Knapp zwei Jahre nach der Ankündigung der Stadt, eine Krisenwohnung für Menschen in psychischen Notsituationen einzurichten, warten Betroffene in Potsdam auf Ergebnisse. Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im Oktober 2010 hängt das Projekt in der Schwebe. Partner sind die Stadt, das Klinikum Ernst-von-Bergmann, das Selbsthilfe-, Kontakt- und Informationszentrum (Sekiz) und die städtische Immobilienholding Pro Potsdam. Zunächst sollte die Krisenwohnung im Herbst 2011 eröffnen, später war von „Anfang 2012“ die Rede. Inzwischen geben die Beteiligten keine konkreten Prognosen mehr ab.
„Wir würden gern beginnen, denn der Bedarf ist weiterhin da. Aber es liegt an der Finanzierung“, sagte gestern der stellvertretende Leiter der psychiatrischen Abteilung im Bergmann-Klinikum, Hasso Klimitz. Er hoffe, dass es „möglichst bald“ losgehen könne. Einer raschen Umsetzung des Projekts stünden aber Verhandlungen mit Krankenkassen entgegen. „Wir bedauern, dass es sich hinzieht, denn es fallen Menschen durchs Raster, die stationäre Einrichtungen meiden“, so Klimitz. Er schätzt den Bedarf auf zehn bis 15 Plätze. Zu den Kosten wollte er sich nicht äußern.
Auch der Standort der Anlaufstelle ist offen. In der Zeppelinstraße und in der Hermann-Elflein-Straße seien zwei Wohnungen geprüft worden, sagte die Sprecherin der Pro Potsdam, Jessica Beulshausen. Wegen der ungeklärten Finanzfrage „konnten die Wohnungen aber keine Berücksichtigung finden“, fügte sie hinzu.
Geld und Standort fehlen, das Personal für eine Krisenwohnung aber ist längst vorhanden. Im April 2011 hatte das Sekiz 14 000 Euro aus Lottomitteln für die Ausbildung ehrenamtlicher Krisenbegleitern erhalten. Von dem Geld seien zehn Begleiter geschult, eine Broschüre veröffentlicht und eine Bibliothek mit Fachliteratur aufgebaut worden, sagte Angelika Tornow, Projektleiterin im Sekiz. Tornow zufolge bleiben die Ehrenamtler bis zur Eröffnung der Krisenwohnung nicht untätig. Einige von ihnen stünden Hilfesuchenden „auf Abruf“ zur Verfügung, sagte Tornow.
Solange sich die Einrichtung der Potsdamer Krisenwohnung verzögert, weichen Betroffene auf Berliner Einrichtungen aus – und Potsdam zahlt. „Voraussetzung ist, dass entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten in Potsdam zum Zeitpunkt des Bedarfs nicht verfügbar sind und die zuständigen Leistungsträger sich zu einer Kostenübernahme verständigt haben“, teilte Rathaussprecher Markus Klier mit. Eine Übersicht darüber, wie vielen Potsdamern ein Betreuungsplatz außerhalb der Landeshauptstadt bezahlt wird, hat die Stadtverwaltung nicht.
Zu Einzelfällen will sich die Stadt aus Datenschutzgründen ebenfalls nicht äußern. Die Potsdamerin Annett Bojack wohnte nach eigenen Angaben von Mai bis Juli im Berliner Krisenhaus der Caritas. Ihren Platz, der pro Tag 127 Euro kostet, soll die Stadt bezahlt haben. Bojack kritisiert, dass Betroffene seit 2010 auf die Potsdamer Krisenwohnung warten müssen. „Es wurden positive Erwartungen geschürt, passiert ist nichts“, sagt sie. Die Einrichtung der Krisenwohnung will sie unterstützen. Die Hobby-Malerin will 60 Bilder verkaufen und den Erlös spenden. (Von Viktoria Bittmann)