LUCKENWALDE - Bereitwillig stellte Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide gestern Vormittag den Balkon ihres Amtszimmers zur Verfügung. Eric Hein vom Landesverband „Andersartig“ und Nico Koske vom Jugendverband „Lambda“ bugsierten indes eine große Regenbogen-Flagge in die Höhe. Innerhalb der Lesbischwulen-Tour 2012 wurde gestern in Luckenwalde Station gemacht und die Regenbogen-Flagge als Symbol der Toleranz erst am Rathaus und dann am Kreishaus gehisst.
Die Tour war im Jahr 2006 schon einmal in Luckenwalde. „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, eine Plattform zu bieten“, sagte Herzog-von der Heide. Sie begrüße den bunten Tross, dessen Anliegen es sei, das Thema Homosexualität aus der Grauzone herauszuholen. „So lange die Betroffenen es für nötig halten, öffentlich darauf aufmerksam zu machen, wird es wohl auch nötig sein“, sagte die Bürgermeisterin. Sie glaubt, dass es „in der Provinz und im ländlichen Raum“ schwieriger sei, Akzeptanz zu finden als in der Großstadt. „Viele flüchten sich noch in die Anonymität.“
„Wir sind hier auf große Offenheit gestoßen“, sagte Eric Hein. Neben dem Rathaus hatten die 15 Akteure der Lesbischwulen-Tour inzwischen einen Informationsstand aufgebaut. Auch Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für lesbischwule Belange, lobte die Aufgeschlossenheit der Luckenwalder Verwaltungen. „Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gab schon Städte, da wurden wir ausgeladen, zum Beispiel 2011 in Guben.“ Mit dem Teltow-Fläming bekenne sich erstmals auch ein Landkreis zum Hissen der Regenbogen-Flagge. Lars Bergmann ist zum siebten Mal bei der Tour dabei und hat die Erfahrung gemacht: „Je weiter südlich man im Land Brandenburg kommt, desto aufgeschlossener sind die Leute.“
Am Luckenwalder Info-Stand hielt sich der Ansturm gestern wohl angesichts der großen Hitze in Grenzen. Dennoch blieben immer wieder Interessierte stehen, nahmen Info-Material und kleine Geschenke mit und kamen ins Gespräch. So wie das weibliche Paar Carola de Vries und Mia Friedrich. „Wir finden das total gut und wichtig, sich hier zu präsentieren“, sagte Carola de Vries. Die beiden Frauen selbst haben sowohl mit Vermieter, Kollegen und Familie nur gute Erfahrungen gemacht. „Wir leben unsere Beziehung sehr selbstbewusst, aber das geht nicht allen so“, sagte Mia Friedrich.
Völlig unbefangen machte Heike Püschmann am Stand Halt. „Ich hab’ mit dem Thema kein Problem. Ich hatte früher einige schwule Kumpels, die waren alle cool“, sagte die Luckenwalderin. Sie begrüßte die Kampagne und wünscht sich, „dass jeder leben kann, ohne sich zu verstecken“.
Heute ist die Lesbischwulen-Tour in Jüterbog. (Von Elinor Wenke)