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12.07.2012

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Blutsauger im Busch

Arzt rät: Zecken sofort entfernen / Im Havelland bisher 40 Borreliosefälle erfasst

HAVELLAND - Es ist doch immer das Gleiche: Im Winter freut man sich auf den Sommer, vergisst aber stets, dass dann lästige Milben unterwegs sind. Denn der Sommer ist auch die Lieblingsjahreszeit der Zecken. Vorsicht ist geboten, denn im Gegensatz zu den heimischen Mücken können die sogenannten Holzböcke ernsthafte Krankheiten übertragen: Borreliose und Gehirnhautentzündung. Derzeit lauern sie wieder auf Grashalmen und Büschen und warten auf Wirte.

Etwa 600 bis 700 Leute im Jahr kommen in die Kliniken in Nauen und Rathenow, um sich Zecken entfernen zu lassen. „Die Zahl nimmt zu“, sagt Rainer Gorgas, Internist und leitender Oberarzt der Notfallversorgung in Nauen. Bemerkbar sei das vor allem nach milden Wintern, da müsse man die ersten Stiche schon im Februar behandeln. Die Zahl der Borreliosefälle dagegen schwankt.

Im vergangenen Jahr hat das Kreisgesundheitsamt im Havelland 191 Infektionen registriert, drei Jahre zuvor 150. „Es gibt aber eine Dunkelziffer“, sagt Kreissprecher Erik Nagel.

Auf der Liste für dieses Jahr stehen bislang rund 40 Fälle. Sechs Infizierte mussten stationär behandelt werden. In einem frühen Stadium kann man Borreliose noch mit Tabletten behandeln, danach ist eine intravenöse Antibiotika-Therapie nötig. Denn unbekämpft können die schraubenförmigen Bakterien dem Menschen unangenehm werden: Nach einer kreisrunden Hautrötung und Grippesymptomen wie Abgeschlagenheit und Kopfweh kann es zu Gelenkschmerzen vor allem an den Knien kommen, außerdem zu Seh- und Herzrhythmusstörungen. „In einem späteren Stadium auch zu psychischen Beschwerden wie Konzentrations- und Gedächtstörungen oder depressiven Verstimmungen“, so der Arzt. Immerhin, längst nicht jede Zecke hat Borrelien in ihrem Darm, sondern nur etwa jede dritte bis fünfte. Weil man es aber keiner ansieht, ist in jedem Fall Handeln angesagt – und zwar rasch: Die Bakterien gehen in der Regel erst nach einigen Stunden in den Wirt über, nämlich dann, wenn die Zecke Unverdautes hervorwürgt und in ihn hineinspuckt.

Es gilt also, die Milbe so schnell wie möglich zu entdecken. „Wir empfehlen, sich abends gegenseitig abzusuchen und auch auf den Rücken zu gucken“, sagt Gorgas. Wer eine Zecke finde, solle mit der Entfernung nicht bis morgens warten. Herausziehen könne das Tier übrigens jeder selbst – mit einer Pinzette oder langen Fingernägeln. Gorgas räumt mit einigen Mythen auf: „Es ist ganz egal, ob man sie links oder rechts herumdreht. Und es ist auch nicht schlimm, wenn der Kopf zunächst in der Haut steckenbleibt.“ In diesem Fall könne man in aller Ruhe einen Arzt aufsuchen, der den Rest entfernt.

Vor Gehirnhautentzündungen müssen sich Havelländer übrigens nicht fürchten – so lange sie sich ihren Zeckenstich in der Heimat eingefangen haben. „Die Zecken in Brandenburg sind nicht von den entsprechenden Viren befallen und können sie daher auch nicht übertragen“, sagt Gorgas. Gefährlicher sei es in Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und Polen. (Von Jana Einecke)


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