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15.09.2012

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Bahnhof mit Barriere: Nur ohne Rollstuhl

Wie die Bahn Behinderte in Löwenberg ausschließt

NEULÖWENBERG - „Der Tunnel stammt noch aus der Kaiserzeit“, sagt Uwe Strohschein, als Teilprojektleiter bei der Bahn zuständig für den Neubau des Bahnhofs Löwenberg. Der Tunnel zum Gleis 2 Richtung Norden ist marode und wird zugeschüttet. Im neuen Bahnhof, der laut Bauplan am 27. April 2013 in Betrieb geht, ist das Gleis über eine Überführung zu erreichen. Allerdings nicht für Rollstuhlfahrer. Denn die müssen zwei Treppen überwinden: eine rauf, eine runter. Ein Aufzug ist nicht geplant.

„Der Bund ist zuständig“, sagt Bahn-Sprecher Gisbert Gahler. Ab 1000 Nutzer täglich würden das Eisenbahnbundesamt und das Bundesverkehrsministerium einen Aufzug finanzieren. Liegen die Nutzerzahlen darunter, müsste die Bahn zahlen, das tut sie aber nicht.

In Löwenberg steigen nach einer Erhebung der Bahn täglich weniger als 500 Menschen ein und aus. An schwach frequentierten Bahnhöfen komme das Problem des Vandalismus hinzu, so Gahler. Doch für Karl Lehmann, Vorsitzender des Behindertenverbandes Oberhavel, sind Nutzerzahlen ein Totschlagargument. „Wir können zum Mond fliegen, aber ein barrierefreier Zugang an kleinen Bahnhöfen ist nicht möglich“, sagt Lehmann. Statt eines Aufzugs könne auch eine Rampe gebaut werden. Schließlich seien Treppen nicht nur für Rollstuhlfahrer ein Hindernis, sondern auch für Senioren mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit schwerem Gepäck oder Fahrrädern. „Es wird heute viel von Inklusion geredet. Die fängt beim Weg zur Arbeit, zur Schule oder in den Urlaub an“, sagt Lehmann. Jürgen Paul, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Winto, sieht das ähnlich. „Wir brauchen ein neues Bewusstsein.“ In Nordeuropa seien barrierefreie Zugänge auch an kleinen Stationen üblich. „Wir müssen Druck machen“, sagte Paul. Die Winto habe aber keine Möglichkeit einzugreifen.

Auch im Potsdamer Verkehrsministerium sieht man keine Handlungsmöglichkeit. Barrierefreie Gestaltungen würden nur für den Bahnhofsvorplatz gefördert, sagt Sprecher Lothar Wiegand. Barrierefreiheit sei aber auch nicht an „jedem kleinen Bahnhof“ zu schaffen.

Dagegen erklärte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) in dieser Woche: „Barrierefreiheit soll keinen Nischencharakter an wenigen Orten haben.“ Gleichzeitig stellte er den querschnittsgelähmten ehemaligen Turner Ronny Ziesmer als Botschafter für barrierefreien Tourismus vor. Rollstuhlfahrer sollen in Brandenburg unbeschwert reisen und touristische Ziele erreichen können. Löwenberg wird wohl ein weißer Fleck auf Ziesmers Reisenlandkarte bleiben. (Von Klaus D. Grote)


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