FALKENSEE - Vorweg: Die Ausstellung hat auch etwas Gutes. Wer sie besucht hat, kennt danach Gesichter von Mitgliedern nationalistischer Parteien und Logos rechter Medien, hat sich durch eine informative Liste der neofaschistischen Organisationen geackert, weiß um die Bedeutung der Zahl 88 für die rechte Szene und des Staatsgelds für die NPD-Parteienfinanzierung. Das ist durchaus lehrreich. Über rechtsextreme Umtriebe kann nach gängiger Meinung schließlich nie zu viel aufgeklärt werden. Doch von der Schau, die gestern im Falkenseer Haus am Anger eröffnet wurde und noch bis zum 30. September zu sehen ist, bleiben vor allem diese Eindrücke zurück: Die Tafeln sind zu voll und zu bunt – und die Ausstellung irritiert durch ihre Oberflächlichkeit, die bisweilen an der Gefahrengrenze nur knapp vorbeischrammt.
Das erstaunt umso mehr, als dass sie von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN – BdA) konzipiert und laut Faltblatt seit 2010 bereits in zahlreichen Rathäusern, Jugendzentren, Universitäten und Parlamenten gezeigt wurde. Unterstützt wurde der Verein dabei von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, nach Falkensee geholt hat sie das Bündnis gegen Rechts. Die 26 Informationstafeln sind also nicht von einer Schulklasse beklebt worden, sondern kosten pro Woche 100 Euro Miete.
Gegliedert ist die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ in die Themenbereiche Ideologie, Struktur, Zusammenhänge und Gegenstrategien. Jede Tafel beginnt mit einem einleitenden Text, der bestürzend oft nicht einmal die Oberfläche des jeweiligen Themas ausreichend beschreibt. Darunter und daneben gruppieren sich Fotos und Plakate, Bilder von Leuten und Häusern, Zitate aus dem NPD-Handbuch „Argumente für Kandidaten und Funktionsträger“, dazwischen gestreut befindet sich eine geballte Ladung Kreuze, Flaggen, Parolen und durchgestrichene Moscheen. Alles ist bunt und eng beieinander.
In welchem Zusammenhang die Abbildungen stehen, was sie aussagen sollen, bleibt dabei aber weitgehend unklar. Gegen ein bisschen Selbstdenken ist durchaus nichts einzuwenden, doch in einer Ausstellung zu einem gesellschaftspolitischen Thema kann der Besucher nicht allein gelassen werden wie in einer Kunstschau. Bei einer Veranstaltung, die auch an Jugendliche gerichtet ist – Klassen sind ausdrücklich eingeladen – ist es schlichtweg unakzeptabel; Erklärung und Einordnung bleibt in diesem Fall allein der begleitenden Aufsichtsperson überlassen. Eine Auseinandersetzung mit der verwendeten (Bild-)Sprache und dem Duktus der Nationalsozialisten und Neofaschisten, zu betrachten und zu lesen in den Beispielen, findet in der Ausstellung ebenfalls nicht statt.
In manchem Besucherhirn dürfte daher beim Betrachten der Tafeln ein befremdliches Wort-Bild-Gemisch entstehen. Auch das Plakat zur Ausstellung könnte auf manche wie ein Werbeposter für Neofaschismus wirken. Der Ältere kann mithilfe seines Wissens zwar in der Regel erkennen, wie ein Zitat oder ein Symbol heutzutage zu deuten ist, der Schüler aber nicht unbedingt. Unangenehm wird es vor allem dann, wenn Überschrift und Bilder auf den ersten Blick Aussagen ergeben, die die Organisatoren unmöglich beabsichtigt haben können: Unter dem Titel „Was diese Ausstellung will“ etwa liest man auf einem Banner „Nationaler Sozialismus“, und unter der Überschrift „Antisemitismus“ fällt als erstes ein Foto von Barack Obama auf. (Von Jana Einecke)