BERLIN - Der flächendeckende Streik der Lufthansa-Flugbegleiter, der gestern unter anderem den Airport Berlin-Tegel lähmte, hat Wirkung gezeigt: Am Abend vereinbarten die Streitparteien eine Schlichtung. Die Streiks werden ausgesetzt, sagte der Chef der Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Ein Schlichter wird nach Angaben von Baublies noch gesucht. Während der Schlichtung gilt Friedenspflicht.
Die Gewerkschaft hatte zuvor schwere Geschütze aufgefahren: Am dritten Streiktag fielen allein am Flughafen Berlin-Tegel wegen des Ausstands der Stewardessen und Stewards je 40 Starts und Landungen aus. Etwa 5000 Fluggäste konnten ihren Flug nicht planmäßig antreten. Deutschlandweit mussten nach Lufthansa-Angaben rund 900 Flüge gestrichen werden. Mehr als 100 000 Passagiere waren betroffen. Chaos brach zwar nicht aus, dennoch war der Ausstand beispiellos: Selbst die Pilotenstreiks von 2001 und 2010 trafen die Airline nicht so heftig.
Eine Annäherung bahnte sich dann am Nachmittag an, als Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz ankündigte, Leiharbeitern, die am Standort Berlin angestellt sind, eine Festanstellung in der Lufthansa-Gruppe anzubieten. Damit bewegte sich die Lufthansa in einem zentralen Punkt auf die Gewerkschaft Ufo zu. Das sei ein „wichtiges Signal“ gewesen, sagte Baublies. Im Schlichtungsverfahren geht es nach Angaben von Ufo in erster Linie um die Vergütungsfragen. Parallel dazu soll aber über alle anderen strittigen Fragen wie Leiharbeit verhandelt werden. „Damit ist die Ufo sehr zufrieden“, sagte Baublies. Es sei der Gewerkschaft immer um ein Gesamtpaket gegangen.
Aufatmen können nun auch die Lufthansa-Kunden. Gestern ärgerten sich viele, die am Flughafen gestrandet waren – auch über die Informationspolitik der größten deutschen Airline. „Das ist eine Unverschämtheit“, schimpfte Ahmet Tas, der mit seiner Familie zurück aus dem Urlaub kam und mit einen vollgepackten Trolley an einem Lufthansa-Schalter wartete. „Wir hatten bis zuletzt keine Information, ob wir nach Deutschland zurückfliegen können.“ Ersin Cihan tauschte am Ticketschalter ebenfalls sein Flugticket um. Er musste fast sieben Stunden warten, bis sein umgebuchter Flug startete. „Es wäre gut gewesen, wenn wir uns darauf früher hätten einstellen können.“ Die Kontaktnummer der Lufthansa habe er am Vortag immer wieder angerufen. Es sei aber jedes Mal besetzt gewesen. „Ich brauche schon fast wieder Urlaub nach dem ganzen Stress.“ Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber versuchte zu beschwichtigen. „Wenn von 170 000 Fluggästen nur 80 000 fliegen, ist das keine leichte Aufgabe.“ Immerhin seien mehr als 55 000 Nachrichten verschickt worden.
Nach Lufthansa-Angaben soll das nun vereinbarte Schlichtungsverfahren bis zum 12. September abgeschlossen werden. (Von Kerstin Voy, (mit dpa))