Suche der Märkischen Allgemeinen:

Suchbegriff eingeben und abschicken
Auswahl der Suchkategorie

Wetter in Brandenburg:

11ºC
Symbol: aktuelles Wetter in Brandenburg

Metamenu:


Sie befinden sich hier:

  1. » Märkische Allgemeine
  2. » Lokales
  3. » Oberhavel
  4. » Lokalnachrichten
07.08.2012

Beitragsfunktionen:

Ein europäischer Friedhof

Gestern begann der Abriss der sowjetmilitärischen Überbauungen auf dem ehemaligen „Uckermark“-Gelände

FÜRSTENBERG -  „Wir haben es echt geschafft!“ Sylvia Degen von der Initiative Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark ist erst kurz vor dem Beginn des Abrisses bewusst geworden, dass es jetzt wirklich los geht. Sie und ihre Mitstreiter wirkten gestern glücklich über das erreichte Ziel, sahen ihre Freude aber auch getrübt: „Wir können dies nur noch mit wenigen Überlebenden teilen. Wir sind spät dran“, sagte Sylvia Degen.

Die Initiative und die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis haben vor Jahren damit begonnen, sich für den Gedenkort zu engagieren. Ihre nie nachlassende Mahnung an die Politik, sich verantwortlich zu fühlen, führte dazu, dass Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung von Ravensbrück versprach, die Finanzen für den Abriss bereitzustellen. Damit war die Entscheidung für das gefallen, was gestern begann. Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp zollte den Mitgliedern der Initiative dafür gestern seinen Respekt.

Die Gedenkstätte Ravensbrück sei mit allen Beteiligten, den Überlebendenverbänden, der Landesregierung, Behörden und der Gedenkinitiative, in einem konstruktiven Gespräch, um gemeinsam Konzepte für die Ausgestaltung des künftigen Gedenkens zu entwickeln, betonte Cordula Hundertmark, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte. Die Geschichte des Lagers „Uckermark“ werde in der neuen Hauptausstellung, die im April 2013 eröffnet wird, ausführlich dargestellt.

Mit der Errichtung des „Jugenderziehungslagers“ beziehungsweise „Jugendschutzlagers Uckermark“ wurde 1941/42 begonnen. Mitte 1944 umfasste es etwa 15 Baracken. Das Lager unterstand dem Kommandanten des benachbarten KZ Ravensbrück. Etwa 1000 Mädchen und junge Frauen waren dort unter Bedingungen inhaftiert, die sich von denen des Frauen-Konzentrationslagers kaum unterschieden. Ab Dezember 1944 wurde das Jugendlager schrittweise geräumt und in der Folge als Selektions- und Sterbelager des Konzentrationslagers genutzt.

Das „Uckermark“-Gelände sei ein Ort, der bisher in einem Zustand sei, der seiner Bedeutung nicht gerecht werde, so Hajo Cornel, Abteilungsleiter im brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. „Dies hier ist ein europäischer Friedhof.“

Die Opfer, die in den Jugend-KZ inhaftiert waren, seien lange Zeit durch das Raster des öffentlichen Gedenkens gefallen, so Cornel. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, besonders durch das Wirken der Gedenkort-Initiative.

Zurzeit ist das Gelände aufgrund der Gefährdung durch die baufälligen Hallen und andere militärische Hinterlassenschaften nicht öffentlich zugänglich. Künftig soll der Ort für Besucher geöffnet werden, die Topografie des Lagers soll mit zurückhaltenden Mitteln kenntlich gemacht und ein Gedenkort geschaffen werden, der verschiedene Praktiken und Formen des Gedenkens ermöglicht.

Unter Federführung der Gedenkstätte trifft sich alle zwei Monate ein Arbeitskreis, dessen Mitglieder gemeinsam Konzepte für den künftigen Umgang mit dem Gelände entwickeln. Auch die Stadt Fürstenberg gehört zu dieser Arbeitsgruppe. (Von Anke Dworek)


Ihre Meinung ist gefragt!

Die gesamte MAZ-Ausgabe im Archiv