Ihr letztes Lebenszeichen ist ein lakonischer Aktenvermerk. „Patientin ist übertrieben anhänglich, folgt dauernd den Ärzten bei der Visite und ist auch auf der Station sehr lästig. Patientin arbeitet nicht“, heißt es am 26. Juni 1940 über Klara Jacob. Für ihre Rede zur Eröffnung der Gedenkstätte für die Euthanasie-Opfer am Nicolaiplatz hat Ausstellungskuratorin Astrid Ley ein Schicksal herausgegriffen. „Wenig später war Klara Jacob tot“, sagt sie mit knappen Worten, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Dauerausstellung soll den im Nazi-Regime Ermordeten ein Gesicht geben.
Klara Jacob wurde 1940 aus der Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Herzberge nach Brandenburg verschleppt, dort ermordet und verbrannt. Ihr grausames Schicksal teilten mehr als 9000 kranke und behinderte Menschen, die in der „Aktion T4“ auf dem Gelände des Alten Zuchthauses den Tod fanden. Die Tötungsanstalt am Nicolaiplatz war eine von sechs Mordstätten, in denen die Nazis insgesamt mehr als 70 000 psychisch Kranke und Behinderte systematisch töteten. „Das von der NS-Parteikanzlei organisierte Mordprogramm, in das auch hohe staatliche Stellen eingebunden waren, zielte vorrangig auf Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen“, sagte Astrid Ley vor etwa 200 Zuschauern und mehr als 40 Angehörigen der Opfer, die gestern Nachmittag zur Eröffnung der Euthanasie-Gedenkstätte gekommen waren. Die Vernichtung „unwerten Lebens“ war zudem die Konsequenz des Sozialdarwinismus der Nazi-Ideologie.
Die prominenten Gäste um Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau, Brandenburgs stellvertretenden Ministerpräsidenten Helmuth Markov (beide Linke) und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) hörten bewegende und verstörende Worte, als Peter Fischer vom Zentralrat der Juden feststellte: „Niemand kann den Namen Brandenburg an der Havel von der Schoah abtrennen.“ Die T4-Morde inmitten der Innenstadt war den Nazis ein Probelauf für Auschwitz. Die Patienten wurden mit Giftgas ermordet.
Der Eröffnung der Gedenkstätte waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen. Viele Brandenburger hatten dafür plädiert, an dem historischen Ort auch an die dort begangenen Verbrechen des SED-Regimes zu erinnern. Günter Morsch von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bezeichnete den langen Weg bis zur Eröffnung als „bedrückend“ und „teilweise beschämend“. Oberbürgermeisterin Tiemann betrachtet die Gedenkstätte als Einsatz gegen das Vergessen. (Von Bastian Pauly)