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01.08.2012

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Viele Aufstocker wegen hoher Mieten

Arbeitslosigkeit in Potsdam leicht gestiegen / Dritten Monat in Folge Rückgang bei offenen Stellen

POTSDAM - Immer mehr Potsdamer können nicht von ihrer Arbeit leben. Im Juli zählte die örtliche Agentur für Arbeit 1371 berufstätige Potsdamer, die seit mehr als zwei Jahren Arbeitslosengeld II bekommen, da ihr Einkommen unter dem Niveau der Grundsicherung für Arbeitsuchende liegt. Der Vergleich mit der gesamten Region ist aufschlussreich: Während der Anteil der sogenannten „Aufstocker“ an der Gesamtanzahl der Hartz-IV-Empfänger im Gebiet der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg bei 13 Prozent liegt, beträgt er in Potsdam 18,4 Prozent. „Die klare Ursache hierfür ist das Mietniveau der Landeshauptstadt“, sagte gestern der Geschäftsführer des Jobcenters Potsdam, Frank Thomann. Die Chefin der Potsdamer Arbeitsagentur, Edelgard Woythe, hält auch die Tarifflucht für ursächlich: Nur 15 Prozent der Brandenburger Unternehmen seien tarifgebunden. Dass Niedriglohnempfänger staatliche Hilfen beantragen könnten, kalkulierten einige Arbeitgeber sogar mit ein, betonte Woythe.

Insgesamt entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Potsdam gegen den Landestrend: In der Landeshauptstadt waren im Juli 6721 Menschen ohne Job, 277 mehr als im Juni und 271 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 7,9 Prozent. In Brandenburg sank die Quote dagegen um 0,8 Prozent. Woythe zufolge ist die Differenz zwischen Stadt und Land darauf zurückzuführen, dass in Potsdam die Anzahl der über 50 Jahre alten Arbeitslosen zugelegt habe. Grundsätzlich sei der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli aber „durchaus saisontypisch“. Aktuell meldeten sich Schulabgänger, die noch keinen Ausbildungs- oder Studienplatz haben oder Jugendliche, die nach einer Ausbildung nicht übernommen werden. „Das ist keine dramatische Situation, aber wir müssen sie genau beobachten“, sagte Woythe.

Sorge bereitet ihr auch die Entwicklung des Stellenmarktes. Im Juli waren der Arbeitsagentur Potsdam 3670 offene Stellen gemeldet. „Dieser Bestand ist gut. Den dritten Monat in Folge verzeichnen wir aber einen Rückgang bei den Zugängen an offenen Stellen“, sagte die Chefin der Arbeitsagentur. Diese negative Tendenz ist ihrer Einschätzung zufolge nicht ferienbedingt, sondern Ausdruck eines Auftragsrückgangs in Teilen Brandenburgs.

Immer häufiger hat die Arbeitsagentur Probleme, für eine Stelle einen passenden Bewerber zu finden. Woythe zufolge vergingen im vergangenen Jahr bis zu einer erfolgreichen Vermittlung etwa 20 Tage, mittlerweile soll es doppelt so lange dauern. Vor allem im Gesundheitswesen blieben viele Arbeitsplätze unbesetzt. Aber auch Verwaltungswirte, Steuerfachangestellte, Fernfahrer und Elektriker würden gesucht.

Auf den Fachkräftemangel reagiert die Arbeitsagentur mit einer nach ihren Angaben bundesweit einmaligen Aktion: In Kooperation mit der Universität Potsdam und der Landeshauptstadt ist ein Flyer entwickelt worden, der Firmen auf Absolventen Brandenburger Hochschulen aus Nicht-EU-Staaten aufmerksam machen soll. Anlass der Initiative ist eine neue gesetzliche Regelung, die von heute an gilt und den Jobeinstieg ausländischer Bewerber in Deutschland vereinfachen soll. Woythe sieht in dem neuen Aufenthaltsrechts eine Chance für etwa 2000 Firmen im Agenturbezirk, offene Stellen rascher zu besetzen und neue Märkte zu erschließen. (Von Viktoria Bittmann)


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