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18.07.2012

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Die Systemhopper

„Dritte Generation Ostdeutschland“ zieht ein erstes Fazit der bisherigen Arbeit

POTSDAM - Plötzlich war alles anders. Die Schule war eine andere, die Lehrer sowieso. Die Straßen mit den einst so vertrauten Namen klangen nun fremd. Der Mauerfall 1989 brachte für viele Kinder tiefgreifende Veränderungen.

Rund 20 Jahre später erhebt die „Dritte Generation Ostdeutschland“ das Wort. Vor zwei Jahren hat Adriana Lettrari das Netzwerk gegründet. Die Mitglieder eint, dass sie zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren sind. Den längeren Teil ihres Lebens haben sie im vereinigten Deutschland verbracht. Gestern hat das Netzwerk in der Staatskanzlei in Potsdam eine Bilanz seiner Arbeit gezogen.

„Wir sitzen zwischen den Stühlen“, sagt Adriana Lettrari. Einerseits sei man nicht direkt in das DDR-System involviert gewesen. „Aber wir wissen, was es heißt, dort gelebt zu haben.“ In ihren Augen seien Diskussionen über die DDR oft einseitig. „Es geht häufig um Ostalgie oder den Unrechtsstaat.“ Das wolle man ändern. Deswegen habe man sich zur „Dritten Generation Ostdeutschland“ zusammengeschlossen. Im Mai und Juni war die Gruppe rund drei Wochen mit einem Bus in Ostdeutschland unterwegs.

Man habe engagierte und motivierte Menschen getroffen, sagt Marie Landsberg, die ebenfalls zur „Dritten Generation“ gehört. Viele junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren hätten ihre Heimat verlassen. „Das ist ein großer Widerspruch.“ Dafür seien die Daheimgebliebenen oder Zurückgekehrten umso motivierter und engagierter.

Man müsse lernen, eine selbstbewusste Identität zu entwickeln, sagt Lettrari. „Wir sollten uns keine alleinige westdeutsche Identität überstülpen lassen.“ Man kenne zwei Systeme, hat den Zusammenbruch der DDR erlebt. „Wir wissen, was Veränderungen bedeuten, und wie man mit ihnen umgeht.“ So sei ihre Generation zum Beispiel sehr mobil. Lettrari und Landsberg haben in den vergangenen Monaten festgestellt, dass sich das Selbstverständnis vieler Gleichaltrigen verändert hat. „Viele gehen unbefangener, selbstbewusster mit ihrer Herkunft um.“

Staatskanzleichef Albrecht Gerber lobte die Arbeit der Initiative: „Das ist ein Zugang zum Ost-West-Thema, der neue Perspektiven eröffnet.“ Ihn freue, dass einige junge Erwachsene wieder in ihre Geburtsorte zurückkehren und sich stärker mit ihrer Herkunft beschäftigen.

Lettrari und ihre Mitstreiter wollen die Debatte nun ausweiten. „Wir wollen die Generation unserer Eltern noch stärker in die Diskussion einspannen.“ Im November ist dafür eine große Konferenz geplant. (Von Christian Meyer)


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