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28.08.2012

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„Wir arbeiten im Dunkeln“

Kathrin Schultz über Homosexualität und Aufklärung

Erstmals war die „Lesbischwulen-Tour“ in Jüterbog. Nun ist sie vorüber. Organisatorin Kathrin Schultz zog mit Kathrin Burghardt ein kurzes Resümee.

MAZ: Ist Jüterbog eine schwulen-freundliche Stadt?

Kathrin Schultz: Ja, den Eindruck haben wir auf unserer Tour gewonnen. Die Leute sind hier scheinbar viel offener als in anderen Städten unserer Tour. Schön war, dass wir überhaupt auf dem Markt stehen durften und die Fahnenhissung vornehmen konnten. In manchen Städten wird einem das nicht erlaubt. Viele Leute haben uns ganz neugierig am Stand begrüßt und mit uns geplaudert, das ist ein gutes Zeichen.

Braucht es dann noch weitere Aufklärungsarbeit in der Stadt?

Schultz: Unbedingt, und zwar regelmäßig in jeder Generation von Jugendlichen. Denn solch eine Tour kann nur der Anfang sein und ist angesichts der Diskriminierung von Schwulen und Lesben nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie stellen sie sich die künftige Arbeit in Jüterbog vor?

Schultz: Der Bürgermeister signalisierte uns sein Interesse, dass wir öfter kommen sollen. Vor allem Beratungsstunden und Workshops in Schulen kann ich mir vorstellen. Das hilft den jungen Menschen sehr, mit dem Thema umzugehen. Es fängt zum Beispiel schon bei der Aufklärung im Sexualkundeunterricht an. Auch Lehrer müssen geschult werden und dürfen nicht verklemmt sein, wenn sie darüber sprechen.

Wie sieht die Diskriminierung von Schwulen und Lesben im Alltag meistens aus?

Schultz: Das fängt schon bei den Formularen an. Wenn jemand zum Beispiel in einer homosexuellen Partnerschaft lebt, sollte er dann ledig oder verheiratet ankreuzen?

Gibt es viele Schwulen und Lesben im Land Brandenburg oder Jüterbog?

Schultz: Das ist auch so ein Problem: Wir arbeiten quasi im Dunkeln. Es gibt keinerlei offizielle Untersuchungen oder Statistiken dazu. Wir gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung homosexuelle Neigungen haben. Ob diese ausgelebt und gezeigt werden oder im Verborgenen bleiben, steht auf einem anderen Blatt.

Wie messen sie dann Erfolge ihrer Aufklärungsarbeit?

Schultz: Zahlen spielen dabei keine Rolle. Wenn man nur mit einem einzigen Jugendlichen ins Gespräch kommen kann und ihm zeigen kann, uns Homosexuelle gibt es, wir sind da, und es ist in Ordnung, so zu fühlen und so zu leben, dann ist das ein Erfolg für uns.


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