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09.08.2012

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Weiter tief in den roten Zahlen

Heidelberger Druck kämpft gegen die Krise / In Brandenburg arbeiten 620 Leute für das Unternehmen

STUTTGART/POTSDAM - Fünf Jahre in Folge Verluste, zwei Entlassungswellen, tiefrote Zahlen – wenn Georg Linzbach im September den Chefposten beim weltgrößten Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck übernimmt, dann tritt er ein wahrlich schweres Erbe an. Das Unternehmen, das auf Druckmaschinen zur Herstellung von Katalogen, Plakaten, Verpackungen und Geschäftspost spezialisiert ist und ein Werk in Brandenburg/Havel betreibt, veröffentlichte gestern in Heidelberg seine Zahlen des zurückliegenden Quartals.

Demnach betrug der Verlust nach Steuern 74 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 46 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte im vergangenen Vierteljahr um 4,4 Prozent auf 520 Millionen Euro. Das lag auch daran, dass sich die Druckereien vor der weltgrößten Branchenmesse Drupa, die nur alle vier Jahre stattfindet, mit Neuanschaffungen zurückgehalten haben. Daneben musste der Weltmarktführer 19 Millionen Euro für Kredite und die Hochzinsanleihe zahlen. Zusätzlich schlugen der Stellenabbau und die damit verbundenen Abfindungen kräftig zu Buche. Für Unsicherheit sorgt auch die schwelende Euro-Krise.

Heideldruck kämpft seit Jahren gegen die Branchenkrise an. Erst Ende März hatte der Konzern den Abbau von weltweit 2000 Arbeitsplätzen bis Mitte 2014 angekündigt – davon 1200 im Inland. Im ersten Quartal 2012/2013 verringerte das Unternehmen die Anzahl der Stellen bereits deutlich um mehr als 800, davon fast 700 in Deutschland. Aktuell beschäftigt der Weltmarktführer insgesamt knapp 14 900 Leute.

Im Werk in Brandenburg/Havel sind derzeit inklusive Auszubildende 620 Menschen beschäftigt, sagte Firmensprecher Thomas Fichtel gestern auf MAZ-Anfrage. Vor einem Jahr seien es noch 655 gewesen. Wie viele Stellen künftig noch am Brandenburger Standort gestrichen werden sollen, konnte der Sprecher nicht sagen.

Mit dem Sparprogramm sei man zufrieden, teilte das Unternehmen mit. Auch die Zukunftsaussichten schätzt man recht optimistisch ein. Denn die Messe, die im Vorfeld für Zurückhaltung gesorgt hatte, bescherte dem Unternehmen zugleich Aufträge in Höhe von 890 Millionen Euro. Der Auftragseingang liege damit fast auf dem Niveau vor der Krise, sagte Vorstandsmitglied Dirk Kaliebe. Zudem gebe es Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage auf dem wichtigen Absatzmarkt USA. Aber die Freude ist noch verhalten. Zwar rechnet Heideldruck mit positiven operativen Gewinnen von der zweiten Geschäftsjahreshälfte an, für schwarze Zahlen wird es am Ende jedoch nicht reichen. Einen Überschuss erwartet die Firma frühestens für das Geschäftsjahr 2013/2014.

Diese Erwartung zu erfüllen, das ist die Hauptaufgabe von Georg Linzbach. Der 56-Jährige leitete zuvor den Duft- und Aromenhersteller Symrise. Bei Heideldruck übernimmt er das Ruder von Bernhard Schreier, der 37 Jahren im Unternehmen war und es 13 Jahre lang führte – zuletzt allerdings wenig erfolgreich. (ang mit dpa, rts)


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