Dieser Samstag wird ein besonderer Samstag – vor allem, weil ich mir am Morgen die Zeit nehmen werde, mit meiner Familie früh, aber ausgiebig zu frühstücken. Natürlich ist das auch ein besonderer Samstag aus einem anderen Grunde, aber dazu später mehr. Im Laufe der Woche sind die Gelegenheiten zu Gesprächen mit meiner Frau Christine und unserer Tochter Karen, die noch bei uns wohnt, ja eher rar gesät. Das ist wenigstens an einem Tag des Wochenendes etwas anders. Dann kommt auch noch unser Sohn Hanno zu Besuch, und ich bekoche die Familie. An diesem Samstagfrüh heißt es aber für mich erst einmal: Brötchen holen, Frühstück vorbereiten und eindecken. Für unsere Hündin Luzie fällt dann meist auch etwas ab. Als Hundebesitzer darf man das eigentlich nicht zugeben, aber das ist unsere kleine Schwäche. Ich genieße aber die gemeinsame Zeit mit allen. Seitdem unsere Tochter von ihrem Studienaufenthalt in den USA zurückgekehrt ist, ist mir das besonders wichtig.
Ich war ja im Frühjahr selbst mit meiner Frau in Kalifornien. Die Weite des Landes finde ich faszinierend. Ich war auch beeindruckt, mit welcher Gelassenheit die Amerikaner mit Problemen umgehen. Stichwort: „Easy going“. Ein bisschen von dieser Gelassenheit wünsche ich mir auch für diesen Samstag. Um kurz vor 11 Uhr radle ich von der russischen Kolonie Alexandrowka zur Wiese am Hauptbahnhof, um das 5. Fest für Toleranz zu eröffnen. Hoffentlich kommen viele Potsdamerinnen und Potsdamer. Ich freue mich auf ein buntes, kreatives Treffen. Schön, dass es gelungen ist, diese Veranstaltung mit dem Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ und so vielen Mitstreitern auf die Beine zu stellen. Dank an alle!
Es ist ein Zeichen an den gleichzeitig stattfindenden NPD-Aufmarsch, dass wir keine Rechtsextremen in Potsdam dulden! Die Landeshauptstadt ist eine tolerante Stadt, in der Menschen verschiedener Kulturen friedlich zusammenleben. In den 20 Jahren nach der Wende haben wir eine Bürgergesellschaft geschaffen, die Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und rechte Gewalt nicht duldet. Das lassen wir uns von der NPD nicht kaputtmachen. Es ist zu hoffen, dass der braune Spuk möglichst rasch und ohne Nachwirkungen vorübergeht. Sollte das gelingen, kann ich mich am Abend meiner Leidenschaft Fußball widmen und in der Sportschau den Bundesliga-Spieltag nacherleben.
Der Tag klingt aus mit der Familie. Wir sind zu einem Gartenfest eingeladen. Ein Ausklang mit Genuss – und hoffentlich mit dem Gefühl, dass die NPD in Potsdam niemals Fuß fassen wird.
Der Sozialdemokrat Jann Jakobs (58) ist seit 2002 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt.