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28.06.2012

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Demokratie? Diktatur? Keine Ahnung!

Deutschlands Schüler wissen erschreckend wenig über Zeitgeschichte, sagt der Berliner Professor Klaus Schroeder

BERLIN - Es gab Schwarzweiß-Länder, und es gibt ein Farb-Deutschland. Die Schwarzweißländer, also der Nationalsozialismus, die DDR und die Bonner Republik, waren eher schlecht, im heutigen Deutschland dagegen ist das Meiste gut. So diffus ist das Geschichtsverständnis deutscher Jugendlicher laut einer Studie des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin.

Das allein wäre Grund, eine Debatte über den Geschichtsunterricht zu führen. Problematisch aber ist vor allem etwas anderes: Schüler haben große Probleme, zwischen Diktatur und Demokratie zu unterscheiden. Ein Viertel der Befragten hält den NS-Staat nicht für eine Diktatur, 30 Prozent schätzen die DDR als demokratischen Staat ein. 40 Prozent glauben, die Bundesrepublik von heute sei keine Demokratie. „Das ist erschreckend“, sagt Klaus Schroeder, Haupt-Autor der Studie.

Seine Mitarbeiter befragten 4600 Schüler der neunten und zehnten Klassen in den fünf Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die anderen elf Länder hatten eine Teilnahme abgelehnt.

Schroeder ärgerte besonders die Weigerung Berlins und Brandenburgs, an der Studie teilzunehmen. Das machte eine vergleichende Forschung unmöglich. In beiden Ländern hatte die Vorgängeruntersuchung zum DDR-Bild von 2007 für Wirbel gesorgt: Das Faktenwissen der Schüler in der Hauptstadtregion war laut Schroeders Forschungen äußerst gering, die Sicht auf die DDR verklärt.

Schroeder sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Wissen und Urteilen: Je weniger firm die Schüler in ihren historischen Kenntnissen waren, desto schwammiger wurden ihre Urteile. „Der Einfluss von Kenntnissen auf die Systembeurteilung ist deutlich stärker als etwa die Herkunft der Eltern, die besuchte Schulform oder die Parteipräferenz“, sagt Schroeder. Nur fünf Prozent derjenigen, die sehr viel über die deutsche Zeitgeschichte wissen, gaben an, dass vom Nationalsozialismus bis heute alle Systeme gleichwertig seien. Von den Befragten, die nur sehr geringe Kenntnisse hatten, halten 68 Prozent die Regierungsformen für gleichwertig.

Besonders gering sind die Kenntnisse über die alte Bundesrepublik vor 1989. Die Frage „Wofür steht der Begriff ,Deutscher Herbst’“? beantworteten nur 13 Prozent korrekt mit „Das Vorgehen des Staates gegen den Terrorismus in den 1970er Jahren“. 46 Prozent kreuzten an: „Die letzten Wochen vor dem Fall der Mauer.“ Damit nicht genug: Nur die wenigsten Schüler zögen eine „Verbindung zwischen der alten Bundesrepublik zum heutigen Deutschland“, sagt Monika Deutz-Schroeder, Ko-Autorin der Studie: „Für sie ist das ein armes Land, da gab es keine Handys und kein Privatfernsehen.“


Zustimmung nach HerkunftsgruppenBildvergrößerung

Zustimmung nach Herkunftsgruppen

Bei einigen Fragen spielt die Herkunft dann doch eine große Rolle: Kinder von Ost-Eltern haben weit häufiger ein neutrales oder positives Bild der DDR als westdeutsche Schüler. Irritierend aber vor allem ist, dass Schüler aus türkischen, kurdischen und arabischen Familien den Nationalsozialismus weit positiver beurteilen als andere Befragte: Mehr als 15 Prozent von ihnen halten den NS-Staat für ein gutes System, dagegen nur fünf Prozent der westdeutschen und acht Prozent der ostdeutschen Schüler. (Von Jan Sternberg)



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In diesem Forum gibt es 7 Einträge

» boehmoki | 28.06.2012, 06:55

..aber mit 16 zur Wahlurne


Da würden denn ja, nach Willen der SPD, die richtigen, demokratiegeschulte Menschen dieser Altersklasse an die Wahlurnen dürfen, um die Geschicke einer ganzen Nation, sofern sie wissen, was das überhaupt ist, mit zu bestimmen.
"Freiheit für Gummibärchen -- Raus aus der Tüte!"

