HAVELLAND - Die Verhandlungen zwischen den Kreisen Havelland und Potsdam-Mittelmark, wie das gemeinsame Verkehrsunternehmen Havelbus weiterbetrieben werden soll, kommen aus Sicht des Landrates von Potsdam-Mittelmark nicht so voran, wie er sich das wünscht. „Wir konnten in drei wesentlichen Punkten in bislang sechs Gesprächsrunden keine Einigung erzielen“, sagte Wolfgang Blasig vergangene Woche den Abgeordneten des Kreistages Potsdam-Mittelmark. So gebe es erhebliche Differenzen bei der Bewertung des Vermögens der GmbH, beim Verteilerschlüssel auf beide Landkreise sowie über die Zukunft der Tochtergesellschaften, erklärte Blasig. „Die Verhandlungsergebnisse sind für uns nicht akzeptabel“, sagte er. Der Nachbarkreis habe bisher kein Entgegenkommen erkennen lassen. Im kommenden August sei ein weiteres Treffen geplant. Im Anschluss daran werde er, Blasig, eine Entscheidung treffen und dem Kreistag in Bad Belzig mitteilen, erklärte der Verwaltungschef. „Sechs Verhandlungen sind genug.“ Burkhard Schröder versteht nicht, weshalb sein Kollege „diesen Zeitdruck aufbaut“. Er, Schröder, habe den Eindruck, die Verhandlungen seien schwierig, „aber auf einem guten Weg“.
Wie es aussieht sind nur noch die Knackpunkte übrig. Für Landrat Schröder betrifft das die Harmonisierung der Anteile an Tochterunternehmen und die Aufteilung der Finanzierung insgesamt. Die Havelbus GmbH hat zwei Tochterunternehmen, eines in Beelitz und die Rathenower HVG. Potsdam-Mittelmark hält das Beelitzer Unternehmen zu 100 Prozent, während Havelland noch 20 Prozent an der Rathenower HVG hat. „Das können wir nur regeln, indem wir unsere Anteile nach Potsdam-Mittelmark für einen Geldbetrag verkaufen oder aber wir im Gegenzug einen bestimmten Anteil an dem Beelitzer Unternehmen erhalten“, sagte Schröder. Er habe die Pflicht, für den Landkreis Havelland „sorgsam mit dem kommunalen Vermögen umzugehen“.
Was die Finanzierung des Busverkehrs betreffe, so räumte Landrat Burkhard Schröder gestern ein, dass in Potsdam-Mittelmark längere Strecken gefahren werden. Zum Teil mit neuen Bussen. Das kostet mehr Geld, als die Leistungen, die Havelbus im Havelland erbringt. „Daraus aber zu folgern, dass Potsdam-Mittelmark wegen des höheren Aufwandes auch mehr Anteile zustehen, ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Schröder.
Die Punkte, die bei den Verhandlungen jetzt noch offen sind, können nicht in nur einem Gespräch geklärt werden, so Schröder. „Ich weiß nicht, warum Landrat Blasig auf einmal so viel Druck macht.“ Der Landkreis Havelland sei bereit, sich längerfristig auf Verhandlungen einzurichten, um zu einem Ergebnis zu gelangen. „Wir hätten die Zeit“, sagte Burkhard Schröder.
Auf Initiative des Kreistages Potsdam-Mittelmark hatte die Kreisverwaltung dort den Auftrag, die Folgen eines möglichen Ausstieg aus der gemeinsamen Verkehrsgesellschaft zu prüfen. Ein Gutachten ergab, dass der Ausstieg für Potsdam-Mittelmark teurer wird, als ein gemeinsames Unternehmen mit dem Landkreis Havelland. Seitdem verhandeln beide Kreise über die Zukunft von Havelbus. (Von Joachim Wilisch und Hermann Schröder)