LONDON - Kasachstan klotzt, Brasilien kleckert – und Malaysias Athleten winkt im Falle des ersten Olympiasieges in der Geschichte gleich doppeltes Gold. Für den historischen Triumph hat ein Minenbesitzer einen Goldbarren im Wert von rund einer halben Million Euro ausgelobt. „Uns Malaysiern ist bewusst, wie hart die Sportler an sich arbeiten und was sie opfern. Deshalb müssen wir unseren Teil beitragen“, sagte der großzügige Sponsor – allerdings gab es auch noch nie einen Olympiasieger aus Malaysia. In Indien gibt es einen fünf Kilogramm schweren Goldbarren, doch die indische Bilanz sieht nicht viel besser aus als die malayische: Zuletzt gewann aus dem Land mit rund 1,2 Milliarden Einwohnern 2008 der Schütze Abhinav Bindra.
Großzügig zeigen sich etliche osteuropäische Nationen. Prämien-Krösus sind die Armenier, die 700 000 Euro für einen Sieg ausschütten. Russland zahlt seinen Olympiasiegern 100 000 Euro. Ähnliche Beträge haben Bulgarien, Litauen und Weißrussland ausgelobt. Dort gibt es auch noch einen schmackhaften Zusatzgewinn: lebenslang Frei-Wurst. „Natürlich ziehen wir dabei auch den Geschmack der Athleten in Betracht“, sagte der private Wurst-Sponsor. In Nigeria gibt es statt Festem Flüssiges – die Medaillengewinner werden mit Milch versorgt.
Immerhin gut 200 000 Euro bekommt ein Athlet aus Kasachstan – sechsmal Gold gewannen die Kasachen bislang. Zum Vergleich: Ein deutscher Olympiasieger bekommt 15 000 Euro. Diskus-Star Robert Harting hatte sich darüber zuletzt schon lautstark mokiert: „Wenn ich höre, dass Bosnier oder Slowenen 60 000 Euro für einen Olympiasieg spendieren, dann machen uns andere Nationen doch einiges vor.“ DOSB-Präsident Thomas Bach konterte: „Wenn jemand Leistungssportler wird, um durch einen Olympiasieg ausgesorgt zu haben, dann würde ich ihm – flapsig gesprochen – eher empfehlen, zur Lotto-Annahmestelle zu gehen.“ Rund 550 000 Euro hat die deutsche Sporthilfe bei diesen Spielen bislang ausgeschüttet.
Übrigens: DDR-Olympiasieger erhielten zum Beispiel 1980 20 000 DDR-Mark, dafür musste ein normaler Werktätiger bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 850 Mark zwei Jahre arbeiten. Die deutschen Athleten sind aber immer noch besser dran als die meisten aus Brasilien. Die erhalten von offizieller Seite – gar nichts. „Das war immer so. Das ist Politik. Die Idee dahinter ist, dass wir versuchen, in möglichst optimale Bedingungen zur Vorbereitung zu investieren, so dass die Athleten im Olympia-Jahr in Topform sind“, begründete ein Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees Brasiliens. Auch die Briten zahlen ihren Sport-Helden keine Prämien, dafür gibt’s aber von der Royal Mail für jeden Sieger eine eigene Briefmarke. Die gibt’s auch für die australischen Sieger – allerdings zusätzlich noch 41 000 Euro.
Eher martialisch geht’s in der Mongolei und in Südkorea zu, die Sieger werden dort vom Wehrdienst befreit. Das entschädigt die Südkoreaner immerhin für die mickrige Prämie von 240 Euro. In den USA winkt den Athleten neben der staatlichen Prämie (20 000 Euro) ein stattlicher Bonus durch Sponsoren. Für Gold im Ringen gibt es beispielsweise rund 200 000 Euro obendrauf. (dpa/MAZ)