MAZ: Ist Hasso Plattners Rückzug aus der Stadtmitte für Sie eine persönliche Niederlage?
Jann Jakobs: Niederlage? Das weiß ich nicht. Aber es ist eine große Enttäuschung, dass das Vorhaben nicht verwirklicht werden kann. Ich weiß sechs der acht Fraktionen der Stadtverordneten hinter mir. Es ging nicht um persönliche Fragen.
War es ein Fehler, dass Sie die Kunsthalle mit dem Schicksal des Hotels verknüpft haben?
Jakobs: Auf gar keinen Fall. Mit der Kunsthalle in der Mitte hatten wir die einmalige Chance, etwas Besonderes zu etablieren. Es gibt nur einen Standort, der für ein solches Gebäude in Frage kommt: den Lustgarten.
Der ist groß, man könnte auch neben dem Hotel bauen.
Jakobs: Es lag nahe, beides zu verbinden. Das Gebäude des Mercure hat keine Zukunft. Jetzt müssen wir das Problem allein lösen.
In der Schwimmbadfrage sind Sie unterlegen, jetzt bleiben Sie auf dem Mercure sitzen. Schätzen Sie die Stimmung in der Stadt falsch ein?
Jakobs: Ich denke nicht. Aber man kann Politik nicht nur nach Stimmung machen. Es ist wichtig zu erkennen, welche Entscheidungen zu welchem Zeitpunkt getroffen werden müssen. Was das Mercure angeht, gibt es dieses Zeitfenster bis Ende des Jahres. Mir war klar, dass es Befindlichkeiten geben wird. Damit umzugehen, ist aber nicht nur Sache des Oberbürgermeisters, sondern auch all jener, die Politik machen in dieser Stadt.
Wie sehen Sie die Zukunft des Mercure?
Jakobs: Das Haus hat keine Perspektive. Wir müssen als Stadt unser Verhältnis zu diesem Gebäude definieren. Es passt nicht mehr in die Mitte. Die Debatte beginnt erst.
Haben Sie den Eindruck, dass das Mercure Symbolcharakter hat und es deshalb so viel Widerspruch gab?
Jakobs: Für einen Teil der Potsdamer sind damit Emotionen verknüpft.
Wie wollen Sie diese Menschen umstimmen?
Jakobs: Ich werde ihnen sagen, dass niemand viel Geld ins Mercure investieren wird. Das führt dazu, dass dieses Gebäude nicht hübscher wird. Wie ein Fremdkörper wird es wirken. Es ist unsere Verantwortung, die Zukunft der Stadt zu gestalten.
Hat Plattner auf Kritik zu empfindlich reagiert?
Jakobs: Man darf nicht den Maßstab, den man an Politiker anlegt, auf alle anderen Menschen übertragen. Wir sind gewohnt, eine Menge wegzustecken. Ich kann nachvollziehen, dass er sich nicht in interne städtische Debatten einmischen will, wenn er etwas Gutes tut. Sein Brief enthält übrigens keinerlei irgendwie geartete Kritik.
Hätten Sie sich gewünscht, dass sich der Ministerpräsident stärker engagiert?
Jakobs: Matthias Platzeck hat sich eingebracht, aber es wäre hilfreich gewesen, wenn auch andere prominente Politiker sich positioniert hätten.
Haben Sie sich durch die Frist 15. Juli beziehungsweise Jahresende zu sehr hetzen lassen?
Jakobs: Wir hatten vor zweieinhalb Jahren ein Verkehrswertgutachten in Auftrag gegeben, uns mit den Beteiligten in Verbindung gesetzt. Aber ich habe selbst nie vermutet, dass wir eine reale Chance haben würden, in relativ kurzer Frist diese Möglichkeit zu erhalten. Vielleicht hat die Debatte in der Kürze der Zeit auch den einen oder anderen überfordert.
Es gibt Leute, die Ihnen vorwerfen, sie wollten Plattner benutzen, um das Hotel wegzubekommen.
Jakobs: Auf keinen Fall. Das würde heißen, ich hätte ihn im Unklaren darüber gelassen, mit welchen Debatten er zu rechnen hat.
Hat die Debatte die Stadt gespalten?
Jakobs: Auf alle Fälle ist klar: Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen. Solche Debatten müssen geführt werden. Das muss die Stadt aushalten.