GRANSEE - Respekt vor Rohstoffen hatte Anke Culemann schon als Jugendliche. Schon damals konnte sie nicht verstehen, warum jemand schönste, graumelierte Heidschnuckenwolle wegwirft. Der Handarbeitsunterricht in der Schule war ihr ein Gräuel, aber sie fing an, sich für die Verarbeitung des Naturstoffs zu interessieren und rettete die Heidschnuckenwolle. Daraus fertigte sie ihren ersten Wandbehang.
Die Liebe zum Stoff und zur Handarbeit ist geblieben. Noch heute sammelt, verarbeitet und experimentiert Anke Culemann mit Wolle – und entspannt am Spinnrad. Inzwischen ist daraus ein persönliches Spendenprojekt erwachsen, für das die Psychologin beim Internationalen Spinntag am Sonnabend in Löwenberg warb: „Handspinnen für bedrohte Völker“.
In ihrem Internet-Blog (hilfsprojekt-frauenschutz-darfur.blogspot.de/) berichtet die Granseerin vom Schicksal der Frauen in Westsudan, die täglich der Gewalt ausgesetzt seien – allein, weil sie außerhalb der Flüchtlingslager Feuerholz sammeln und dort schutzlos sind.
In Löwenberg verteilte Anke Culemann Handzettel. Beispielhaft wird da vom Schicksal der 16-jährigen Aisha erzählt: „Ich war mit anderen Frauen zum Feuerholz-Sammeln gegangen. Plötzlich umringten mich Männer, die mich zu Boden rissen und mir Gewalt antaten. Als ich in das Flüchtlingslager zurückkam und meiner Familie davon erzählte, warfen sie mich aus der Hütte“. Aishas Schicksal sei kein Einzelfall, heißt es in dem Bericht. Tausende Frauen seien seit Beginn des Völkermordes in Darfur vergewaltigt worden.
Mit ihrem Spendenprojekt unterstützt Anke Culemann deshalb den Kauf von Solarkochern, die es den Frauen ermöglichen, innerhalb der Lager die Mahlzeiten für die Familien zubereiten zu können. 20 Euro kostet ein Solarkocher und die Schulung für die Frauen. Anke Culemann hat mit ihrer Spendenaktion bereits Geld für 100 Solarkocher gesammelt, die dritte Spendenphase ist angelaufen. Das Ziel sind 50 weitere Kocher.
Wolle und andere handgemachte Artikel aus Naturfasern werden auf dem Blog gegen eine Spende von 20 Euro verkauft. Der Erlös fliest direkt in das Solarkocher-Projekt der Gesellschaft für bedrohte Völker, in der sich Anke Culemann seit mehr als 20 Jahren engagiert. „Zu dieser Gesellschaft habe ich Vertrauen“, sagt sie. Regelmäßige Berichte und Fotos würden Gewissheit bringen, dass das Geld in den Flüchtlingscamps auch ankommt und den Frauen dort wirklich geholfen wird. (Von Cindy Lüderitz)