POTSDAM - Vom Millionengrab zur touristischen Großattraktion: Die Freizeitanlage Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) soll für eine halbe Milliarde Euro erweitert werden. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Der Geschäftsführer der Anlage, Ole Bested Hensing, der erst vergangen Dienstag seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt hatte, sagte dem Blatt: „Der Plan ist, dass wir das größte Themen-Resort Deutschlands bauen.“ Hensing wechselt demnächst nach Baden-Württemberg zu den Stadtwerken Konstanz (MAZ berichtete).
Nach Angaben des scheidenden Geschäftsführers will der Eigentümer von Tropical Islands, der aus Malaysia stammende Tanjong-Konzern, mit Unterstützung von Finanzinvestoren rund um die ehemalige, riesige Montagehalle des Luftschiffbauers Cargolifter eine große Ferienanlage errichten. Sie soll aus vier eigenständigen Ferien-Resorts bestehen: Westerndorf, Mittelalterdorf, Tropendorf und 50er-Jahre-Dorf. Angestrebt ist ein Angebot von 12 000 Betten. Drei Millionen Übernachtungen erhofft sich das Unternehmen pro Jahr.
Tropical Islands hat sich in den vergangenen Jahren Zug um Zug vergrößert. Begonnen hatte die Touristenattraktion, die mittlerweile zahlreiche Gäste aus dem Ausland, insbesondere aus dem Nachbarland Polen anzieht, Ende 2004 in der ehemaligen Werfthalle des Luftschiffbauers Cargolifter, der spektakulär Pleite gegangen war. Damals entstanden in der 66 000 Quadratmetern großen Halle ein künstlicher Südseestrand, Regenwald und eine Saunalandschaft. Doch das Geschäft rechnete sich über viele Jahre hinweg nicht.
Die malaysischen Investoren glaubten trotzdem an den Brandenburger Standort. Sie investierten weiter in das Innenleben der Halle. Mittlerweile gibt es einen Campingplatz, entstand eine Ferienhaussiedlung in Kooperation mit dem dänischen Unternehmen Novasol. Geplant sind Hotels und nun offenbar noch ein Golfplatz. Sogar der ehemalige Flugplatz des einstigen Militärgeländes soll angeblich wieder betrieben werden. Das laufende Raumordnungsverfahren werde voraussichtlich im kommenden Jahr abgeschlossen, sagte Hensing der „Welt am Sonntag“. Für das Vorhaben spreche er derzeit mit potenziellen Investoren. Marketing-Chef Kim Schäfer bestätigte die Angaben gegenüber der Nachrichtenagentur dpa weitgehend.
Nach Angaben des Unternehmens flossen in die Freizeitanlage seit Ende 2004 insgesamt 200 Millionen Euro. Zu Jahresbeginn waren bei Tropical Islands in Brand, einem Ortsteil von Krausnick, rund 540 Menschen beschäftigt. Hinzu kommen rund 100 Beschäftigte anderer Firmen.
Im Geschäftsjahr 2011 wurden nach Firmenangaben 912 000 Besucher gezählt. Der Umsatz wuchs nach Informationen der „Welt am Sonntag“ auf rund 37 Millionen Euro. Das operative Geschäft habe einen positiven Zahlungsüberschuss von zuletzt 2,5 Millionen Euro erbracht und sei damit zweistellig gewachsen. In der Gesamtbilanz stehe allerdings wegen Zinszahlungen und Abschreibungen immer noch ein Minus.
So war es auch in den vergangenen Jahren. Die letzten offiziellen Zahlen hat Tanjong für 2010 veröffentlicht. Danach erhöhte sich der Umsatz der Tropenanlage um neun Prozent auf 39,1 Millionen Euro. Der Verlust ging um immerhin 32 Prozent von 8,6 Millionen Euro auf 5,84 Millionen Euro zurück.) (Von Mathias Richter, (mit dpa)