» JanKrohn | 28.06.2012, 12:03

wie sollen sie es auch wissen?


Ich habe 1996 in NRW Abi gemacht. Im Geschichtsunterricht haben wir die französische Revolution 3x durchgekaut, alle antiken Weltreiche von Phönizien bis Karthago, aber deutsche Geschichte ab 1945 absolute Fehlanzeige. Sieht es heute etwa anders aus? Wie werden die Schüler z.B. auf ihre erste Wahl vorbereitet? Ich bin dankbar, dass ich Demokratieverständnis und Loyalität zu meiner Nation zu Hause mitbekommen habe. Aber was bekommen Schüler mit Migrationshintergrund heute mit? Die Schüler sind für ihr mangelndes Wissen nicht verantwortlich zu machen, aber die Politik züchtet sich gerade ihr nächstes Problem heran, und zwar seit Jahren.

» Eierdieb | 28.06.2012, 13:18

Naja


Man kann ja nun nicht alles nur auf die Schule schieben.
Ich fand es heftig was ich heut in einen Berliner Regionalsender sehen mußte.
Die Jugendlichen wußten nicht mal wer der Regierende Bürgermeister ist,der Bundespräsident war auch unbekannt und Herr Kohl war eine völlige Fehlanzeige.
Also dieses Desinteresse kann man mit mangelnder Schulbildung wohl nicht erklären.

» Investor | 28.06.2012, 17:01

Klare Sicht!


Gemessen an der Qualität der Lehranstalten,beweisen offensichtlich viele Schüler doch eine klaren Durchblick.

Das dies Professoren nicht gefällt,kann man verstehen.
Diese sind ja nun einmal immer den jeweis Mächtigen hörig.

» MSpringer | 28.06.2012, 18:05

Vorsicht vor Klaus Schroeder.


Vorsicht vor Klaus Schroeder.

Wer sich mit seinen Studien befasst, sollte erst mal einen prüfenden Blick auf diesen Professor Schroeder nehmen und wird sehr schnell bedenkliches feststellen.

Der Vergleich zwischen dem Nationalsozialismus und DDR wie Schroeder in vertritt, wird von renommierten Historikern abgelehnt, da er zu einer Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen führt.

Jan Sternberg von der MAZ sagt dazu leider kein Wort.

Klaus Schroeder geht es nicht um gute Sacharbeit, sondern nur um große Schlagzeilen.

Man muß zudem wissen, dass die Studien drittmittelfinanziert werden. Gelder kommen von zB von der Deutsche Forschungsgemeinschaft aus Bonn und der Deutschen Bank.

Ziel der Studie stand doch schon vorher fest. Wie doof unsere Jungend ist, und die Lehrer sind nicht besser. Schroeder-Studien vergißt man besser schnell.

» Prignitzer | 28.06.2012, 20:23

An der Studie


stört mich nicht mal so sehr das Ergebnis. Nur warum wird wieder, und das über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, in Ost und West und dann auch noch in Migrantenkinder unterschieden? Das scheint so ein ganz spezielles Steckenpferd des Herrn Schroeder zu sein und macht die ganze Sache noch fragwürdiger. Man kann eigentlich nur froh sein, dass immer weniger Bundesländer bereit sind, diese Spielchen mitzumachen und für dieses Gegeneinanderaufhetzen auch noch Geld auszugeben.

» barnabas | 28.06.2012, 21:01

Keine Zahlen - Daten - Fakten


@ MSpringer

Es fehlen bei Herrn Schröder Zahlen - Daten - Fakten,
an denen man Analysen und sich daraus ergebende Ergebnisse ausmachen könnte.

Insofern ist seine Vorlage allenfalls ein Eigentor.

VG: M.



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