde den Besitzern gebracht, und nicht erschossen,soviel zu ihrem Schmankerl !!

Grüße aus Neustadt an der Dosse

» bennyhund | 02.07.2012, 15:25

Nachschlag zum Thema


Der Wolf in Brbg. ist (noch) so lange total geschützt, so lange er nicht Überhand nimmt und wirklich große Schäden z.B. an "Nutztieren" (in Umzäunungen gehaltene Wildtiere, Schafe usw.)anstellt oder in's urbane Umfeld des Menschen eindringt und dort Schäden anstellt. Wenn dieser Fall eintritt, dann wird sicherlich auch über eine Übernahme ins Jagdrecht - dann aber mit entsprechenden Auflagen - diskutiert.
Im Moment ist dies aber noch nicht der Fall und eine Überbewertung des Ganzen der Sache sicher nicht dienlich.
Ein Wolf ist sehr scheu und es sind i.M.wirklich noch Zufälle, das "Otto-Normalo-Menschen" ihn überhaupt zu Gesicht bekommen.
Man sollte m. M. n. viel mehr absoluten Respekt vor einem Wildschwein haben, das z.B. absolut keine Angst vor Menschen hat, wenn es in Bedrängnis ist oder sein Futter verteidigen möchte und Hunde des Menschen sind ihm auch sehr willkommen als Zusatzfutter...
Lasst den Wolf durch die Gegend streifen - das Thema bleibt ein Thema, aber Hysterie ist absolut nicht angebracht.

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