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08.09.2012

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Rheinsberg will Brewer einladen

Stellvertretender Bürgermeister entschuldigt sich für Rassismus-Erlebnis

RHEINSBERG - Der stellvertretende Rheinsberger Bürgermeister Jens Eggert und der Ortsvorsteher der Kernstadt, Sven Alisch (SPD), haben gestern die Erlebnisse von David Lee Brewer in Rheinsberg bedauert. „Wenn das so war, möchte ich mich entschuldigen“, sagte Eggert der MAZ. Der Leiter des Bau- und Bürgeramtes der Stadt vertritt derzeit Bürgermeister Jan-Pieter Rau (CDU), der im Urlaub ist. Eggert will nun Kontakt mit Brewer aufnehmen und sich von ihm selbst die Vorfälle schildern lassen. Außerdem will er den Tenor und Gesangslehrer nach Rheinsberg einladen, um ihm zu zeigen, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt hat.

Unabhängig von Eggert kam auch der Ortsvorsteher der Kernstadt, Sven Alisch, auf die gleiche Idee. „Ich möchte mich auch im Namen der Stadt entschuldigen“, sagte er gestern. „Das ist hier nicht an der Tagesordnung, nicht das, wofür wir uns einsetzen.“ Es habe in Rheinsberg seit Jahren viele Veranstaltungen gegen Rassismus und Rechtsextremismus gegeben. Er erinnere nur an die „Gesicht zeigen“-Kampagne, als es vor einigen Jahren den Verdacht gab, die NPD wolle ein Grundstück in Rheinsberg kaufen. „Wir begegnen Fremdenfeindlichkeit aktiv, das muss man an dieser Stelle deutlich sagen“, so Alisch.

Jens Eggert sorgt sich natürlich auch um den Ruf der Stadt. „Für unser Image ist das eine Katastophe“, sagte er. „Das hat Auswirkungen auf unsere gesamte Kulturlandschaft.“ Er sei leider erst durch den MAZ-Bericht von gestern auf den Vorfall vor zwei Jahren aufmerksam geworden, genauso wie Sven Alisch. Es sei deswegen müßig, jetzt noch nach denjenigen zu suchen, die sich damals schlecht gegenüber dem Sänger und Gesangslehrer verhalten hatten, sagte Jens Eggert.

Der schwarze Gesangslehrer und Tenor David Lee Brewer hatte sich bei einem Besuch bei der Kammeroper 2010 wegen seiner Hautfarbe diskriminiert gefühlt. Dort hatte er sich den Auftritt seiner Schülerin Ekatarina Kardakova angesehen. Er hatte die Stadt nach den Vorkommnissen fluchtartig verlassen, sich aber anschließend nicht weiter um den Vorfall gekümmert. Er rät allerdings seitdem Schülern von ihm, die nicht deutsch aussehen, davon ab, sich bei der Kammeroper oder der Musikakademie zu bewerben. Die MAZ hatte erst vor Kurzem durch private Kontakte einer Redakteurin zu Brewer davon erfahren und gestern darüber berichtet.

Der US-Amerikaner David Lee Brewer ist Tenor und Gesangslehrer und betreibt ein Gesangsstudio in Berlin, wo er sowohl Opern- wie Popsänger ausbildet. Er arbeitete unter anderem mit R’n’B-Star Beyoncé Knowles, der deutschen Band Frida Gold und der Newcomerin Schmidt. (Von Carsten Schäfer)


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