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07.09.2012

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Possierliche Eindringlinge

Weil „fremde“ Arten wie der Mink sich in Brandenburg breit machen, schlagen jetzt auch Landespolitiker Alarm

POTSDAM - Wenn man sie anschaut, möchte man sie am liebsten kraulen: schwarze Knopfaugen, rotes Stupsnäschen, weißes Bärtchen und runde Ohren. Doch der amerikanische Nerz, besser bekannt als Mink, hat in Brandenburg nicht nur Freunde. Für die aus dem Landkreis Elbe-Elster stammende Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (SPD) ist der Mink zum Beispiel nichts weiter als „ein Tier, das nicht hierher gehört“. Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Marderart störe das ökologische Gleichgewicht der Mark. Deshalb hat Hackenschmidt den Mink im Landtag zum Thema gemacht.

„Er ist ein niedliches, possierliches Tier, das aber die einheimische Tierwelt attackiert“, begründet Hackenschmidt ihr Engagement. Sie sei durch Gespräche mit Landwirten auf das Problem aufmerksam geworden. „Sie sagen, dass Bodenbrüter wie Fasane und das Niederwild von Minks erledigt werden.“ In Kürze will Hackenschmidt erneut eine Anfrage im Landtag stellen. Sie ist für ein gemeinsames Vorgehen der Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt gegen den Mink. Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit der größten Verbreitung der Minks. Im sachsen-anhaltinischen Burg waren 2007 von radikalen Tierschützern 10 000 Exemplare aus einer Zuchtstation befreit worden. Rund 2000 der Tiere hatten in freier Wildbahn überlebt und sich offenbar rasend vermehrt. Allerdings sind schon seit den 1950er-Jahren immer wieder Minks aus deutschen Zuchtfarmen für Pelztiere entkommen. Solche Farmen hatte es auch schon zu DDR-Zeiten in Brandenburg gegeben.

Trotz der Besorgnis von Landwirten und Politikern wie Hackenschmidt ist der Mink anders als etwa der Eichenprozessionsspinner von der Landesregierung nicht zur Chefsache erklärt worden. Auch ein abgestimmter Plan mit dem Land Sachsen-Anhalt zur Bekämpfung des Minks liegt bislang noch nicht vor.

„Wir sehen den Ball bei den unteren Jagdbehörden“, sagt Jens-Uwe Schade, Sprecher des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums. An die Jäger richtet sich vor allem der Appell des Landes, den Beständen mit Fallen Herr zu werden. Schade schließt ein künftiges Engagement der Landesregierung nicht aus: „Wahrscheinlich wird das Thema auf uns zukommen.“

Vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (Barnim) wird der Mink derzeit eher als ein Randproblem gesehen. „Die Jäger haben im Augenblick eher mit Wildschäden im Mais und mit erhöhten Wildbeständen im Wald zu tun“, sagt Sprecher Jan Engel. Auch er kann sich derzeit kein gemeinschaftliches Vorgehen gegen den Mink vorstellen.

Der Leiter des Naturkundemuseums Potsdam, Detlef Knuth, Experte für Biodiversität, sieht die ökologische Bedrohung sowieso eher bei dem ebenfalls von Übersee kommenden Waschbären als beim Mink. Von Letzterem gingen im Augenblick keine gravierenden Probleme aus. Der Waschbär jedoch bedrohe zum Beispiel die letzten freilebenden Sumpfschildkröten Brandenburgs, „wenn er deren Gelege ausplündert“. Unter anderem sind es die Nachfahren der 1945 aus einem Gehege in Wolfshagen bei Strausberg (Märkisch-Oderland) entkommenen Waschbären, die sich erfolgreich ausbreiteten. Knuth schätzt ihre Zahl heute in die Hunderttausende. Auch durch intensive Bejagung seien sie nun nicht mehr auszumerzen.

Den Statistiken der Jagdbehörden zufolge hat die Zahl der zu den Mardern zählenden amerikanischen Nerze in Brandenburg und Sachsen-Anhalt seit Mitte der 1990er-Jahre ständig zugenommen. Allein in der vergangenen Jagdsaison waren in Brandenburg 197 Minks geschossen worden, knapp ein Drittel davon im Haveland. Die an Flüssen und Seen lebenden nachtaktiven Tiere haben inzwischen den Europäischen Nerz weitgehend verdrängt. (Von Rüdiger Braun)

„Einwanderer“ tragen Pelz
Bekannte „Einwanderer“ in der Mark Brandenburg sind der Waschbär, der Marderhund und der Mink. Während Waschbär und Mink ursprünglich in Nordamerika beheimatet waren, kommt der Marderhund aus dem Osten, vor allem aus Sibirien. Einschätzungen der Populationen liegen der Landesregierung nicht vor. Ein Indiz für die Verbreitung der Tiere ist jedoch die Jagdstrecke.

Die Waschbärenstrecke stieg in den beiden vergangenen Jahren rasant an und erreichte 2010/11 eine Höchstmarke. Die 11 769 erlegten Waschbären bedeuten für Brandenburg einen Streckenrekord und einen Anstieg um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Tiere waren im Kreis Ostprignitz-Ruppin erlegt worden.

Der Marderhund – hochbeinig und aus Asien stammend – wirkt tatsächlich wie eine Kreuzung aus Marder und Hund. In Brandenburg hat er im letzten Jagdjahr einen Rückgang um 30 Prozent erlebt. In der Saison 2010/11 kamen landesweit 5654 Marderhunde zur Strecke. Der Landesjagdverband vermutet, dass die Population durch Krankheiten vermindert wurde.

Die Strecken beim Mink blieben in den Vorjahren etwa gleich. Verglichen mit den anderen Einwanderern schlagen 197 erlegte Minke kaum zu Buche. Dagegen wurden im Jagdjahr 2010/11 immerhin 1390 Steinmarder erlegt. bra


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