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20.07.2012

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Retter der Kronschätze

Christdemokraten ehren Kurt von Plettenberg als Mitverschwörer des 20. Juli

POTSDAM / BORNSTEDT - Karl-Wilhelm Freiherr von Plettenberg ist sichtlich bewegt. Der 74-Jährige hält immer wieder inne, als er in der Bornstedter Kirche über seinen Vater spricht. „Ich habe ihn als fröhlichen Menschen in Erinnerung“, erzählt der pensionierte Stadtplaner. Am 3. März 1945 war Kurt von Plettenberg, damals Generalbevollmächtigter des Hauses Hohenzollern, in Schloss Cecilienhof verhaftet und von der Sonderkommission 20. Juli zum Attentat auf Hitler verhört worden. Nach siebentägiger Haft in Erwartung von Folter stürzte er sich aus dem Fenster des vierten Stockwerkes des Gestapo-Gefängnisses in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße in den Tod. Mithäftling Fabian von Schlabrendorff habe über den Hergang später „eine eidesstattliche Erklärung“ abgegeben, sagt der Sohn.

Alljährlich am Vorabend der Verschwörung des 20. Juli 1944 ehren Potsdamer Christdemokraten einen mit der Landeshauptstadt verbundenen Widerständler. Gastgeberin war gestern Carmen Klockow, die CDU-Kreischefin Katherina Reiche vertrat. Gemeindepfarrer Friedhelm Wizisla hatte Plettenberg, der in Essen lebt, und drei Dutzend weiterer Gäste zu der Gedenkstunde willkommen geheißen, darunter den betagten „Bruder Kunzendorf“. Der Pastor im Ruhestand hatte zu DDR-Zeiten das Gedenken in der Kirche initiiert. Natürlich gut bewacht. „In einer Holzhütte vor der heutigen Hofbäckerei im Krongut hatte die Staatssicherheit ihre Abhörtechnik“, berichtet Wizisla.

„1985 habe ich hier den ersten Vortrag über meinen Vater gehalten“, erzählt Karl-Wilhelm von Plettenberg. Doch auch ein Vierteljahrhundert später sind noch viele Fragen offen. Er sei angeblich denunziert worden, so der Sohn, der sich intensiv mit dem Leben des Vaters beschäftigt hat und mit einem Historiker an einer Biographie arbeitet.

Kurt von Plettenberg hatte Karriere als Forstbeamter gemacht. 1937 war er aus Protest gegen die Zerstörung der Wälder für die Kriegswirtschaft aus dem Reichsforstamt ausgeschieden. Öffentlich sprach er sich gegen die Gleichschaltung der Gesellschaft aus. Als Reservist im Potsdamer Infanterie-Regiment 9 lernte er Hauptakteure der Operation „Walküre“wie Henning von Tresckow und Axel von dem Bussche kennen. Ab 1942 gehörte er als Berater zum inneren Kreis der Verschwörer, sagt der Sohn. Die Kontakte und Kenntnisse des erfahrenen Verwaltungsfachmanns seien nützlich „für die praktische Durchführung des Staatsstreichs“ gewesen. Marion Gräfin Dönhoff, für deren Eltern in Ostpreußen er als Oberförster tätig war, schreibt in ihren Memoiren, durch die Begegnung mit Karl von Plettenberg hätten sich bei ihr „einige der Maßstäbe gebildet, die dann für mein Denken und Urteilen im Leben“ entscheidend waren. Passend zum Friedrich-Jubiläum schildert der Sohn, wie sein Vater Kronjuwelen rettete. Im Februar 1945 versteckte Plettenberg die Königskrone und 15 Tabatieren des Alten Fritz in einer Dorfkirche bei Porta Westfalica. Zwei Jahre später erhielt sie die Hohenzollernfamilie zurück. Sieben der Schnupftabakdosen sind jetzt in der Friederisiko-Ausstellung im Neuen Palais zu sehen. Grund genug für Michaela Blanckart, Leiterin der Generalvertretung des vormals regierenden Preußischen Königshauses, am Grab ihres Amtsvorgängers weiße Rosen niederzulegen. (Von Carola Hein)


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