RATHENOW - Baustellenguckern – und davon gibt es in Rathenow eine erkleckliche Zahl – wird in diesen Tagen allerhand geboten. An allen Ecken und Enden wird gebuddelt, gebaggert und abgerissen. Gestern gab es in der Berliner Straße 56, schräg gegenüber vom Rathaus, das interessanteste Programm. Etliche Neugierige beobachteten – von Staubwolken umhüllt – wie ein Abrissbagger das ehemalige Gebäude der Sparkasse zu Fall brachte. „Endlich verschwindet der hässliche Kasten“, sagte einer der Schaulustigen – und alle nickten zustimmend.
Tatsächlich zählte das ehemalige Bankgebäude, das seit fast 20 Jahren leer steht, zu den Schandflecken in der Innenstadt. Bemühungen der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, einen Käufer für das Gebäude zu finden, blieben erfolglos. Auch eine große Banderole, auf der die MBS ihre Verkaufsabsicht kundtat, führte nicht zum Ziel.
Im vergangenen Jahr dann wurde doch noch ein Käufer gefunden – und der lässt nun die Bagger anrollen. Er habe keine Möglichkeit gesehen, das Gebäude mit dem eigenwilligen Innenleben wohnlich zu nutzen, so der neue Eigentümer. Außerdem hätten die langen Jahre des Leerstandes an der Substanz genagt. Nach dem Abriss solle die Fläche frei bleiben und umzäunt werden. Mehr sei derzeit zu dem Thema nicht zu sagen.
Einige der Zaungäste forderten gestern die Abrissspezialisten scherzhaft auf, nach getaner Arbeit gleich auf die gegenüberliegende Straßenseite zu wechseln und das ehemalige ROW-Gebäude 060 abzureißen. Auch dieser Block steht seit der Wende leer. Und auch für dieses Objekt sucht der Eigentümer, die Fielmann AG, verzweifelt nach einem Nutzer.
Zuletzt hatte es den Anschein, als würde doch noch Leben einziehen in das Gebäude neben dem Rathaus. Der Landkreis hatte damit geliebäugelt, sein Jobcenter ins ehemalige ROW-Gebäude zu verlagern. Dazu hatte es sogar schon konkrete Verhandlungen zwischen der Fielmann AG und dem Kreis gegeben. Doch zu einem Abschluss kam es aus nicht näher bekannten Gründen nicht.
Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus macht sich derweil keine große Hoffnungen, dass nach dieser Absage für das 060-Gebäude eine schnelle Lösung gefunden werden könnte. Zwar halte man von Seiten des Rathauses Kontakt zur Fielmann AG. Aber von dieser gebe es derzeit keine Signale, dass mit dem Block neben dem Rathaus in naher Zukunft irgendetwas Konstruktives geschehen werde. (Von Markus Kniebeler)