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08.08.2012

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Anleger flüchten an die Börse

Mehr als zehn Millionen Aktionäre in Deutschland

POTSDAM - Die europäische Schuldenkrise beschert dem Aktienmarkt ein Hoch. Mit mehr als zehn Millionen Aktionären in Deutschland wurde im ersten Halbjahr 2012 die höchste Zahl seit fünf Jahren registriert, so eine Studie des Deutschen Aktieninstituts. Angesichts niedriger Zinsen auf Anleihen und Sparanlagen erscheint die Aktie attraktiv. Der Höhenflug ist auch am Börsenbarometer ablesbar. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kam gestern mehrfach nah an die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten heran.

Die Anzahl der Aktienanleger stieg im ersten Halbjahr um 17 Prozent auf 10,2 Millionen. Das ist der stärkste Zuwachs seit dem Ausnahmejahr 2000. Direkt in Aktien haben 2,9 Millionen Anleger investiert, 2,0 Millionen halten Aktien und Anteile von Aktienfonds, 5,3 Millionen nur Fondsanteile.

Hinter dem Höhenflug steht keine neue Liebe der Deutschen zur Aktie, sondern die Angst vor der Inflation als Folge der Schuldenkrise. Bei Sachanlagen wie Unternehmensanteilen sei in der Inflation der Werterhalt besser gewährleistet, erklärt Franz-Josef Leven, Direktor des Deutschen Aktieninstituts. Darüber hinaus biete die Aktie derzeit „als praktisch einzige Anlageform die Aussicht auf eine attraktive laufende Ausschüttung“. Das Deutsche Aktieninstitut ist ein Verband der börsennotierten Aktiengesellschaften, der für den Finanzplatz Deutschland wirbt.

Auch in Brandenburg folgen die Anleger dem Trend. Kunden fragten verstärkt nach Aktien, erklärt Robert Heiduck, Sprecher der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Dabei stünden langfristige Anlagen in dividendenstarke Papiere im Vordergrund. „Nach den aktuellen starken Kursgewinnen wollten nur wenige verkaufen“, sagt er. Natürlich sei der Aktienmarkt risikobehaftet. „Den meisten unserer Kunden ist bewusst, dass die Börse keine Einbahnstraße ist“, betont Heiduck.

Vieles weist bereits auf sinkende Aktienkurse hin. In der Eurozone macht sich eine Rezession breit, auch viele deutsche Unternehmen geben Gewinnwarnungen heraus. „Das deutet eigentlich eher auf einen fallenden Markt“, sagt David Bauer, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Aber es gebe kaum andere attraktive Anlagemöglichkeiten. Sogar der Immobilienmarkt sei vielerorts schon so überhitzt, dass er als Alternative ausscheide. Mit Immobilienfonds oder Mittelstandsanleihen hätten viele Anleger schon schlechte Erfahrungen gemacht. Dagegen sei das Risiko bei den meisten börsennotierten Unternehmen berechenbarer.

So gründet der Aktionärsboom vor allem auf den schlechten Renditen, die mit anderen Anlagen zu erzielen sind. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft Wertpapierbesitz ist entsprechend skeptisch, ob die Entwicklung anhält. „Von einem Trend kann man erst sprechen, wenn die Zahlen auch in der Krise hoch bleiben“, sagt er.

Von einer Krise ist am Aktienmarkt aber noch nichts zu spüren. Wenn sich die Turbulenzen um den Euro verschärfen, könnte ein breit gestreuter Aktienbesitz sogar weniger gefährdet als andere Wertpapiere, sagt Anlageberater Gerd Goll. Und so lange Anleger weiter in Aktien flüchten, steigen auch die Kurse an den deutschen Börsen. (Von Ulrich Nettelstroth)


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