RATHENOW - Neun Jugendliche aus Rathenow und Umgebung organisierten im Optikpark das 5. Laut & Bunt-Musikfestival – ein musikalisches Statement gegen Gewalt, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und für Toleranz und Demokratie. Bereits im letzten Jahr wurde es mit „The Tenderfoot Blues United“ aus Ungarn und „YOG“ aus der Schweiz europäisch. Mit „Rettet der Welt!“ wurde dieses Jahr ein Motto gewählt, welches künftig vielleicht auch noch musikalisch über Europa hinausgehen wird.
Acht Bands zählte das Line-Up 2012. Zwei Tage vor dem Festival fand am Alten Hafen im Rahmen der 1. Fête de la Musique in Rathenow zwischen fünf Bands aus der Region der Ausscheid um die Teilnahme statt. Ganz eng war die Entscheidung zwischen den Rockbands Pusteblumenzäcken aus Nauen und Risiko aus Rathenow. Die Pusteblumenzäcken setzten sich durch und spielten so bereits das dritte Mal zu Beginn auf der großen Bühne im Mühleninnenhof des Optikparks.
Dieses Jahr bekamen auch die Musiker von Risiko ihre Chance. Bei „Lius“, einem ehemaligen Havelländer Rapper aus Berlin, heißt es in der Ankündigung: Kein Schema-F-Rapper, sondern Texte mit Herz und Hirn. Hardcore-Metal bot „Voice of Void“ aus Polen. Für die fünf scharzgekleideten jungen Musiker war es der erste Auftritt in Deutschland überhaupt. Die Band gibt es erst seit zwei Jahren und die Musiker waren überrascht, als die Organisatoren mit ihnen Kontakt aufnahmen.
Die Rockband „Baroque“ aus Turin war bereits 2011 angekündigt. „Es gab Probleme mit ehemaligen Bandmitgliedern, die nicht nach Deutschland mitkommen wollten“, erzählte Sänger Matteo. Er spielte bereits solo in Berlin. Aber für die 2003 gegründete Band war der Gig in Rathenow ebenfalls der erste Auftritt in Deutschland. „Das Rathenower Publikum war relaxed und wir hatten Spaß“, so Matteo nach dem Auftritt.
„The Dead Class“ aus Irland animierte das Publikum mit ihrem Punk-Rock zum Pogo auf dem Mühlenhof. Der Sound von Villy, Jake und Tony wird oft mit den Dead Kennedys verglichen. „The Kabeedies“ aus London komplettierten mit ihrem Indie-Rock das europäische Line-Up.
Von ihrem ersten Auftritt bei Laut & Bunt vor zwei Jahren hatten „Destiantion Anywhere“ noch nicht genug. Die Ska-Punk-Band aus Siegen sorgte zum Abschluss mit ihrem einstündigen Konzert bis Mitternacht für einen vollen Bühnenvorraum. Die Rathenower tanzten wild Pogo zur Musik mit Live-Bläsern (Trompete und Saxophon). „Das Festival hat sich gut entwickelt – auch mit Blick auf die Besucherzahlen“ lautete das Fazit des Organisationsteams.
Maria Beyer wurde im Vorfeld von Laut & Bunt vom Berliner Radiosender flux.fm interviewt. „Die jungen Leute sind über die Jahre selbständiger in der Organisation geworden“, fügte Rathenows Jugendkoordinator Thilo Windt hinzu. „Alles läuft autark. Aber ich berate sie gerne, wenn es nötig ist. Zum Festival stand den Jugendlichen ein Straßenfußballfeld, eine Halfpipe für BMXer und ein Basketballkorb zur Verfügung. Auf Tafeln konnten sie ihre Wünsche an Rathenow niederschreiben.
An Ständen zeigten die Initiative „Tolerantes Rathenow“ Flagge sowie die Jungen Liberalen und die Linke Jugend solid. Finanziell wurde das Festival unter anderem durch „Jugend für Europa“, den Lokalen Aktionsplan Westhavelland und die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt. Der Eintrit war für die Bsucher frei. (Von Uwe Hoffmann)