POTSDAM - Nach der dritten Stunde ist Schluss. Am 22. November werden Brandenburgs Schulen vorzeitig schließen. Der Grund: Die Lehrer machen gegen die aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsbedingungen mobil. Landesweit wollen mehrere Tausend Pädagogen bei Personalversammlungen über ihre Situation diskutieren. Bereits an diesem Samstag werden rund Tausend Teilnehmer in Potsdam zu einer ersten Konferenz der Lehrer- und Personalräte zusammenkommen.
„Die Lage in den Schulen ist dramatisch“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, gestern in Potsdam. Die Arbeitsbelastung steige stetig. Gleichzeitig hätten die Lehrer, die ohnehin schon weniger verdienten als ihre West-Kollegen, Einkommenskürzungen hinnehmen müssen. „Die Lehrkräfte fühlen sich nicht ernstgenommen in diesem Land“, so Fuchs.
„Die Kollegen vermissen das Gefühl der Wertschätzung“, betonte auch die Vizepräsidentin des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Dagmar Graefe. Eine Projekt jage das nächste – ohne dass die rot-rote Landesregierung dafür genügend Geld zur Verfügung stelle. „Die Förderung der Schüler kommt bei der dünnen Personaldecke zu kurz“, so Graefe.
Besonders ältere Kollegen litten erheblich unter der Unterrichtsbelastung, sagte GEW-Chef Fuchs. DDR-Lehrer hätten schon mit 22 Jahren vor einer Klasse gestanden. Mittlerweile gebe es im Land drei Prozent langzeiterkrankte Lehrer. Ausstiegsangebote für ältere und mehr unbefristete Stellen für junge Lehrer gehören deshalb zu den Forderungen, die die Gewerkschaften am Samstag in einer „Potsdamer Erklärung“ formulieren wollen.
Der Aufruf der Gewerkschaften sei „Hilfeschrei und Weckruf zugleich“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Marie Luise von Halem. Sie hoffe, dass die rot-rote Landesregierung diesen endlich wahrnehme. Sollte das Land keine seriösen Angebote machen, könnten bald noch mehr Schulstunden ausfallen, kündigt GEW-Chef Fuchs an: „Wir werden den Protest dann auf die Straße tragen.“ (Von Marion Kaufmann)