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27.08.2012

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Studenten suchten Synagogen

Wanderausstellung über jüdisches Leben macht in Oberhavel Station

ORANIENBURG - Mit einem Zahlenparcours legen die Studenten los: Wir konnten bisher 44 Synagogen mit Quellen belegen. 20 dieser Beträume befanden sich in Wohngebäuden. Es gab 13 sogenannte Hinterhaussynagogen. Nur 7 Synagogen befanden sich in Solitärbauten. 18 ehemalige Synagogengebäude stehen noch heute. In 28 Orten wird mit Gedenktafeln an die Synagogen erinnert. 25 Synagogen und Bethäuser wurden in der Pogromnacht 1938 geschändet, davon 19 zerstört. Nach 1945 wurden weitere 8 abgerissen.

Zahlen, die viel sagen, aber längst nicht alles. Mehr ist in einer Ausstellung zu erfahren, die gestern Nachmittag in Oranienburg eröffnet wurde. Mit „Synagogen in Brandenburg. Eine Spurensuche“ ist sie überschrieben. Studenten der Universität Potsdam haben sie erarbeitet. Nach Potsdam ist die Ausstellung nun ins Oranienburger Bürgerzentrum gewandert. Zumindest die Schautafeln sind dort zu sehen. Sie zeigen Beispiele aus Brandenburg, Fotografien belegen den einstigen und jetzigen Stand: So brannte in Kremmen die Synagoge bei einem Stadtbrand 1840 nieder, an gleicher Stelle errichtete Isidor Borchardt ein Geschäft, nachdem er die Bürgerrechte erhalten hatte. Die Zehdenick wollten nach einem Stadtbrand 1803 eine Synagoge neu errichten (In der Stadt soll die Ausstellung demnächst gezeigt werden). In Oranienburg wurde die Synagoge 1938 zerstört.

Die Ausstellung wäre nur die Ansammlung einiger Schautafeln und die Eröffnung eine eher nüchterne Angelegenheit gewesen, wenn sich die Oranienburger nicht so engagiert hätten. Mit dem Klezmer Chidesch Ensemble bekamen die mehr als 100 Gäste akustisch Meisterliches zu hören, die jüdische Gemeinde „Wiedergeburt“ aus Oberhavel sorgte für ein vielfältiges Kuchenbüfett; Historiker Hans Biereigel und Lyudmyla Ladyzhenska legten eine zweisprachige Publikation über 300 Jahre jüdisches Leben in Oranienburg vor und hatten eine detailreiche, anregende Ausstellung gestaltet. „Oranienburg hat hier Maßstäbe gesetzt. Das Engagement ist bemerkenswert“, lobte gestern Elke-Vera Kotowski vom Moses Mendelssohn Zentrum die Stadt. Das sei auf die lokalen Forscher angewiesen, sie liefern wichtige Hinweise. sie begründete ihr Anliegen, positive Akzente zu setzen, nicht nur die Opferperspektive zu zeigen, sondern jüdisches Leben und jüdische Kultur als Bestandteil Deutschlands zu begreifen. „Wir wollen die Besucher anhalten, im eigenen Ort zu sehen, zu suchen, zu fragen“, sagte sie, um weitere Spuren zu bewahren. So sei in der Ausstellung von 44 nachgewiesenen Synagogen die Rede, die Studenten wissen von mehr, können die Orte aber noch nicht alle stichhaltig belegen.

Mit dem evangelischen Pfarrer Arndt Farack und dem Rabbiner Shaul Nekrich verwiesen zwei Redner auf das preußische Toleranzedikt von 1812 und auf die Toleranz und den Respekt, die die Thora lehrt.

Zu den in Oranienburg gezeigten Dingen gehört auch ein Foto vom 1. März 1943, zu sehen sind jüdische Männer, Frauen und Kinder in der Berliner Straße 20/21 vor ihrem Abtransport ins Vernichtungslager. Hans Biereigel möchte gern, dass eine Gedenktafel an dieser Stelle an diesen Tag erinnert. Noch hat er wenig Unterstützer für diese Idee gefunden, er hofft, die jetzige Ausstellung regt an, auch darüber nachzudenken. (Von Marlies Schnaibel)


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