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02.08.2012

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Nur Kirche und Friedhof sind sicher

Investoren rücken den Selchowern auf die Pelle

SCHÖNEFELD - „Wir kümmern uns nicht nur um Kröten und Molche“, versicherte Planer Norbert Illiges, „auch um Menschen.“ Die Selchower, die Dienstag ins Schönefelder Rathaus gekommen waren, um zu erfahren, ob das Leben in ihrem Ort künftig noch lebenswert sei, quittierten es mit skeptischem Gemurmel.

„Ihre Gebäude genießen Bestandsschutz. Keiner bekommt Sie hier weg“, stellte Illiges fest. Doch werde das Wohnen im Ortsteil zwischen den Startbahnen des Flughafens ungemütlicher. Grund dafür sei der Entwicklungsdruck, den Investoren ausüben. Als erste in der Reihe steht die Fluggesellschaft Air Berlin. Sie will ein viergeschossiges Verwaltungsgebäude, Lagerhalle und Parkhaus an den Ortsrand stellen.

„Selchow bleibt auf der Strecke“, fasste Ortsvorsteher Alfred Mann zusammen. Schon bei den Bemühungen um ein Verbot des innerörtlichen Lkw-Verkehrs, so Mann, habe sich gezeigt, dass sein Dorf als fünftes Rad am Wagen gelte. Bitter klang auch Karl-Heinz Stippekohl. „Es würde mir nicht leicht fallen, alles, das ich selbst gebaut habe, aufzugeben“, räumte er ein. „Aber ich sehe keine Zukunft mehr. Was hier geschieht, ist eine Zumutung.“

Wie Selchow in 20 Jahren aussehen wird, vermochte niemand zu sagen. Nur eines schien gewiss: Das Gewerbe frisst sich immer weiter in das Ortsbild. Kirche und Friedhof werden überdauern, hinter den Rest wird ein Fragezeichen gesetzt. Bauhöhen von neun und 15 Metern sind in der Debatte, die Verbreiterung der Rotberger und die Eliminierung der Mittenwalder Straße.

„Jedem, der weg will, sollte die Möglichkeit dafür gegeben werden“, verlangte Lutz Ribbecke. Da bisher noch an kaum einem Haus Schallschutzeinbauten erfolgt seien, könnte das dazu erforderliche Geld für den Umzug verwendet werden. Selbst wenn es Entschädigungen in Höhe des 30-prozentigen Verkehrswertes gebe, fügte Fachmann Illiges an, reiche das nicht, um an einem anderen Ort gleichwertige Wohnverhältnisse zu schaffen. Eine Wertsteigerung ließe sich durch die Deklarierung der betreffenden Sektoren als Gewerbegebiete erreichen.

Unwillen erzeugte der Investorenwunsch, den vier Meter hohen Immissionsschutzwall abzureißen. „Dann brauchen wir aber einen anderen Sichtschutz“, meinte Sabine Kinscher, die 69 Unterschriften für den Erhalt des langgezogenen Erdhügels gesammelt hatte. Alfred Mann erinnerte daran, dass Flughafen-Vertreter einen adäquaten Schutz zugesichert hätten.

Am Ende des im Rahmen der baurechtlichen Bürgerbeteiligung anberaumten Treffens ergaben sich kaum Gewissheiten, doch verstärkten sich Zweifel. Ewald Selent hatte immerhin eine Idee, wie es weitergehen könnte. „Wenn Gewerbeland so viel bringt, warte ich noch ein paar Jährchen und verkaufe dann“, überlegte er laut. (kb)


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