NEURUPPIN - „Schmeißen Sie das T-Shirt mit der Aufschrift ,Weisse Wölfe’ weg“, riet Nebenklägeranwalt Stephan Martin dem Angeklagten Florian G. Denn durch die Werbung für die Rechtsrockband „Weisse Wölfe“ fühlte sich am Morgen des 19. Juni vorigen Jahres ein 23-Jähriger in Wittstock provoziert. Daraus ergab sich ein Streit, aus diesem eine Körperverletzung. Dafür stand Florian G. (21) gestern vor dem Neuruppiner Amtsgericht. Er kam mit einer Verwarnung davon.
Richter Gerhard Pries war auch stark dafür, das T-Shirt des Anstoßes zu „entfernen“. Er mahnte aber auch das Prügelopfer Jonas G., künftig besser abzuwägen, wann er sich einmischt und wann er sich besser zurückhält – etwa, wenn Alkohol im Spiel ist. Im vorliegenden Fall sei vorhersehbar gewesen, dass die Situation eskaliert.
Jonas G. kam in jenen frühen Morgenstunden mit seiner Schwester und zwei Freunden vom Abiball in der Wittstocker Stadthalle. Dort war reichlich Alkohol geflossen. In den Wallanlagen traf das Quartett auf den ebenfalls alkoholisierten Florian G. – und dessen T-Shirt. G. fragte ihn, „warum er so ein Teil trägt“. Er habe wissen wollen, „ ob er Mitläufer oder organisierter Nazi ist“.
Plötzlich bekam Jonas G. einen Schlag ins Gesicht. An mehr könne er sich nicht mehr erinnern, er sei zu betrunken gewesen, sagte er gestern. Dass Florian G. ihm gedroht haben soll, ihn umzubringen – wie die Schwester ausgesagt hat – konnte er nicht bestätigen.
Der Angeklagte, der gerade eine Ausbildung zum Landwirt macht, sah sich von Jonas G. bedroht. Der habe eine Flasche nach ihm geworfen. So sei es zur Rangelei gekommen. „Bedroht habe ich ihn nicht“, widersprach der Angeklagte. Er selbst schätzt sich nicht als rechtsgesinnt ein. „Ich habe kein Problem mit verschiedenen politischen Meinungen.“
Da sich weder der erste Schlag noch die Bedrohung zweifelsfrei nachweisen ließen, sah das Gericht hier von einer Ahndung ab. Von der Anklage übrig blieben die beiden Faustschläge, die Florian G. austeilte, als Jonas G. bereits weiter gegangen war.
Diese stritt Florian G. auch gar nicht ab. Die anderen hätten ihn wieder beschimpft. „Ich war so wütend, da habe ich noch zweimal zugeschlagen.“ Prügelopfer Jonas G. hatte Prellungen im Gesicht, Nasenbluten und eine aufgeplatzte Lippe. Seine Schwester war dazwischen gegangen und bekam zu hören, sie solle weggehen. „Ich schlage keine Frauen, aber deinen Bruder bringe ich um“, soll Florian G. gesagt haben. Das bestritt der Angeklagte. Für die Faustschläge entschuldigte er sich und ist bereit, 1250 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Darüber hinaus muss Florian G. 100 Sozialstunden ableisten und ein Antiaggressionstraining absolvieren. (Von Dagmar Simons)
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