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29.08.2012

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Am historischen Ort

Workcamp: Junge Leute aus aller Welt arbeiten in der Gedenkstätte Sachsenhausen

ORANIENBURG -  Deutschland und Russland, sagt Olga aus Russland, hätten eine gemeinsame Geschichte. „Ich würde gerne die deutsche Perspektive kennenlernen.“ 13 junge Leute nehmen derzeit an einem Workcamp in der Gedenkstätte Sachsenhausen teil. Sie gehören zur vierten international besetzten Gruppe, die sich in diesem Jahr mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt und Pflegearbeiten in der Gedenkstätte übernimmt. Gestern diskutierten sie mit Kulturstaatssekretär Martin Gorholt über ihre Eindrücke in Sachsenhausen.

Eine der Fragen, die die jungen Leute aus Spanien, Taiwan oder Südkorea am meisten interessiert: Wie setzt sich Deutschland mit seiner Geschichte auseinander? „Deutschland geht ganz anders mit seiner Geschichte um “, sagt eine junge Frau aus Südkorea. Vieles müsse in ihrer Heimat noch untersucht werden.

Auch eine Studentin aus Barcelona hat den Eindruck, dass Deutschland mehr Aufarbeitung geleistet hat als Spanien. „In Deutschland will man über die nationalsozialistische Vergangenheit sprechen – in dem Bewusstsein, dass so etwas nie wieder passieren darf“, sagt sie. Für viele Spanier seien die Franco-Jahre dagegen eine geschichtliche Episode, die losgelöst von der heutigen Gesellschaft gesehen werde. Ob Schüler sich mit der Diktatur auseinandersetzen, hänge weitgehend vom Lehrer ab.

„Haben die ehemaligen Nazis nach dem Krieg über ihre Verbrechen gesprochen?“, will eine Teilnehmerin wissen. Kaum, antwortet Gorholt. Er erinnert an Bernhard Schlinks Buch „Der Vorleser“, das den Umgang mit den Tätern des Holocausts in den 60er-Jahren thematisiert. Einige Teilnehmer lächeln. Sie kennen das Buch.

„Erinnern und gedenken gehört zu unserer Identität in Brandenburg“, sagt Gorholt. Trotz einer existierenden neonazistischen Szene sei er inzwischen optmistisch: „Wo Nazis auftreten, gibt es inzwischen eine Gegenbewegung.“

Am Vormittag hatte Gorholt die Sommeruniversität in der Gedenkstätte Ravensbrück besucht, die sich damit beschäftigt, wie Medien die Erinnerung an den Nationalsozialismus vermitteln. Wie etwa wirken Youtube-Filme, die von Auschwitz-Besuchern hochgeladen wurden? 60 Wissenschaftler und Studierende aus verschiedenen europäischen Ländern diskutieren noch bis Freitag. (Von Frauke Herweg)


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