BAD BELZIG - „Gegen das Verdrängen muss das Erinnern gesetzt werden“, sagt Wolf Thieme. Er spricht vom Antisemitismus in der DDR, den es in den Köpfen der Menschen hierzulande nie gegeben haben soll. Deshalb, so Thieme, habe er die Wanderausstellung „Das hat’s bei uns nicht gegeben – Antisemitismus in der DDR“ nach Bad Belzig in die Stein-Therme geholt. Thieme will den Menschen die Augen öffnen, sie sensibilisieren für die Judenfeindlichkeit, die es in der DDR durchaus gegeben hat.
Parolen, Schmierereien und Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen sind auf den 30 Schautafeln der Ausstellung dokumentiert. „Diese Sachen haben es aber nicht in die Zeitung oder ins Fernsehen geschafft. Was da nicht stand, das hat es auch nicht gegeben“, sagt der Journalist im Ruhestand, der heute in Werbig lebt. „Auch die DDR war kein Paradies, Fremdenhass, verkappte Nazis und Antisemitismus haben existiert.“
Vor zwei Jahren hat Thieme die Ausstellung, deren Träger die Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung ist, selbst zum ersten Mal gesehen. Sofort habe er die Idee gehabt, sie nach Bad Belzig zu holen. „Weil es bis heute einen latenten Antisemitismus gibt“, sagt er und verweist auf jüngste Medienberichte, die unter anderem von Pöbeleien gegen jüdische Schülerinnen in Berlin berichten. „Ich halte das für eine Seuche, die in Deutschland noch immer grassiert und gegen die man was unternehmen muss“, so Thieme. Keineswegs gehe es ihm um die Bekämpfung eines positiven DDR-Bildes oder darum, die DDR-Bevölkerung unter Pauschalverdacht zu stellen. Aber er wolle deutlich machen, dass aus der Erinnerung an die eigene antifaschistische Erziehung keine Allgemeingültigkeit abgeleitet werden kann. „Dass Antisemitismus kein Thema in der eigenen Familie war, heißt nicht, dass es in anderen Familien genauso war“, so der Initiator. Die Ausstellung, an der 76 ostdeutsche Jugendliche mitgearbeitet haben, soll ein Anfang sein, zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen.
Auch die Geschichte des Flämings ist nicht frei von Antisemitismus. Seit Januar dieses Jahres erinnert in Reetz ein „Stolperstein“ an den 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten Israel Rabinowitsch, der als Kriegsgefangener über die Lausitz in den Fläming kam. Er musste aufgrund seiner jüdischen Abstammung sterben.
Thieme hofft, dass vor allem Schulklassen das kostenlose Angebot wahrnehmen. Der Weg bis zur Ausstellungs-Eröffnung am vorigen Wochenende war lang. Zwei Jahre vergingen seit der Idee. Der Grund dafür sei vor allem die Raumfrage gewesen. „Ich bin damals an die Stadt herangetreten, aber es hat sich kein Raum gefunden, in dem die Ausstellung gezeigt werden konnte“, so Thieme. Erst eine Anfrage bei der Bad Belziger SPD habe Früchte getragen. So sei der Kontakt zur Stein-Therme zustande gekommen, um die Ausstellung im Foyer zu zeigen.
So könne man nun auch Menschen erreichen, die nicht gezielt die Ausstellung angesteuert haben. (Von Stephanie Philipp)
Ein voller Erfolg war der Nuthetaler Handwerkertag am 20. April rund um den Marktplatz „Zum Springbruch“ in Bergholz-Rehbrücke. Das rege Zusammenwirken der Geschäfte, Handwerksbetriebe und all der Helfer rund um die Organisation und das Rahmenprogramm ermöglichte einen bunten Einblick in die Vielfalt des gemeindlichen Lebens.
» weiter